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30 Minuten Zeit für den Bürgerdialog

Radverkehrskonferenz in Cölbe 30 Minuten Zeit für den Bürgerdialog

Die Meinungen zum Bürgerdialog gingen im Nachhinein weit auseinander. Manche Teil­nehmer fühlten sich ab­gewiesen, andere hoffen noch, dass ihre Ideen aufgegriffen werden.

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Thomas Meyer (von links), Günter Schlichthörl und Kurt Moog sprechen, über einer Karte des Radroutennetzes im Burgwald gebeugt, über das Thema Verkehrssicherheit.

Quelle: Philipp Lauer

Cölbe. Das Gemurmel in der Gemeindehalle in Cölbe wird lauter. Rund 70 Menschen sind gekommen, um sich beim sogenannten Bürgerdialog des Landkreises zum Radverkehr in den Burgwaldkommunen zu beteiligen. Nach einer Dreiviertelstunde gab es dann für fünf Bürger erste Gelegenheit, Fragen an die beiden Referenten zu stellen.

Passende Antworten hatten Thomas Meyer von Marburg Stadt und Land Tourismus (MSLT) und Ruth Glörfeld vom Fachdienst Bürgerbeteiligung des Landkreises nicht parat. Mal verwiesen sie auf eine Folgeveranstaltung, mal wichen sie aus.

Im Nachgang befragt, ob sie mit den Antworten zufrieden waren und wie ihnen die Veranstaltung insgesamt gefallen hat, zeichneten die Bürger ein enttäuschtes Bild von der versprochenen Bürgerbeteiligung. „Nein, meine Frage wurde nicht beantwortet. Mir wurden auf dieser bruchstückhaften Veranstaltung zu viele technische Details besprochen. Die Ziele, die der Landkreis mit dem Radverkehrsplan verfolgt, wurden mir nicht richtig klar“, erklärt Henner Gonnermann aus Marburg. Insgesamt habe ihn die Veranstaltung nicht überzeugt.

„Das war ein Geplänkel ohne richtiges Ergebnis“

Ähnlich ging es Helmut Naumann aus Wetter, der sich die Frage stellte, was heißt eigentlich Bürgerdialog? „Wenn Fragen kamen, hat man versucht, diese schnellstmöglich abzuhandeln“, sagt Naumann und spricht an, was ihm außerdem aufgefallen ist: „Die Masse an normalen Bürgern war nicht da.“ Die Bezeichnung Bürgerdialog hält Naumann für nicht zutreffend. Kreispressesprecher Markus Morr teilte dazu mit, 20 Teilnehmer sind in der Lokalpolitik aktiv, acht in der Kreisverwaltung tätig, drei bei MSLT. Hinzu kommen Vertreter von Hessen Forst und Hessen Mobil sowie ein Mitarbeiter der Uni Wuppertal.

Was die Fragen angeht, argumentiert Morr, sie hätten nicht den inhaltlich vorbereiteten Schwerpunkt „Radverkehr im Burgwald“ getroffen. „Darüber hinaus besteht für die Bürger jederzeit die Möglichkeit, sich mit ihren Fragen an die Kreisverwaltung beziehungsweise an die MSLT zu wenden.“

Genau das habe er vor drei Jahren das erste Mal getan, sagt Dieter Klose aus Caldern. „Ich bin mit meinem Anliegen durch die verschiedenen Institutionen gereicht worden, habe auch schon mit Landrätin Kirsten  Fründt gesprochen“, sagt Klose. Beim Bürgerdialog am Dienstag trug er sein Anliegen zum Zustand des Radweges zwischen Caldern und Sterzhausen im Plenum erneut vor und erhielt wieder keine Antwort. „Ich fühle mich mit meiner inhaltlichen Anregung nicht ernstgenommen. Die Veranstaltung wird ihrem Namen nicht gerecht. Das war ein Geplänkel ohne richtiges Ergebnis“, erklärt Klose.

Bürger sind gespannt, wie es weitergeht

Günter Schlichthörl wollte etwas über die Zusammenarbeit zwischen der Stadt Marburg und dem Kreis bei der Radverkehrsplanung erfahren. „Mir ist die Antwort nicht richtig klar geworden“, sagt Schlichthörl. Er hätte sich außerdem eine klarere Erklärung gewünscht, ob der Kreis seine Prioritäten eher beim Freizeit- oder beim Alltagsverkehr setzt und was eigentlich realistisch machbar ist.

In Kleingruppenarbeit ging es eine halbe Stunde lang um die drei Themen Verkehrssicherheit, ÖPNV-Schnittstellen und Fahrradabstellanlagen. Boris Lang aus Marburg brachte zur Verkehrssicherheit sein Anliegen zur Kreisstraße 81 zwischen Sarnau und Wetter vor.

Den detaillierten Vorschlag, die K81 als eine Fahrradstraße einzurichten, hatte er bereits im vergangenen Jahr an die Bürgermeister vor Ort, die Vorgängergesellschaft der MSLT und Kreisausschussmitglieder geschickt. Bislang hat er noch ­keine inhaltliche Rückmeldung bekommen. Im direkten Kontakt am Dienstag fühlte sich Lang ernst genommen. „Die Frage ist, was passiert jetzt mit den Vorschlägen? Ich wünsche mir Feedback.“

Die Plattform sei "hakelig, schlecht strukturiert und unübersichtlich"

Abseits der Kleingruppen konnten die Teilnehmer eine Woche nach dem offiziellen Startschuss (die OP berichtete) das Beteiligungsportal des Landkreises nutzen. Pünktlich zum Bürgerdialog ist dort einer der drei Dialogräume noch bis zum 1. April freigeschaltet. Mittlerweile sind dort laut Morr 37 Nutzer angemeldet. Bislang gab es dort acht Beiträge.

Matthias Scheuer aus Albshausen wünscht sich eine Radverbindung zwischen Albshausen und Halsdorf und hat dazu auf der Plattform einen Beitrag verfasst. „Das hat gut geklappt. Ich fand den Hinweis am Anfang der Veranstaltung gut, dass es kein Wunschkonzert ist.“ Die  aktuelle Finanzlage der Kommunen lasse derzeit nicht viel Spielraum, und so hofft er, dass die Planung in drei Jahren angestoßen ist.

„Sicherlich war das nur der Einstieg in die Bürgerbeteiligung“

Während der Veranstaltung wies Ruth Glörfeld zwar auf die Plattform hin, erklärte aber nicht, wie man sie benutzt. „Ich glaube die Menschen hier waren EDV-affin genug. Ich hatte das Gefühl, die Menschen mit weiteren Ausführungen zu langweilen“, sagte sie im Anschluss. Henner Gonnermann, Helmut Naumann und Dieter Klose hätten sich allerdings eine Erklärung gewünscht. Auch Boris Lang sagt, eine Hilfestellung hätte nicht geschadet, auch online fehlt es ihm daran noch. Zumal die Plattform „hakelig, schlecht strukturiert und unübersichtlich“ sei.

Schlichthörl hofft, „sicherlich war das nur der Einstieg in die Bürgerbeteiligung. Wenn aus finanziellen Gründen nichts umgesetzt werden kann, sinkt die Bereitschaft, sich nochmal zu beteiligen“. Auch Boris Lang möchte erst ein Fazit ziehen, wenn am 12. April in der Gemeindehalle Cölbe die Ergebnisse des Bürgerdialogs präsentiert werden.

von Philipp Lauer

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