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18 Monate Haft auf Bewährung

Urteil im Bordell-Prozess 18 Monate Haft auf Bewährung

Überraschend ist am Montag das Urteil im Prozess gegen drei Angestellte des „Erotic Islands“ gesprochen worden. Der Vorwurf der räuberischen Erpressung bestätigte sich nicht.

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Einer der drei Angeklagten (ganz links außen) wurde zu einer 18-monatigen Haftstrafe auf Bewährung verurteilt. Die anderen beiden Mitarbeiter des „Erotic Islands“ wurden freigesprochen.

Quelle: Nadine Weigel

Marburg. Ein Jahr und sechs Monate Freiheitsstrafe auf Bewährung wegen vorsätzlicher Körperverletzung lautete das Urteil der Strafkammer gegen den dritten 
Beschuldigten, der die gezielte 
Attacke gegen den Ex-Kollegen zugab. Seine beiden Mitangeklagten wurden freigesprochen.

Nach eindringlicher Aufforderung seitens des Gerichts feilte der dritte Angeklagte noch einmal an seiner bisherigen Einlassung und gestand, dass er nicht aus einer Notlage heraus handelte, als er seinem ehemaligen Kollegen zweimal kräftig mit der Faust ins Gesicht schlug. Zu Beginn des Prozesses hatte 
er angegeben, dass der ihn 
während eines Streits angreifen wollte, er sich lediglich verteidigte. „Es war keine Notwehr, ein Wort gab das andere, und dann habe ich direkt zugeschlagen“, stellte der Angeklagte am Montag richtig. Das volle, wenn auch späte Geständnis bewahrte ihn vor einem Gefängnisaufenthalt.

Undurchsichtige Beweisgrundlage

Der große Rest der Anklagevorwürfe bestätigte sich dagegen nicht: Dass die drei Bordell-Mitarbeiter im Mai 2013 den ehemaligen Kollegen und seine damalige Lebensgefährtin in dem Marburger Laufhaus brutal verprügelten, bedrohten und die Prostituierte um eine Ablösesumme von 10.000 Euro erpressten, konnte den Männern nicht nachgewiesen werden.

Zu undurchsichtig, ambivalent und mit wankelmütiger 
Beweisgrundlage gestaltete sich die aufwendige, siebentägige Hauptverhandlung, die vor allem durch zum Teil fragwürdige Zeugenaussagen und Widersprüche geprägt war. Das Verfahren bestand vor allem aus „Dingen, die nicht aufgeklärt werden konnten“, fasste der Vorsitzende Richter Gernot Christ zusammen.

Dies war auch der Grund für eine Verkürzung des eigentlich bis in den April hinein geplanten Prozesses. Am Montag gab die Kammer eine Zwischenbilanz über den aktuellen Stand der Dinge und befürwortete eine Verständigung der Prozessbeteiligten.

„Es spricht viel dafür, lässt sich jedoch auch nicht ausschließen“

Das Fazit der Kammer: Der Großteil des Anklagevorwurfs konnte nicht bewiesen werden, das Gericht hege „erhebliche Bedenken“, sowohl gegenüber der bisherigen Beweislage wie der Aussagequalität vieler fragwürdiger Zeugen, teilte Christ mit. Tatsächlich erzählten viele Zeugen eine auffällig ähnliche Geschichte, erinnerten sich nur an fragwürdige Details, widersprachen ihren früheren Angaben oder hätten „auf Nachprüfung nicht standgehalten“, sagte der Richter. Die Vorwürfe gegen die beiden Mitangeklagten konnten demnach nicht zweifelsfrei bewiesen werden.

Dies sah auch die Anklagevertretung ein. Die Beweisaufnahme habe zwar gewisse Annahmen bestätigt, „aber das verbleibende Bild reicht für eine Verurteilung nicht aus“, 
erklärte Staatsanwalt Sebastian Brieden. So konnten etwa weder die Verletzungen der jungen Frau eindeutig erklärt, noch ihre Angaben bewiesen werden. „Es spricht viel dafür, lässt sich jedoch auch nicht ausschließen“, so das Resümee des Anklagevertreters.

Anders lag die Sachlage bei dem dritten Beschuldigten. Für die Kammer stand fest, dass der Mann den ehemaligen Kollegen „bewusst und gewollt“ verletzte. Strafverschärfend wertete das Gericht die „Intensität der Gewaltwirkung“ und die dadurch entstandenen schweren Verletzungen des Mannes. Für drei Jahre steht der Verurteilte nun unter Bewährung. An den Geschädigten muss er insgesamt 5000 Euro Schmerzensgeld zahlen.

von Ina Tannert

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