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Zwischen Tearoom und Tatort

OP-Buchtipp: Luise Berg-Ehlers: „Mit Miss Marple aufs Land...“ Zwischen Tearoom und Tatort

Englische Landidylle und schlaue Ermittler. Luise Berg-Ehlers macht mit ihrem Buch „Mit Miss Marple aufs Land. Englische Krimischriftstellerinnen zwischen Tearoom und Tatort“ eine Entdeckungsreise der besonderen Art.

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Luise Berg-Ehlers bietet eine Entdeckungsreise hin zu den Schauplätzen klassischer englischer Krimis.

Quelle: Insel Verlag

Grimmiger Blick, resoluter Schritt, beherztes Eingreifen: So haben die meisten Agatha-Christie-Fans Miss Marple vor Augen – selbst wenn sie wissen, dass ihre Verkörperung durch Margaret Rutherford der literarischen Gestalt ihrer geistigen Schöpferin so gar nicht entsprach.

Sei‘s drum. Miss Marple ist auch nach Jahrzehnten gemeinhin das, was Liebhaber mit der klassischen englischen Kriminalliteratur verbinden. Und mit der dörflichen Idylle, alten Cottages, gemütlichen Tearooms und verräucherten Pubs.

Doch es ist nicht nur das Revier der Agatha Christie (1890 – 1976). Viele britische Autorinnen haben es für sich erobert, was nun in einem launigen Wegweiser durch das englische Landleben der Crime-Ladies beschrieben wird.

Der wunderschön bebilderte Band wird jeden Freund des Milieus begeistern. Und das befindet sich vorwiegend im ländlichen Teil Südenglands. Womit bereits feststeht, dass Christies zweite berühmte Ermittlerfigur, der ebenso eitle wie geniale Hercule Poirot, hier nichts zu suchen hat, denn er ist ein Großstadtdetektiv mit dem Hang zum Reisen, zu Luxus und Bequemlichkeit.

Jane Marple wird im gesamten Bändchen präsent sein, wenn Berg-Ehlers von St. Mary Mead (Christie) nach Fenchurch St. Peter (Dorothy L. Sayers), Blythburgh (P.D. James) oder Kingsmarkham (Ruth Rendell) reist und dort auf den Spuren legendärer Ermittler wie Lord Peter Wimsey, Adam Dalgliesh oder Reginald Wexford wandelt.

Wissen präsentiert mit Charme und Homor

Im Mittelpunkt der Reise, die selbstredend in Tearooms, Cottages, Pubs, farbenfrohe Gärten, aber auch Kirchen und über Friedhöfe führt, stehen die „Queens of Crime“. Aber auch viele nicht weniger erfolgreiche Autorinnen wie Minette Walters oder die Schöpferin des bekannten Inspectors Tom Barnaby, Caroline Graham, werden beleuchtet.

Nicht zuletzt findet auch die Amerikanerin Elizabeth George Eingang ins Marple Country gerade wegen ihrer Vorliebe für selbiges. Zudem sind ihre Ermittler Thomas Lynley und Barbara Havers mittlerweile weltweit Kultfiguren.

Berg-Ehlers, die unter anderem Theaterwissenschaften und Publizistik studierte und als exzellente Kennerin der englischen Literatur gilt, hat ihr Wissen mit viel Charme und Humor in dieses Büchlein gepackt. Ihre Entdeckungstour durch die englische Kriminalliteratur und das Betätigungsfeld ihrer Autorinnen, deren Lebensumstände und die Preisgabe auch mancher pikanter Details machen die Lektüre nicht nur lesenswert, sondern auch zum Anreiz, sich wieder einmal einem Klassiker dieses Genres zu widmen.

Denn seien wir mal ehrlich: Trotz böser Buben und Taten haben diese Bücher etwas Beschauliches, das sich wohltuend abhebt von blutiger Action und Hightech-Verbrechen und das sich besonders wirkungsvoll mit einer guten Tasse Tee oder einem kühlen Ale genießen lässt.

  • Luise Berg-Ehlers: „Mit Miss Marple aufs Land. Englische Krimischriftstellerinnen zwischen Tearoom und Tatort“, Insel-Verlag, 143 Seiten, 12,95 Euro.

von Frauke Kaberka

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