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Rätselraten um eine junge Kellnerin

OP-Buchtipp Rätselraten um eine junge Kellnerin

Eine junge Frau verschwindet spurlos. Die ­Polizei eines französischen Provinzstädtchens steht vor einem Rätsel: Welche Rolle spielt der seltsame Bankangestellte? Graeme Macrae Burnets „Das ­Verschwinden der Adèle ­Bedeau“ bietet einige ­erstaunliche Wendungen.

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Der Schotte Graeme Macrae ist mit dem historischen Krimi „Sein blutiges Projekt“ bekannt geworden. Jetzt hat der Europaverlag seinen ersten Roman, der schon 2014 auf Englisch erschienen ist, auf Deutsch herausgebracht.

Quelle: Europaverlag

Saint Louis, ein kleines Städtchen im Elsass nahe der Schweiz und Deutschland, irgendwann in den 70er- oder frühen 80er-Jahren. Hier lässt der Schotte Graeme Macrae Burnet seinen Roman „Das Verschwinden der Adèle Bedeau“ spielen. Vor einigen Monaten hatte Burnet mit dem historischen Krimi „Sein blutiges Projekt“ einen überraschenden Erfolg erzielt. Nun liegt sein erster Roman vor, der 2014 im Original erschien.

Wann der Roman spielt, ist nicht so genau zu sagen. Hier, wie auch in vieler anderer Hinsicht, bleibt er seltsam vage. Aber diese Unbestimmtheit ist ein wichtiges Stilelement. Denn die Zeit scheint stillzustehen. Die Menschen sind wie gefangen in Routine.

Jede Woche vergeht wie die vorige, immer dieselben Menschen treffen sich an denselben Orten, um immer dieselben Dinge zu tun. Das trifft ganz besonders auf Manfred Baumann zu, die Hauptfigur des Romans. Als Leiter einer Bankfiliale ist er noch relativ jung, aber er hat nichts junges an sich. Er ist vollständig in der Routine gefangen, bestellt immer das Gleiche im gleichen Restaurant, wäscht seine­ Wäsche zur selben Zeit und spielt mit den immer gleichen Kneipenbesuchern Karten. Wie alle anderen Figuren im Roman ist auch Baumann allein, ohne­ glückliche Bindungen, ein ­Außenseiter.

In dieser Situation fasziniert ihn Adèle Bedeau, die neue und blutjunge Kellnerin in seinem Stammlokal. Natürlich wagt er nicht, sich der jungen Frau zu nähern, aber er beginnt, sie zu beobachten, geht ihr nach der Arbeit sogar hinterher. Und dann ist Adèle Bedeau auf einmal verschwunden. Es gibt keine Spur von ihr, aber jemand hat Manfred Baumann in der Nähe entdeckt, als sie zuletzt gesehen wurde.

Auflösung ist eine große Überraschung

Die Polizei schaltet sich ein, um das Verschwinden von Adèle Bedeau aufzuklären. Mit dem Fall betraut wird Kommissar Gorski, auch er ist ein unglücklicher Mann, der sein Schicksal einfach nur aushalten will. Aber Gorski ist außerdem auch ein begabter Kriminalist, dem schnell Widersprüche in Baumanns Aussagen auffallen.

Die Handlung begleitet die beiden Männer durch die Tage nach Adèle Bedeaus Verschwinden. Baumann fühlt sich immer stärker verfolgt, auch wenn dies tatsächlich nur eingebildet ist. „Vielleicht hatte Gorski diejenigen, die ihn kennen, bereits gebeten, ihn im Auge zu behalten“, argwöhnt Baumann. „Er musste sich natürlich verhalten. Das sollte nicht allzu schwer sein. Lebte er nicht ohnehin sein ganzes Leben, als würde er ständig beobachtet werden, als rechne er jeden Moment damit, Rechenschaft über seine Taten ablegen zu müssen?“

Aus einer sehr distanzierten Perspektive begleitet der Roman Manfred Baumanns Weg in einen immer stärker werdenden Verfolgungswahn. Sein ursprünglich äußerst kontrolliertes Verhalten wird dabei immer irrationaler. Aber woran liegt das? Welche Rolle spielt der eigenbrötlerische Junggeselle tatsächlich beim Verschwinden von Adèle Bedeau? Diese Frage lässt Burnet bis zum Ende offen. Die Auflösung kommt dann als eine große Überraschung, die so manchen Leser ziemlich erstaunen wird.

  • Graeme Macrae Burnet: „Das ­Verschwinden der Adèle ­Bedeau“, Europaverlag, München, 288 Seiten, 17,90 Euro.

von Axel Knönagel

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