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Zwischen Rührung und Spektakel

Adventskonzert von „Helmut Jost and Friends“ Zwischen Rührung und Spektakel

Zum ersten Mal gab der Gospelsänger Helmut Jost im Rahmen seiner Weihnachtstour ein Konzert 
in Stadtallendorf. Und er wusste stimmlich gemeinsam mit seinem Vocalensemble zu glänzen.

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Helmut Jost hielt sich anfangs zurück, gab seinen Sängern viel Raum für meist 
improvisierte Songs.

Quelle: Yanik Schick

Stadtallendorf. Das Konzert ist schon fast zu Ende, als sich das Publikum in der Stadtkirche noch einmal kollektiv erhebt, als es mit einstimmt in die letzten Töne. In diesen Momenten zeigt sich: Die Musik von Helmut Jost und seinem Vocalensemble hat viele Zuhörer an diesem recht kühlen, zweiten Adventsabend auftauen lassen.

Einerseits durch die vielen, für Jost ganz typischen, lebhaften Gospel-Songs zum Mitwippen, Mitklatschen und Mitsingen. Aber auch in Form von gefühlvollen, besinnlichen Liedern. Und genau so eins ist eben jenes letzte Lied des Abends.

Ein Klassiker der Weihnachtszeit, bei dem nun alle 300 Menschen in der Kirche stehen: Stille Nacht, Heilige Nacht, lediglich begleitet von Piano und Akkordeon. Als es fertig ist, hat eine Frau in der vordersten Reihe Tränen im Gesicht.

Markante, rauchige, schwarze Stimme

Von viel Rührung bis zum stimmungsvollem Spektakel reicht das Gefühls-Spektrum, das „Helmut Jost and Friends“ am Nikolaustag in der Stadtkirche erschaffen. Aktuell ist die Gruppe mit ihrem A-cappella-Programm auf Tour in der Republik.

Angeführt wird die Gruppe von Jost, der während des Auftritts meist in der Mitte am Piano Platz nimmt, hin und wieder aber auch mit der Trompete auftaucht. Als Gospel- und Soulsänger hat sich der 58-Jährige in den vergangenen Jahrzehnten europaweit einen Namen gemacht. Seine Stimme ist markant, rauchig und schwarz.

Links und rechts neben Jost hat sich das sechsköpfige Vocalensemble aufgestellt. Mit Bruder Frieder, Neffin Leslie und seiner Frau Ruthild Wilson stammt die Hälfte des Teams aus seiner eigenen Familie. „Beim Musizieren hilft das ungemein“, erzählt Helmut Jost später im Gespräch mit der OP. „Wir atmen gleich und haben zum Teil früher schon dieselbe Musik gehört.“ Alle, auch die weiteren drei Mitstreiter Eva Schäfer, Anni Barth und Eberhard Rink, sind professionelle Musiker.

Fast alles improvisiert

Im ersten Teil des Abends hält sich der Kopf der Gruppe noch erstaunlich zurück. Jost agiert vom Piano aus fast nur im Hintergrund, dagegen rückt jeder seiner Sänger mit einem Solo ins Rampenlicht. Die Gruppe spielt nahezu ausschließlich englischsprachige Titel mit christlichem Hintergrund, meist auf die Weihnachtszeit bezogen. Sie singt Lieder wie „Joy to the World“, „Gloria in Excelsis Deo“ und „Santa Claus Is Coming To Town“, entwickelt dabei aber einen ganz eigenen Stil, der sich zumeist im Gospel-Genre verorten lässt.

Während die anderen singen, wirft Helmut Jost ihnen oft fast schon väterliche Blicke zu. „Fast alle Soli und deren Begleitung waren improvisiert, es war auch gar kein Ton festgelegt“, verrät Jost. Dies gebe den Künstlern mehr Freiheit, brauche aber eben auch den ständigen Blickkontakt.

Zwischen den Songs trägt der Musiker eine ganz besondere Weihnachtsgeschichte vor. Er erzählt aus Sicht des biederen Esels Ferdinand, der im Stall bei der Geburt Jesu dabei war, von den Strapazen, die er dadurch hatte mitmachen müssen. Ein humorvoller Kontrast zur Besinnlichkeit vieler Adventslieder. „Das ist meine Art“, sagt Jost, der ab der Hälfte des Auftritts auch stimmlich deutlich aktiver wird und das Publikum in der Kirche spürbar beeindruckt.

von Yanik Schick

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