Volltextsuche über das Angebot:

19 ° / 6 ° wolkig

Navigation:
18 Monate Haft für brutalen Schläger

Jugendstrafe 18 Monate Haft für brutalen Schläger

Weil er einen Ex-Freund brutal zusammengeschlagen hatte, hat das Jugendschöffengericht einen bereits vorbestraften 20-Jährigen aus Marburg zu einer eineinhalbjährigen Jugendstrafe ohne Bewährung verurteilt.

Voriger Artikel
Und es werde Licht
Nächster Artikel
Den Rettern läuft die Zeit davon

Ein 20-jähriger Marburger muss als Wiederholungstäter anderthalb Jahre lang eine Jugendstrafe absitzen.

Quelle: Archiv

Marburg. Eigentlich stand der junge Mann wegen versuchten schweren Raubes vor dem Marburger Amtsgericht. Heraus kam jedoch eine Verurteilung wegen gemeinschaftlicher gefährlicher Körperverletzung.

Anfang Juli vergangenen Jahres begab sich der 20-Jährige in der Nacht gemeinsam mit einer weiteren unbekannten Person zur Wohnung eines Freundes. Nachdem dieser schlaftrunken die Wohnungstür geöffnet hatte, griff ihn der vermummte Angeklagte umgehend an, schlug ihm mit einem „harten Gegenstand“ gegen den Kopf, so die Anklageschrift. Schwer getroffen, ging der Geschädigte zu Boden, während der Angreifer eine Decke über ihn warf und weiter auf sein Opfer einschlug. Mit den ungefähren Worten „wo ist das Zeug“ durchsuchte einer der Eindringlinge kurz die Wohnung, beide flohen anschließend ohne Beute. Durch die Attacken erlitt das 21-jährige Opfer zwei stark blutende Platzwunden am Kopf sowie multiple Prellungen und Hämatome.

Während der Verhandlung vor dem Jugendschöffengericht stritt der Angeklagte eine Beteiligung an dem Überfall ab, entschied sich erst im Verlauf der Beweisaufnahme zu einem Geständnis. „Ich bin dahin gegangen und die Situation eskalierte“, gab er zu. Eine weitere Person sei jedoch nicht beteiligt gewesen. Auch habe er keinen Gegenstand benutzt und  nur mit den Fäusten zugeschlagen.

Geschädigter: Tatmotiv war vermutlich Eifersucht

Dies nahm ihm Staatsanwalt Jonathan Poppe nicht ab. Die Art der Verletzungen wie zum Beispiel eine vier Zentimeter lange Platzwunde am Kopf seien typisch für einen Schlag mit einer entsprechend harten Waffe. Diese Vermutung deckte sich auch mit dem Arzt-Bericht.

Eigentlich habe er in der Wohnung auch nur nach Betäubungsmitteln gesucht, die der Geschädigte gemeinsam mit seiner Freundin eingenommen hatte, gab der Angeklagte an. Dem anderen Mann wollte er aus Wut „eine Abreibung verpassen“, hatte er noch bei der Polizei ausgesagt. Auch die Angaben des Opfers deckten sich nur teilweise mit seiner polizeilichen Vernehmung, ganz sicher sei er sich jedoch, dass eine weitere Person anwesend war sowie ein harter Gegenstand als Waffe eingesetzt wurde, teilte der Geschädigte mit. Direkt erkennen konnte er keinen der beiden mit schwarzen Sturmhauben vermummten Männer. Anhand der Körperhaltung, der Augen sowie der Kleidung identifizierte er einen der Täter jedoch als seinen ehemals besten Freund.

Als Hintergrund des Ganzen vermutete der Geschädigte Eifersucht, da er sich vor dem Überfall mit der Freundin des Angeklagten getroffen hatte. Mit dem von den vermeintlichen Räubern verlangten „Zeug“ seien wohl Betäubungsmittel gemeint, die er zu dieser Zeit hin und wieder konsumierte, gab der 21-Jährige zu.

Der Angeklagte stand nicht zum ersten Mal vor Gericht, wurde bereits wegen ähnlicher Taten, darunter Raub, Diebstahl, gemeinschaftliche gefährliche Körperverletzung sowie räuberische Erpressung, verurteilt. Zuletzt hatte das Amtsgericht den Wiederholungstäter Mitte 2013 zu einer Jugendstrafe verurteilt. Während der Tat befand sich der Marburger noch innerhalb der verhängten Bewährungsfrist. Dass der Beschuldigte die Tat alleine begangen hatte, sei durch die Beweisaufnahme nicht widerlegt worden, ebenso wie der Gebrauch eines gefährlichen Werkzeugs, betonte Verteidiger Peter Thiel in seinem Plädoyer und sprach sich für eine weitere Bewährungsstrafe als letzte Chance für seinen Mandanten aus. Der ursprünglich angeklagte versuchte schwere Raub konnte vor Gericht nicht bewiesen werden.

Richter: keine positive Sozialprognose

Eine gemeinschaftlich begangene gefährliche Körperverletzung dagegen durchaus, fand das Jugendschöffengericht und verurteilte den 20-Jährigen unter Einbeziehung des vorangegangenen Urteils zu einer Jugendstrafe von einem Jahr und sechs Monaten. Darüber hinaus hat er 1 000 Euro Schmerzensgeld an den Geschädigten zu zahlen. Eine Möglichkeit, die Strafe erneut zur Bewährung auszusetzen, sah das Gericht nicht. Weder habe der junge Mann bereits frühere Bewährungsangebote wahrgenommen, noch liege bei ihm eine positive Sozialprognose vor, erklärte Richter Thomas Rohner.

von Ina Tannert

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr