Volltextsuche über das Angebot:

4 ° / -1 ° Schneeregen

Navigation:
21.786 legale Waffen im Landkreis

Waffenregister 21.786 legale Waffen im Landkreis

Die Deutschen besitzen 5,5 Millionen legale Waffen. Das geht aus dem Waffenregister hervor, das seit dem 1. Januar die Daten erfasst. Das Problem: Über illegale Waffen sagt die Statistiken nichts aus.

Voriger Artikel
Abschied vom Parkplatz-Chaos
Nächster Artikel
Nahwärme als Bindeglied zwischen Hof und Dorf

Ordentlich verschlossen und im Zentralregister vermerkt: Nur so ist Waffenbesitz in Deutschland gestattet.

Quelle: Tobias Hirsch

Marburg. Die Zahlen fallen auf den ersten Blick geringer als als erwartet. Gingen Behörden von knapp zehn Millionen Waffen in Deutschland aus, sind es nun offiziell 5,9 Millionen. Alleine im Landkreis Marburg-Biedenkopf sind 21786 Waffen von 4179 Besitzern registriert. Alleine in Marburg besitzten 737 Personen insgesamt 4812 Waffen. Legal. Bundesweit tauchen 1,4 Millionen Bürger in dieser Datei auf. Vom Jäger bis Sportschützen. Grundsätzlich einverstanden mit einer solchen Erhebung ist auch der Sportschützenverein Marburg. „Ein solches Register schadet ja nicht“, sagt Gunther Jakob, zweiter Vorsitzender des Vereins. „Es hilft aber auch nicht weiter.“

Legale Waffenbesitzer seien ohnehin die am schärfsten kontrollierten Personen des Landes. Jakob macht das am Beispiel Schützenverein fest, in den man nicht einfach eintreten und mit einer Waffe hantieren kann. „Jeder muss erst zwölf Monate Mitglied sein, 18 Trainingseinheiten mit der Waffe absolviert haben, ehe er sich einer Zuverlässigkeitsprüfung stellen darf.“ Damit beginnt der zweite Prozess. Bei der Behörde wird der angehende Schütze komplett durchleuchtet.

Sein Lebensweg, seine Eltern, Einträge in Zentralregistern - alles wird überprüft. Hat ein Antragsteller eine Strafe mit mehr als 90 Tagessätzen abzubrummen, fällt er durchs Raster. „Es dürfen keine Zweifel an der Zuverlässigkeit bestehen“, sagt Gunther Jakob.

Eine Frage der Verhältnismäßigkeit

Und daher steht er zumindest dem Nutzen eines Zentralregisters kritisch gegenüber. Zum einen müsse die Sicherheit garantiert werden. Im Klartext: Es muss Computerhackern unmöglich sein, die Daten zu knacken und zu verändern. „Die zweite Frage: Wie wahrt die Polizei die Verhältnismäßigkeit bei Einsätzen, wenn sie weiß, eine legale Waffe ist im Haus?“.

Das beantwortet Polizeisprecher Martin Ahlich: „Aus Gründen des Eigenschutzes ist es von Vorteil, wenn die Polizisten wissen, ob eine Waffe im Haus ist oder nicht. Schließlich stecken in den Uniformen auch nur Menschen, die eine Familie haben.“ Grundsätzlich sei das Einsatzziel entscheidend. „Man geht anders an eine Sache heran, wenn es sich um eine Familienstreitigkeit handelt oder man einen Zeugen zu einer Verkehrsangelegenheit abholen muss.“ Gunther Jakob sieht dennoch in dem Zentralregister wenig nutzen, hält es eher für Augenwischerei.

Denn: Nicht die legalen Waffen seien die Gefahr, die nicht gemeldeten bergen viel größere Risiken: „Die Straftaten, die mit Legalwaffen begangen werden, sind nur ein extrem verschwindender Prozentsatz. Das muss man bei der Diskussion differenzieren.“ Jakob weiß, alleine in Deutschland liegt die Zahl der nicht-registrierten Pistolen und Gewehre bei zehn bis 20 Millionen. Daher könne ein Zentralregister auch nur bedingt Auskunft geben. „Bei Waffengesetzen herrscht oft blinder Aktionismus. Wenn etwas passiert, muss schnell eine Reaktion folgen - ob es sinnvoll ist oder nicht.“

Der zweite Vorsitzende des Sportschützenvereins möchte vor allem eines vermeiden: die ständige Pauschalisierung seines Sports. „Bei uns sind keine Waffennarren, die nur in der Gegend rumballern. So zu denken, ist Schwachsinn.“

von Carsten Bergmann

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr