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24 Stunden eingesperrt und ohne Essen

Marburger Forscher in Kairo 24 Stunden eingesperrt und ohne Essen

Die Angst um die noch in Ägyten wohnende Familie bleibt - aber Atef Botros will sich von seiner kritischen Haltung nicht abbringen lassen.

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Der „Arabische Frühling“ gehört zum Forschungsschwerpunkt des Marburger Wissenschaftlers Atef Botros, der am Wochenende an der Einreise nach Ägypten gehindert wurde. Foto: Thomas Breme

Quelle: Thomas Breme

Marburg. Am Wochenende war der wissenschaftliche Mitarbeiter der Marburger Philipps-Universität in Kairo in der Transitzone des Flughafens für 24 Stunden festgesetzt und an der Einreise in sein Heimatland gehindert worden. Botros, dessen Forschungsschwerpunkt Umbruch, Revolution und Wandel in der arabischen Welt sind, hatte das Land seiner Eltern zu einer Forschungsreise aufsuchen, zugleich aber auch seine noch in Ägypten lebende Familie besuchen wollen, wie sein Bruder Sherif Botros gestern im Gespräch mit der OP berichtete.

Sherif Botros war von der Deutschen Botschaft in Kairo über die zeitweise Inhaftierung seines Bruders informiert worden. Von der Botschaft erfuhr der Marburger auch, dass sein Bruder von den zuständigen Behörden sehr schlecht und grob behandelt worden sei. 24 Stunden lang habe er kein Essen bekommen und in dieser Zeit auch nur sehr wenig zu trinken. Mehrfach sei er geschubst worden, misshandelt worden sei er aber nicht.

Sein Handy und den Laptop hatte Atef Botros am Flughafen einem Bekannten übergeben, der außerhalb der Transitzone auf den Marburger Wissenschaftler warten wollte. Mit ihm konnte er nach seiner Freilassung aber noch keinen Kontakt aufnehmen.

Das war auch seiner Schwester gestern nicht mehr möglich, die wie die Mutter noch in Kairo lebt. Die Nummer ihres Mobiltelefons war mit einem Male gesperrt. Auf Nachfrage erfuhr sie, dass dies aus Sicherheitsgründen erfolgt sei. Für Sherif Botros liegt auf der Hand, dass auch dies mit dem verhinderten Besuch seines Bruders zu tun hat. Die Schwester hatte zuvor mit Atef Botros telefoniert. Leider müsse man damit rechnen, dass die Familie weiter Repressalien ausgesetzt sein werde, erklärte Sherif Botros im Gespräch mit der OP.

Sein Bruder aber wolle sich davon nicht beeindrucken lassen. „Ich habe kurz mit ihm telefonieren können, er wird weiter seine Meinung sagen, ob er nun nach Ägypten reisen darf oder nicht“, berichtete Sherif Botros.

Atef Botros gehört zu den Begründern des Vereins „Mayadin al-Tahrir“, der seinen Sitz in Berlin hat und sich von dort aus für oppositionelle und ausgegrenzte Gruppen in Ägypten einsetzt. Die ägyptischen Behörden waren schon im Vorfeld des fünften Jahrestages der Demonstrationen auf dem Tahrir-Platz am 25. Januar hart gegen oppositionelle Kräfte vorgegangen.

Sein Bruder wolle sich von den Strapazen des Wochenendes erholen und dann nach Deutschland zurückkehren, berichtete Sherif Botros gestern.

von Frank Rademacher

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