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Zwischen Sozialarbeiter und Mafiaboss

OP-Buchtipp: Kai Psotta: „Paten der Liga ...“ Zwischen Sozialarbeiter und Mafiaboss

Die Fußballsaison in den großen Ligen Europas ist Geschichte. Es ist Sommerpause. Und damit haben jetzt vor allem diejenigen ihren Auftritt, die für die Geschäfte der Profifußballer zuständig sind: die Spielerberater.

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Profifußballer wie Zlatan Ibrahimovic von Paris Saint Germain sind heute oft moderne Ikonen. Sie und ihre Berater bestimmen oft nicht nur ihren Preis, sondern auch den Zeitpunkt des nächsten Vereinswechsels – selbst bei noch laufenden Verträgen. In Kai Psottas Buch geht es um die Hintermänner im Fußballgeschäft: die Berater, die das Beste aus einer Fußballerkarriere machen sollen – was in der Regel auch nicht zu ihrem finanziellen Nachteil ist.

Quelle: Yoan Valat

Es ist für die Fans ein undurchsichtiges Geschäft, was da zwischen Spielern, ihren Beratern und den Vereinsverantwortlichen abläuft, wenn es um die Verpflichtung eines Spielers geht. Deshalb gibt es unter Fußballfans auch kaum ein besseres Streitthema als das über Vereinswechsel und Ablösesummen.

Der Sportjournalist Kai Psotta begibt sich in seinem Buch kenntnisreich auf die Spur der „Hintermänner“ in diesem Geschäft. Denn während man als Fußballfan die Spieler und die meisten Manager der großen Clubs kennt, bleiben die Spielerberater, die die Vertragsverhandlungen für fast jeden Fußballprofi bis zur Unterschriftsreife aushandeln, meist im Dunkeln. Umso mehr Mythen ranken sich um ihre Rolle im Fußballgeschäft. Und der Ruf, der ihnen vorauseilt, ist selten ein guter.

Kai Psotta gelingt die Annäherung an die „Paten der Liga“, anders als der etwas reißerische Titel vermuten lässt, äußerst differenziert. Es kommen sehr unterschiedliche Beratertypen zu Wort, vom „Kümmerer“, der schon jugendliche Talente behutsam aufbauen will und auch mal von einem zu schnellen Wechsel zu einem „großen“ Verein abrät, über den Seiteneinsteiger, der eher zufällig hereingerutscht ist, bis zu schillernden Persönlichkeiten wie Mino Raiola.

Für Fans ein Muss

Der versteht es meisterhaft, den Marktwert von Klienten wie dem exzentrischen Zlatan Ibrahimovic in klingende Münze zu verwandeln. Wie Raiola beherrschen aber auch viele andere Vertreter der Zunft das Katz-und-Maus-Spiel mit den Medien perfekt – wie sich im Buch an zahlreichen Beispielen von van Bommel über Kroos und Schürrle bis Ronaldo nachlesen lässt.

Das Buch ist für Fans ein Muss, weil es oft erstaunlich konkret ist und auch auf recht aktuelle Transfers eingeht. Psotta schildert das Geschäft aus vielen Blickwinkeln, befragt Spieler, Manager und natürlich die Berater selbst. Über eins muss man sich aber beim Lesen auch immer im Klaren sein: Der Blick hinter die Kulissen gelingt nur so weit, wie die handelnden Personen den Vorhang dazu lüften. Dennoch: Wer sich als Fußballfan dieses Buch entgehen lässt, schießt ein Eigentor.

  • Kai Psotta: „Paten der Liga – Spielerberater und ihre Geschäfte“, Piper, 298 Seiten, 19,99 Euro

von Michael Agricola

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