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12. 890 Fahrzeuge in 24 Stunden

Verkehrsaufkommen in der Goßfeldener Straße 12. 890 Fahrzeuge in 24 Stunden

Zwei Mal schon wäre es beinahe zur Katastrophe gekommen: Ein Fahrzeug bretterte von der Fahrbahn über den engen Gehsteig in das Wohngebäude Goßfeldener Straße 30.

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Die Goßfeldener Straße Richtung Wehrda: Anwohner fordern die Einführung von Tempo 30.

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Einen Teil des Hauses in der Goßfeldener Straße nutzen Ernst Hanke und Antje Heidler schon so gut wie gar nicht mehr: „Zu gefährlich“, sagt Ernst Hanke, schließlich stand hier vor zwei Jahren ein Wagen halb in der Wohnung: Er war auf die südliche Hausecke aufgefahren. Der Fahrer brauchte notärztliche Hilfe. Eine Bake schützt nun die Ecke vor einem weiteren Aufprall.

Das war schon der zweite Unfall, bei dem ein Fahrzeug auf dem Grundstück verunglückt ist. Im Jahr 2000 wurde der Frontalaufprall eines Pkw auf die nördliche Ecke nur durch das auf dem Grundstück stehende Fahrzeug der Familie abgeschwächt.

Anwohner organisieren private Verkehrszählung

Hanke und Heidler wollen sich mit solchen Gefahren nicht länger abfinden. „Hier fahren die Autos viel zu schnell, das ist einfach gefährlich“, sagt Heidler. Sie verweist zudem auf die Schadstoffbelastung und die Vibrationen, die vor allem durch schwere Lkw verursacht werden. „Unser Haus weist Risse in Außenwand und Fußboden auf“, berichtet Heidler.

Tempo 30 in der Goßfeldener Straße ab der Wohnbebauung wäre für die Anlieger die Lösung. Um ihr Nachdruck zu verleihen, haben Ernst Hanke und Antje Heidler eine private Verkehrszählung durchgeführt. Die Zahlen der Stadt seien nicht mehr aktuell, sagt Ernst Hanke. Die Stadt geht nach der jüngsten Zählung von 2010 von etwa 10 .000 Fahrzeugen pro Tag aus.

Hanke und Heidler zählten Mitte September dagegen 12. 890 Autos innerhalb von 24 Stunden – darunter mehr als 300 Lkw über 3,5 Tonnen, Busse und Lkw mit Anhänger. Die Goßfeldener Straße zählt damit auch nach Zahlen, die dem Regierungspräsidium vorliegen und die in den Entwurf des Lärmaktionsplans Eingang gefunden haben, nach Stadtautobahn und Beltershäuser Straße zu den am meisten mit Verkehr belasteten Straßen in Marburg.

Der Ortsbeirat Wehrda unterstützt die Forderungen nach Tempo 30. In seiner letzten Sitzung Mitte Oktober fordert das Gremium zudem Lärmvibrationsmessungen in der Goßfeldener Straße und die Markierung des Radschutzstreifens auf der stadtauswärts führenden Straßenseite mit roter Farbe. „Meine Erfahrung ist, dass Autofahrer rot markierte Radschutzstreifen mehr respektieren als solche, die nicht farbig markiert sind“, sagt Hanke. Insofern sei dieser Beschluss auch für ihn und seine Sicherheit ein Fortschritt.

Oberbürgermeister verweist auf Rechtslage

Oberbürgermeister Egon Vaupel (SPD) bestätigt, dass er schon vor einigen Monaten gebeten worden sei, Tempo 30 auf dem bebauten Teil der Goßfeldener Straße einzuführen – zumindest vom Kreisel an der Wehrdaer Straße/Cölber Straße bis zur Hausnummer 30. Vaupel sagte eine Prüfung in einem Schreiben an die Anwohner zu.

Der Oberbürgermeister verwies aber im Gespräch mit der OP in der vergangenen Woche auf die Rechtslage. Danach dürfen Landesstraßen innerorts – und darum handelt es sich bei der Goßfeldener Straße – nur in Ausnahmefällen zu Tempo-30-­Gebieten gemacht werden. Er warte deswegen in dieser Sache noch immer auf eine Initiative von Hessens Verkehrsminister Al-Wazir, der angedeutet hatte, diese Regelung zu liberalisieren.

Tatsächlich gibt es nun aber neue Hoffnung für die Anwohner der Goßfeldener Straße. Das hessische Wirtschafts- und Verkehrsministerium teilte am Mittwoch mit, dass Hessens Kommunen ab sofort Zuschüsse zur Einrichtung von Tempo-30-Zonen beantragen können

Wie Verkehrsminister Tarek Al-Wazir am Mittwoch mitteilte, sind die Förderrichtlinien entsprechend ergänzt worden: Tempo-30-Zonen werden vom nächsten Jahr an zum Katalog der Verkehrsinfrastrukturförderung gehören. Gefördert werden unter anderem Maßnahmen zur Einengung der Fahrbahn (Verkehrsinseln), die Verbreiterung von Gehwegen, barrierefreie Überwege und ähnliches.

Die Straßenverkehrsordnung sieht Tempo-30-Zonen für Wohngebiete und Gebiete mit viel Fahrrad- und Fußgängerverkehr vor. Allerdings weist Al-Wazir daraufhin, dass sie „in der Regel“ keine Vorfahrtsstraßen sowie Straßen des überörtlichen Verkehrs – also auch Landesstraßen – erfassen dürfen.

von Till Conrad

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