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16 Monate Haft für gewalttätigen Kaufhausdieb

Flüchtling verurteilt 16 Monate Haft für gewalttätigen Kaufhausdieb

Gericht und Staatsanwaltschaft verweigerten eine Bewährungsstrafe. Denn eine positive Sozialprognose sei für den Angeklagten nicht erkennbar.

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Der Angeklagte hat gemeinsam mit einem weiteren Mann in einem Marburger Kaufhaus Videospiele gestohlen.

Quelle: Franziska Koark

Marburg. Sein erstes Zusammenstoßen mit dem Gesetz in Deutschland hat für einen 27-jährigen Flüchtling, der in Stadtallendorf lebt, weitreichende Folgen.

Bei einem Strafprozess hatte er sich vor dem Amtsgericht Marburg wegen Diebstahls mit einer Waffe und Körperverletzung zu verantworten.

Rechtsanwalt Bernhard Schroer wehrte sich in seinem Plädoyer dagegen, dass die Staatsanwaltschaft für seinen Mandanten keine positive Sozialprognose - notwendiges Kriterium für eine Bewährungsstrafe - erkennen wollte. „Mein Mandant ist Flüchtling und lebt ohne Familienmitglieder in Deutschland. Das ist nicht seine Schuld und darf ihm nicht zum Nachteil gereichen“, meinte er.

Staatsanwalt Jonathan Poppe war anderer Meinung: „Der Angeklagte hat kein gesichertes soziales Umfeld. Ich sehe die Gefahr, dass er erneut straffällig wird.“

Dem Angeklagten wurde zur Last gelegt, im Februar dieses Jahres mit einem weiteren Mann drei Videospiele aus einem Marburger Kaufhaus entwendet zu haben.

Der Ladendetektiv und ein weiterer Angestellter des Geschäfts sollen die beiden Männer gestellt und den Komplizen des Angeklagten festgehalten haben.

Aus kurzer Distanz ins Gesicht gesprüht

Um seinen Freund zu befreien, habe der 27-Jährige den Ladenmitarbeiter mit einem Pfefferspray aus kurzer Distanz ins Gesicht gesprüht.

Des Weiteren soll der Angeklagte im März und April dieses Jahres in einem anderen Kaufhaus Parfümflaschen entwendet haben, um sie weiterzuverkaufen.

Das Diebesgut hatte er bereits kurz nach den Taten bei der Polizei abgeliefert. Was die Staatsanwaltschaft ihm vorwarf, gab der Angeklagte zu - mit einer Ausnahme: „Ich habe aus mehreren Metern Entfernung einfach in die Luft gesprüht, damit mir niemand folgt. Nie habe ich das Spray direkt auf jemanden gerichtet.“

Laut den Zeugenaussagen des Ladendetektivs und zwei weiteren Geschäftsangestellten habe der Angeklagte den Männern aus einer Distanz von 40 bis 50 Zentimetern direkt ins Gesicht gesprüht. Der Angeklagte schüttelte immer wieder den Kopf und nannte die Aussagen „wilde Behauptungen“.

Bleibende Schäden seien durch den Vorfall nicht verursacht worden, so die Zeugen. Der Husten und das Brennen in den Augen habe mehrere Stunden später aufgehört.

Obwohl der Mann nicht vorbestraft sei, gebe es keine Anzeichen für eine positive Sozialprognose, sagte Richterin Melanie Becker. Ihrer Ansicht nach ließen die Zeugenaussagen außerdem wenig Zweifel an dem tatsächlichen Tathergang. Sie verurteilte den Angeklagten zu 16 Monaten Haft.

von Benjamin Kaiser

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