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16 Millionen Euro für Loewe-Projekte

Förderbescheide 16 Millionen Euro für Loewe-Projekte

Zu einem rein mittelhessischen „Loewe“-Festakt kamen die Präsidenten der Unis Gießen und Marburg sowie der Technischen Hochschule Mittelhessen in der Alten Aula in Marburg zusammen.

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Wissenschafts-Staatssekretär Ingmar Jung überreichte in der Alten Aula „Loewe“-Förderbescheide.

Quelle: Tobias Hirsch

Marburg. „Übergabe der Loewe-Förderbescheide“: So lautete die offizielle Überschrift über die Veranstaltung, die am Donnerstag in der guten Stube der Marburger Universität über die Bühne ging. Es gibt nach Angaben des Wissenschaftsministeriums insgesamt 16 Millionen Euro für Forschungsprojekte in Marburg und Gießen.

Doch es war noch ein wenig mehr, was sich dort in Anwesenheit von Ingmar Jung, Staatssekretär im hessischen Wissenschaftsministerium, abspielte. Denn es wurde auch eine generelle Bilanz der „Landes-Offensive zur Entwicklung wissenschaftlich-ökonomischer Exzellenz“ (Loewe) gezogen, mit der vom Land Hessen seit 2008 herausragende Forschungsvorhaben gefördert werden. Und diese Bilanz fiel vonseiten der Hochschul-Vertreter und des Landespolitikers positiv aus. Es sei mutig, dass die Regierung die Auswahl der förderungswürdigen Projekte der Wissenschaft überlasse, lobte die Marburger Uni-Präsidentin Professorin ­Katharina Krause.

Dieses Lob nahm Staatssekretär Jung gerne an und fügte hinzu, dass die Landesregierung alle Anträge von einem unabhängigen wissenschaftlichen Programmbeirat beurteilen und vergleichen lasse. Noch nie sei man dabei von den Vorschlägen des Beirates abgewichen. Zudem betonte Jung, dass die Politiker bisher keine inhaltlichen Vorgaben bei der Ausschreibung der jeweiligen Förderrunde gemacht hätten. Das Besondere am „Loewe“-Programm sei, dass es  auch Langzeit-Effekte mit anstoße. Dies gelte beispielsweise für die Schaffung eines Neubaus in Gießen, der auf der Arbeit des „Loewe-Zentrums für Insektenbiotechnologie“ aufbaut.

Dort soll nach dem Baubeginn im kommenden Jahr Ende 2018 ein Gebäude der Nutzung übergeben werden, bei dem die Uni Gießen mit der Fraunhofer-Gesellschaft kooperiert. Dafür wurde ein Förderbescheid in Höhe von 8,6 Millionen Euro übergeben. Mit einer langfristigen Strategie würden durch „Loewe“ nachhaltige Ergebnisse erzielt, lobte auch der Gießener Uni-Präsident Professor Joybrato Mukherjee.

Akteure werden zusammengebracht

Das Zusammenbringen von Akteuren über Institutionen-Grenzen hinweg gefällt Mukherjee besonders an dem Landes-Förderprogramm. „Das Loewe-Programm ist für uns wichtig, um uns weiterhin zu profilieren“, sagte Professor Günther Grabatin, Präsident der Technischen Hochschule Mittelhessen (THM).

Die Präsentation von neun Projekten zeigte die Vielfältigkeit dessen, was erforscht wird.

Mit 4,4 Millionen Euro wird der „Loewe“-Schwerpunkt „MedicalRNomics“ ab diesem Jahr und bis Ende 2017 gefördert. Unter Federführung von Professor Albrecht Bindereif (Uni Gießen) werden dort Ribonukleinsäuren, eine besondere Art von Biomolekülen, untersucht, die nach aktuellen Erkenntnissen der Forscher für die Entstehung von bakteriellen Erkrankungen, Virus-Infektionen oder Tumor-Erkrankungen mit verantwortlich sind. Ziel ist es, die Krankheitsmechanismen besser zu verstehen und neue Biomarker zu finden. Je sechs Arbeitsgruppen aus Gießen und Marburg sind daran beteiligt.

Ein reines Marburger Projekt ist der „Loewe Schwerpunkt“ zum Thema „Fundierung linguistischer Basiskategorien“, der von Anfang 2012 bis Ende 2015 mit 3,7 Millionen Euro gefördert wird. Dabei werden die Bedeutung der Bildung von Sätzen und Wörtern analysiert. Ein Ziel des Forschungsvorhabens ist es, dass die technische Verarbeitung gesprochener Sprache in noch besser Qualität ermöglicht wird. Gezahlt wird jetzt noch eine Auslauffinanzierung von 821 000 Euro.

„Non-neuronale cholinerge Systeme“: So lautet der Titel des von Professor Wolfgang Kummer (Uni Gießen) geleiteten Loewe-Schwerpunktes. Hinter dem auf den ersten Blick kaum verständlichen Titel verbirgt sich ein höchst spannendes Thema. Es geht um die Erforschung des Moleküls Acetylcholin, dessen Wirkung im Nervensystem bereits gut erforscht ist. Es reguliert aber auch die Intaktheit der Körperoberfläche und die Abwehrkräfte. Wenn das Molekül gehemmt wird, dann können Krankheiten wie blasenbildende Erkrankungen die Folge sein. Bewilligt wurde dafür eine Auslauffinanzierung von 350 000 Euro.

Staatssekretär Jung übergab auch die Bewilligungsbescheide in Höhe von insgesamt 1,9 Millionen Euro für sechs KMU-Verbundvorhaben, bei denen die Zusammenarbeit zwischen kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) sowie Hochschulen und außeruniversitären Forschungseinrichtungen gestärkt wird. An fünf der sechs Vorhaben ist die THM beteiligt, zweimal die Uni Marburg und einmal die Uni Gießen.

Es geht um angewandte Forschungs- und Entwicklungsprojekte aus den Lebenswissenschaften, dem Maschinen- und Anlagenbau und der Informatik. Dabei handelt es sich unter anderem um die qualitative Verbesserung des 3-D-Drucks von Kunststoff- oder Metallteilen,  thermische Abluftreinigungsanlagen oder Berechnungen der individuellen Dosis in der Strahlentherapie.

von Manfred Hitzeroth

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