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Zwischen Ohnsorg und Schillerstraße

Theater Zwischen Ohnsorg und Schillerstraße

Dass ein rund 2.200 Jahre altes Theaterstück nicht angestaubt und langweilig daher kommen muss, beweisen die Mitglieder der studentischen Schauspielgruppe des Seminars für Klassische Philologie.

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Einfache Kulissen, einfache Kostüme und ganz viel Wortwitz prägen das 2200 Jahre als Stück des Römers Plautus.

Quelle: Ines Dietrich

Marburg. Seit dem Wochenende zeigen die Studierenden im Konzertsaal des Ernst-von-Hülsen-Hauses die Komödie „Miles Gloriosus – Der prahlerische Soldat“. Zum ersten Mal wurde das Stück, geschrieben vom römischen Dichter Titus Maccius Plautus, im Jahr 206 vor Christus aufgeführt. Es überrascht auch Jahrtausende später durch Witz und Originalität – die Handlung könnte ohne weiteres Inhalt einer modernen Sitcom sein.

Es geht um Liebe, Leidenschaft und Eitelkeit, um törichte und clevere Sklaven, um Verwirrungen und tollkühne Pläne. Der römische, sich gnadenlos selbst überschätzende Hauptmann Pyrgopolinices brüstet sich mit vermeintlichen Heldentaten und geht davon aus, dass ihm sämtliche Frauen zu Füßen liegen. „Was für eine Not, ein allzu schöner Mann zu sein!“, seufzt er etwa, bevor er zum Marktplatz aufbricht, um sich bewundern zu lassen.

Er hat eine junge Griechin nach Ephesus in sein Haus entführt. Deren Geliebter hat jedoch ihre Spur aufgenommen und trifft sich mit ihr im Nachbarhaus des Hauptmanns. Das bleibt nicht unbemerkt – was folgt, ist ein temporeiches Verwirrspiel, das geschickt mit Slapstick und Drama jongliert.

Originell ist die Inszenierung der studentischen Schauspieler, die munter von der alten in die moderne Sprache wechseln und unbekümmert Begriffe wie „Jalousie“ oder Ausrufe wie „Worauf du einen lassen kannst!“ in das antike Theaterstück einflechten.

Mit offensichtlicher Freude am Spiel, Wortwitz und an detaillierter Kulisse setzen die Schauspieler Plautus‘ Komödie in Szene – es fehlt weder das blitzende Schwert noch der Soldatenharnisch.

Ein bisschen erinnert das an eine Mischung aus Ohnsorg-Theater und „Schillerstraße“ – Türen gehen auf und zu, immer neue, kuriose Charaktere treten auf, schwindlig machende Dialoge werden geführt und obgleich das Ende durchaus vorhersehbar ist, bleibt die Lust, die amüsante Geschichte genau zu verfolgen.

Die 120 Premieren-Zuschauer am Freitag waren begeistert, Szenenapplaus und ausdauernde Lacher begleiteten das Stück, das noch am Donnerstag, Freitag und Samstag, jeweils um 19 Uhr, zu sehen ist.

von Ines Dietrich

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