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Zwischen Spiritualität und Freude

Semina Latina - Lateinamerikanische Woche Zwischen Spiritualität und Freude

Eine spannende Mischung aus klassischer und indianischer Musik präsentierte das Ensemble der bolivianischen Musikschule San Ignacio de Moxos am Freitagabend in der Lutherischen Pfarrkirche.

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Das Ensemble Moxos aus Bolivien weckte mitreißende Freude an Musik und Tanz. Dabei wechselten die Musiker verschiedene Instrumente und Stimmungen ab.

Marburg. Das ungewöhnliche Konzert bildete den Abschluss der diesjährigen Semana Latina. Sehr beeindruckend war schon der Beginn des kurzweiligen Abends: In hellen Gewändern und mit buntem Kopfschmuck zog das Ensemble Moxos in die dunkle Pfarrkirche ein.

Die jungen Leute indianischer Herkunft, die aus San Ignacio de Moxos im Amazonas-Tiefland stammen, trugen brennende Kerzen und sangen und spielten auf Trommeln und Flöten. Vor dem Altar angekommen, legten sie die traditionellen Instrumente zur Seite und holten Geigen, Celli und Querflöten herbei. Flugs hatte sich ein klassisches Orchester formiert, das von einer zierlichen, aber sehr energischen Dirigentin geleitet wurde.

Mischung aus ernster und ausgelassener Stimmung

Das Ensemble zaubert im Nu einen wunderbar runden und harmonischen Klang, der die ganze Kirche erfüllte. Gespielt wurde die „Sonata chiquitana“ des Barockkomponisten Domenico Zipoli. Die Partitur stammt aus dem Musikarchiv von San Ignacio de Moxos, einer alten Jesuiten-Mission. Das Ensemble Moxos hat es sich zur Aufgabe gemacht, Spiritualität, Religion und Musik der Jesuiten zu pflegen und zu bewahren. In dieser Tradition stand auch die „Misa Apostoles“, aus der die jungen Musiker das „Kyrie“ und das „Gloria“ vortrugen. Sie bildeten hierfür einen kleinen Chor, der mit viel Feingefühl und Ausdruck sang und vor allem mit glasklaren und hellen Sopranstimmen begeisterte.

Das melancholische Stück „Aquel Monte“ stammte dagegen wieder aus dem traditionellen Musikschatz der Volksgruppe der Moxos. Trommeln und große Panflöten waren im Orchester mit dabei, aber auch klassische Instrumente. Sehr temperamentvoll kam das dann folgende Instrumentalstück daher, zu dem das Ensemble auch noch tanzte. Mit Trommeln und Rasseln wurde der Takt geschlagen, und die Musiker sprühten vor Lebensfreude. Die Freude an der Musik übertrug sich schnell auf das Publikum, das bereitwillig mitklatschte. Wenig später wurde es dann wieder ernst und feierlich. Kerzen wurden angezündet, Obstschalen herbei geholt, und der Chor stimmte ein andächtiges Dankeslied an.

Zum Schluss stürmten dann junge Männer mit großen Trommeln und indianischem Kopfschmuck auf die Bühne, und die Stimmung schlug ein weiteres Mal um.

Das ganze Ensemble spielte und tanzte, bald kamen Frauen in bunten Trachten dazu, und es bot sich ein wunderschönes Bild. Schließlich wurden auch noch Leute aus dem Publikum geholt, und so endete der wunderbare Konzertabend mit einem fröhlichen Tanz.

Musik schafft eine Perspektive für Jugendliche

Das Ensemble Moxos ist das international beachtete Aushängeschild der Musikschule San Ignacio de Moxos. Die Musiker und Musikerinnen des Ensemble Moxos sind Absolventen.

Die Schule hat es sich zur Aufgabe gemacht, Berufs- und Lebensperspektiven für rund 200 Mädchen und Jungen indigener Abstammung zu schaffen. Alle Mitglieder sind auch als Dozenten an der Schule tätig. Mit den Konzertreisen finanzieren die Musiker den Unterhalt der Schule.

von Bettina Preussner

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