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1969 war „Feiertaufe“ der Stadthalle

Erwin-Piscator-Haus 1969 war „Feiertaufe“ der Stadthalle

Vor fast 47 Jahren wurde die Marburger Stadthalle eingeweiht: Anlässlich der Neueröffnung der umgebauten Halle an diesem Wochenende blicken wir zurück in die Anfangszeit.

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1974 musizierten die „All Alberta Girls“ aus Kanada auf dem Vordach vor dem Stadthallenrestaurant.

Quelle: Archiv

Marburg. Es war ein rauschendes Fest mit vielen Programmpunkten, das rund um den Samstag, 20. September 1969, über die Bühne ging. Drei Tage lang - von Freitag bis Sonntag - dauerte die Einweihungsfeier. Ein Blick zurück in die Zeitungsseiten der „Oberhessischen Presse“ gibt einige Eindrücke davon, wie es damals zuging. Das OP-Fazit fiel eindeutig aus: „Stadthalle bestand die Feiertaufe“ war der Hauptartikel überschrieben. Es habe in den drei Tagen eine Schauspiel-Premiere, eine Einweihungsfeier, ein Sinfoniekonzert und einen Festball gegeben. „Die seit Freitag sich Abend für Abend verwandelnde Szenerie auf Bühne und Parkett reflektiert die Funktion des Hauses als Mehrzweckgebäude“, schrieb der damalige OP-Lokalredakteur Rudi Beszon.

Wie es damals üblich war, stand ein großer Eröffnungsabend mit vielen offiziellen Reden auf dem Programm. Innenminister Heinrich Schneider (SPD) würdigte die Gestaltung des Hause als ein markantes Bauwerk, das das Stadtbild bereichere.

Am Wochenende wird die umgebaute und sanierte Marburger Stadthalle feierlich eingeweiht. In dieser Bilderstrecke lässt sich der Verlauf der Bauarbeiten von Anfang bis Ende nachvollziehen.

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Aber es wurde einen Tag später, am Sonntag, auch noch anders gefeiert und zwar mit einem „Tanz auf drei Ebenen“, wie der dazugehörige Artikel im „Oberhess“ überschrieben war. Im Raum vor dem Erdgeschoss hatten sich die „Backgrounders“ postiert „beste Hausmannskost servierend und damit die ­Unersättlichsten bis zu den ersten Morgenstunden in Stimmung haltend“, wie damals in der OP nachzulesen war.

Ansonsten war klassischer Paartanz angesagt und zwar im großen Saal der Stadthalle und im Foyer. Der Tanzclub Rot-Weiß Marburg hatte eigens zur Stadthallen-Eröffnung einen speziellen Formationstanz einstudiert.

Goethes "Iphigenie auf Tauris" als Premiere

Auch eine Schauspiel-Premiere stand auf dem Programm. Gegeben wurde die „Iphigenie von Tauris“ von Johann Wolfgang von Goethe.

Inszeniert wurde das Schauspiel vom Marburger Theater-Intendanten Heinrich Buchmann. Der große Saal der neuen Stadthalle wurde zudem mit einem Festkonzert eingeweiht, das das Sinfonieorchester des Hessischen Rundfunks mit Werken von Bach, Mozart und Brahms gestaltete. Die Stadt Marburg habe neben dem Theaterraum auch einen Konzertsaal erhalten, der „nicht nur einen adäquaten Rahmen für die hochklassigen musikalischen Veranstaltungen darstellt, sondern auch akustisch gute Voraussetzungen bietet“, bilanzierte der OP-Berichterstatter.

Schon damals erhielt die Marburger Stadthalle nach dem ehemaligen Marburger Schüler und international bekanntem Theatermacher Erwin Piscator (1893 bis 1966) den Beinamen Erwin-Piscator-Haus. Zur Eröffnungsfeier kam auch Karlheinz Piscator, ein Neffe des Namensgebers. „Obwohl Erwin Piscator hier nicht geboren wurde, war er trotzdem ein Sohn dieser Stadt. Marburg war für ihn seine Heimatstadt. Hier lebten er, seine Familie, seine Freunde“, sagte Karlheinz-Piscator damals.

Und hier schließt sich der Kreis: Bei der Neueröffnung der Stadthalle wird am kommenden Sonntag auch wieder der jetzt 86-jährige Karlheinz Piscator erwartet, der zusammen mit seiner Schwester Hannelore Berdux (geborene Piscator) Ehrengast am Sonntag ab 11 Uhr bei der Matinee zu Ehren Erwin Piscators sein wird. Am Samstag ab 13 Uhr und am Sonntag ab 11 Uhr ist jeweils „Tag der offenen Tür“ in der neugestalteten Halle. Zudem gibt es mehrere Programmpunkte wie die Eröffnungsshow am Samstag ab 20 Uhr im großen Saal. Für dieses kostenpflichtige Event mit dem Musikkabarettisten Lars Reichow und dem Ensemble des Hessischen Landestheaters sowie Überraschungsgästen gibt es noch Karten im Vorverkauf. Ebenfalls eröffnet wird im Untergeschoss das neue KFZ, das von der Schulstraße in die Biegenstraße umzieht.

von Manfred Hitzeroth

Hintergrund

Die Marburger Stadthalle wurde am 20. September 1969 nach dreieinhalb Jahren Bauzeit eröffnet. Sie war damals das 500. Gemeinschaftshaus in Hessen und gleichzeitig auch das größte und bis dahin teuerste Haus dieser Art in dem Bundesland.

Baubeginn war im Juni 1966. Die Grundsteinlegung erfolgte am 8. April 1967 und das Richtfest am 17. Mai 1968. Gekostet hatte der Neubau damals rund 10 Millionen Mark. Dazu gab es einen Zuschuss von drei Millionen Mark durch die hessische Landesregierung. Die ersten Pläne für die Errichtung eines kulturellen Zentrums hatte es schon im Jahr 1911 gegeben.

Bereits damals hatte die Stadt Marburg vorsorglich das Grundstück an der Biegenstraße erworben – schon damals verbunden mit dem Plan, dort einmal einen Theaterbau zu realisieren. Im Jahr 1935 kamen die Stadthallenpläne erneut auf die Tagesordnung, allerdings abgestimmt auf die Forderungen des NS-Regimes. Geplant, aber dann doch nicht realisiert wurde eine Halle mit einer Saalkapazität von 2400 Sitzplätzen sowie einem daneben gelegenen Aufmarschplatz für bis zu 4000 Personen. Hohe Säulen hätten ganz im Stil der monumentalen Architektur des Nationalsozialismus‘ die Eingangshalle dieses letztlich nie realisierten Baus geziert.

Zwischenzeitlich nutzte das Marburger Schauspiel die mittlerweile längst abgerissenen Stadtsäle an der Ecke Universitätsstraße/Gutenbergstraße als Aufführungsort, und die klassischen Konzerte fanden zuletzt im Audimax der Universität statt. Architekt des Gebäudes war der ehemalige Marburger Stadtbaurat Werner Dierschke, der damals schon Professor an der Technischen Universität Karlsruhe war.

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