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24-Jährige schlägt Polizistin ins Gesicht

Aus dem Gericht 24-Jährige schlägt Polizistin ins Gesicht

Während der Festnahme ihres Lebensgefährten ­rastete die Freundin aus, widersetzte sich und attackierte die Einsatzkräfte. Für ihren Wutanfall ­kassierte sie vor Gericht eine Geldstrafe.

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Vor dem Amtsgericht musste sich eine 24-jährige Marburgerin verantworten.

Quelle: Thorsten Richter (Archiv)

Marburg. Mit der Faust schlug die pöbelnde 24-Jährige einer Polizistin unvermittelt ins Gesicht. Dabei galt sie am Tattag eigentlich eher als Opfer, denn als Täterin. Gleich zwei Gründe hatten die Beamten, das ehemalige Paar Mitte Januar in der Wohnung der jungen Frau aufzusuchen: Nicht nur, dass die Marburgerin gegen ihren Ex-Freund eigentlich ein Annäherungsverbot erwirkt hatte, der Mann wurde zudem per Haftbefehl gesucht. Nachdem die Angeklagte telefonisch von seinem Besuch berichtet hatte, fuhren sechs Polizisten zu der Wohnung. Mit seinem Besuch verstieß der Mann gegen das verfügte Kontaktverbot, was die Ex-Freundin jedoch nicht störte. Die Tür öffnete sie erst nach einiger Zeit, versuchte den Ex scheinbar vor der drohenden Verhaftung zu schützen.

Während die Polizisten dem Mann Handschellen anlegten, näherte sie sich, umarmte und küsste ihn. Die Beamten trennten das Paar, wiesen die Frau an, in der Küche zu warten. Dem kam sie nicht nach, mischte sich mehrfach in die Maßnahme ein und versuchte zu ihrem Freund zu gelangen. Nachdem eine der beteiligten Polizistinnen sie ermahnt und den Weg versperrt hatte, beleidigte die Angeklagte die andere Frau und schlug ihr unvermittelt mit der Faust ins Gesicht. Vor dem Strafgericht legte die Beschuldigte ein Geständnis ab. „Das stimmt schon so“, gab sie, sichtlich peinlich berührt, zu. Vor der Auseinandersetzung hätte das Paar zudem Heroin und Kokain konsumiert, gab sie ihre Drogensucht zu. Derzeit befände sie sich im Methadon-Programm. Zudem trank sie regelmäßig größere Mengen Alkohol, sei am Tattag bereits seit dem Vormittag angetrunken gewesen.

„Sie hat Reue gezeigt“

Trotz einer problematischen Vergangenheit halte sie bis heute Kontakt zu dem Mann, besuche ihn regelmäßig in der Haft. Auch am Tattag wollte sie sich nicht von ihm trennen, behinderte die polizeiliche Maßnahme, bei der es alleine schon durch die hohe Personenzahl gefährlich eng in der kleinen Wohnung wurde, berichtete die geschädigte Polizistin. „Wir mussten beide trennen, da ist sie wütend geworden.“ Eine weitere Auseinandersetzung oder ein Gerangel habe es im Vorfeld nicht gegeben, auch wirkte die Frau nicht auffallend betrunken, war geistig klar und verstand die Situation. Nach dem Angriff stieß die Polizistin die Angreiferin zurück, die wurde von einem Kollegen an die Wand gestellt, jedoch nicht weiter belangt oder verhaftet. Die Kräfte konzentrierten sich vor allem auf den Partner: „Man muss es nicht übertreiben, man lässt auch mal die Kirche im Dorf“, erklärte die Zeugin.

Während der Schilderung ereiferte sich die Angeklagte über die Behandlung. Dem schob Strafrichter Cai Adrian Boesken mit einem Tennis-Zitat einen Riegel vor: „Wenn man schon den Aufschlag bringt, muss man auch auf einen Return gefasst sein“, betonte der Richter.

Generell zeigte die junge Frau jedoch Einsicht ob ihrer Tat, fand auch Rechtsreferendarin Anne-Kathrin Groß. „Sie hat Reue gezeigt“, hielt die Anklagevertreterin der Frau neben einem glaubhaften Geständnis zugute und sprach sich für eine milde Geldstrafe in Höhe von insgesamt 600 Euro für die ­Arbeitslose aus. Dem stimmte Strafrichter Boesken zu.

von Ina Tannert

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