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22 361 Kinder-Porno-Bilder heruntergeladen

Haftstrafe zur Bewährung ausgesetzt 22 361 Kinder-Porno-Bilder heruntergeladen

Mit einem umfassenden Geständnis bewahrte sich ein Besitzer Tausender  Kinder-Pornos vor einer Gefängnisstrafe.

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Ein Fahnder des Landeskriminalamtes Sachsen-Anhalt in Magdeburg sitzt vor einem Computerschirm mit Kinderpornos.

Quelle: Peter Förster

Marburg. Vor dem Amtsgericht Marburg musste sich ein 40-jähriger Mann wegen des Besitzes von insgesamt 22 361 kinderpornografischer Bilddateien verantworten. Schon früh kündigte sein Pflichtverteidiger Arik Thaye Bredendiek an, dass sein Mandant ein umfassendes Geständnis ablegen würde. Und so berichtete der Angeklagte, dass es überaus einfach gewesen sei, auch ohne Bezahlung im Internet an Bilder nackter Kinder und Jugendlicher zu kommen. Gerade auf nicht mehr aktuellen Internetseiten habe er sich kostenlos Bildmaterial herunterladen können. Diese Fotos, die häufig weit über ein Posing der Nacktheit hinausgingen und zum Teil einen erzwungenen sexuellen Missbrauch darstellten, dienten der eigenen sexuellen Stimulierung, sagte der Angeklagte. Beim Surfen in entsprechenden Foren, was zunächst nur aus Neugier erfolgte, hätten ihm Gesprächspartner gesagt, dass seine Pädophilie ja gar nicht so schlimm sei. Auch deswegen habe er sich gerne eingeredet, dass ja nicht er selbst für diese Bilder und deren Entstehung Verantwortung trage.

Für die Strafverfolgungsbehörden sei es nicht ganz einfach gewesen, an die passwortgeschützten Fotodateien auf zwei Notebooks und einem Mobiltelefon heranzukommen, berichtete Richter Dominik Best. Auch deswegen habe sich die Anklage etwas verzögert. Wegen seiner Frau habe der Angeklagte die Ordner so gründlich verschlüsselt. Einzig seiner Mutter habe er sich anvertraut. Und nur sie habe bis zur Entdeckung bei einer Hausdurchsuchung von seinen Neigungen gewusst.

Auflage: Angeklagter muss Therapie fortsetzen

Inzwischen sei sein Leben in völlig neuen Bahnen verlaufen. Sein engstes Umfeld wisse jetzt Bescheid. Seine Ehe habe zwar ernsthafte Erschütterungen erlebt, sei aber nach intensiven Gesprächen bestehen geblieben. Er selbst habe sich zunächst einer Verhaltenstherapie unterzogen und diese erfolgreich abgeschlossen, sagte der Angeklagte. Jetzt befinde er sich in psychoanalytischer Behandlung und habe von den rund 150 angedachten Sitzungen bereits 24 absolviert, was der Angeklagte schriftlich dokumentierten konnte.

Beim Strafantrag der Staatsanwaltschaft, vertreten von Jonathan Poppe, wurde darauf hingewiesen, dass der Angeklagte in gleicher Sache wegen Verbreitung jugendpornografischer Schriften und Tauschangeboten im Internet am 21. Januar vorigen Jahres bereits zu 8 Monaten Freiheitsstrafe auf Bewährung sowie 1 500 Euro Geldstrafe verurteilt worden war. Poppe stellte den Antrag, den Angeklagten nach Vorgaben des Strafgesetzbuchs jetzt insgesamt zu einem Jahr und acht Monaten Haft sowie 4 000 Euro Geldstrafe, die an die Kinderhilfsstiftung „Hänsel und Gretel“ zu zahlen sind, zu verurteilen. Wegen seiner Eigeninitiative, sich selbst in Behandlung zu begeben, und weil er beruflich wie privat in einem gefestigten Umfeld lebe, könne man die Haftstrafe auf drei Jahre zur Bewährung aussetzen.

Zwar versuchte Bredendiek, eine um 1 000 Euro niedrigere Geldstrafe zu erreichen, war aber insgesamt froh, dass sein Mandant keine Haftstrafe antreten muss. Das Urteil von Richter Best entsprach in weiten Teilen dem Antrag der Staatsanwaltschaft mit der Verpflichtung, die psychologische Behandlung mit mindestens 100 Sitzungen fortzusetzen. „Ich werde mich schon in einem halben Jahr nach dem Stand der Behandlung erkundigen“, kündigte Best an: „Seien Sie sich da ganz sicher.“

von Heinz-Dieter Henkel

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