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10717 Straftaten im „sicheren Landkreis“

Kriminalstatistik 10717 Straftaten im „sicheren Landkreis“

Schwere Verbrechen, insbesondere gegen das Leben, Rohheitsdeliktesowie gefährliche und schwere Körperverletzungen haben eine hohe Aufklärungsquote, die Anzahl der Fälle ist nur geringfügig rückläufig.

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Die Zahl der Einbrüche in Marburg hat im vergangenen Jahr zugenommen.

Quelle: Archivbild

Marburg. „Auch wenn wir rein statistisch 138 Straftaten mehr hatten als im vergangenen Jahr, leben die Bürger hier nach wie vor in einem sicheren Landkreis“, sagt Ralph-Dieter Brede, Leiter der Polizeidirektion Marburg-Biedenkopf. Das mögen Opfer von Straftaten vielleicht anders empfinden. Also wie kommt Brede zu einer solchen Aussage? Basis seiner Aussage ist die so genannte Häufigkeitszahl (siehe Hintergrund), und die liegt in einem Bereich, der mit „sicher“ deklariert ist.

Straftaten gegen das Leben gab es 14 Mal in 2013. Alle 14 Fälle wurden aufgeklärt.Eine 100-Prozent-Quote gelang in den vergangenen acht Jahren gleich sechsmal.

Auch Rohheitsdelikte, zu denen auch die Raubstraftaten und Körperverletzungen gehören, endeten für die Täter in 91,7 Prozent der Fälle mit ihrer Ermittlung. Im Ganzen waren es 1590 angezeigte Taten, 1458 wurden geklärt. Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung gingen um vier Fälle auf 131 zurück. Die Aufklärungsquote erreichte mit 85,5 Prozent einen neuen Höchstwert. Insgesamt wurden 112 Fälle aufgeklärt. In 34 Fällen waren Kinder Opfer von sexuellen Missbräuchen.

Männliche Täter in der Überzahl

Gewohnt hoch ist auch wieder die Aufklärungsquote bei der Rauschgiftkriminalität. Von 548 angezeigten Fällen konnten 538 gelöst werden. Die Quote liegt damit bei mehr als 98 Prozent. „Ein spektakulärer Fall fand im Mai mit der Sicherstellung von 42 Kilogramm Haschisch und von Vermögenswerten von mehr als 300000 Euro seinen Höhepunkt“, erinnert Polizeisprecher Martin Ahlich. Die Kripo nahm in diesem Zusammenhang zwei Männer und eine Frau fest. Das Trio steht im Verdacht, seit 2008 mit mindestens 215 Kilogramm Haschisch mit einem Straßenverkaufswert von 1,5 Millionen Euro Handel betrieben zu haben. Insgesamt wurden 10717 Fälle erfasst. 4749 Tatverdächtige wurden ermittelt. Wie eigentlich immer waren diese vornehmlich männlichen Geschlechts. Weibliche Täter wurden in 1160 Fällen ermittelt. Die meisten Straftaten begingen Erwachsene mit 76 Prozent. Jugendliche und Heranwachsende waren jeweils in zehn Prozent der Fälle Täter. 139-mal wurden Kinder im Alter von 6 bis 14 Jahren als Täter überführt.

Diebstähle und Wohnungseinbrüche sind die „Positionen“, die die Aufklärungsquote drücken. Nur ein Viertel von 208 Wohnungseinbrüchen konnte aufgeklärt werden. Bei den Diebstählen in unterschiedlichen Kategorien liegt die Quote immer deutlich unter 50 Prozent.

Mehr Kellereinbrüche und Fahrraddiebstähle

In Marburg als größte Stadt im Landkreis gab es einen Anstieg um 292 auf 5116 Straftaten. Damit wurde aber noch nicht ganz das Niveau von 2011 erreicht. Damals wurden 5475 Einzelstraftaten angezeigt. Polizeisprecher Martin Ahlich weiß, was die Statistik negativ beeinflusst hat: „Der Anstieg findet sich nahezu vollständig bei den Kellereinbrüchen, den Fahrraddiebstählen und bei Sachbeschädigungen wieder. Das in den vergangenen Jahren immer wieder in Negativ-Schlagzeilen geratene Marktdreieck darf nun auch mal positiv beleuchtet werden. Insgesamt kam es dort zu 14 Straftaten, die in der Öffentlichkeit begangen wurden: fünf Körperverletzungen, fünf Sachbeschädigungen und vier Diebstähle. Das sind im Vergleich deutlich weniger Straftaten als in den Jahren zuvor. Alfons Schold, Leiter der Polizeistation Marburg verspricht: „Wir werden das Marktdreieck trotz dieser erfreulichen Entwicklung sicherlich im Auge behalten und auf jedwede Veränderung reagieren.“

Von den Fallzahlen her lässt es sich überall gut leben. Auch in Marburg. Die wenigsten Fälle gabe es in Wohratal und Münchhausen, doch muss dabei auch berücksichtigt werden, dass dort weitaus weniger Menschen leben als in anderen Kommunen. Deutliche Rückgänge verzeichnen Ebsdorfergrund, Biedenkopf, Breidenbach, Lahntal und Bad Endbach.

Hintergrund
Häufigkeitszahl: Die so genannte Häufigkeitszahl bezeichnet das Aufkommen von Straftaten pro Jahr bezogen auf 100000 Einwohner und ist eine Messgröße zur Betrachtung und Bewertung zur Sicherheit. Unter Experten, so Polizeisprecher Martin Ahlich, gelten 7000 Straftaten pro 100000 Einwohner als markante Grenze. Im Landkreis liegt die Häufigkeitszahl bei 4442, also deutlich unter der markanten Grenze. Die Häufigkeitszahl für ganz Hessen liegt ebenfalls unter der 7000-Marke, sie beträgt 6429. Der klare Ausreißer nach oben ist die Stadt Frankfurt mit einer Häufigkeitszahl von 16292.

von Götz Schaub

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