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Zwischen Flattop und Lederjacke

The Meteors Zwischen Flattop und Lederjacke

„Österliches Treffen der Subkulturen“ könnte man die Veranstaltung am Abend des Ostersonntags im KFZ nennen. Im Mittelpunkt standen „The Meteors“.

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Marburg. Das Bier fließt in Strömen, Schulter an Schulter drängen sich schwarze Lederjacken, unter denen Nietengürtel blitzen. Auf der Bühne bemühen sich „The Earwix“ aus dem Hinterland, mit rotzigem Punkrock der Menge einzuheizen. Mit Erfolg. Ihr derber Sound, gepaart mit markant schlechtem Benehmen, wird vom Publikum mit großem Applaus und Bierduschen gefeiert.

Und dann kommen „The Meteors“ auf die Bühne. Sie lassen es seit über dreißig Jahren in der Szene richtig krachen. Fusioniert man klassischen Rock’n’Roll und Rockabilly der 50er-Jahre mit aggressivem Punk im Stile der Ramones, bekommt man Psychobilly. Dieser ist bewusst unpolitisch und partyorientiert. Die Szene definiert sich über Flattop und Lederjacke, sowie ein konzertorien­tiertes Freizeitverhalten mit viel Bier und ordentlichem Moshpit.

Wrecking ist Pflicht

Und das fördern die „Meteors“, wo sie nur können. Die britische Combo um den Wahl-Duisburger P. Paul Fenech gelten als Mitbegründer und Ikonen der Szene. Wenn die tätowierten Arme des Briten in die Saiten seiner Fender dreschen und er mit unverkennbarem Londoner Akzent von Mutanten, Horrorgeschichten und Party singt, gibt es vor der Bühne kein Halten mehr. Wolfgang Hordemann rackert sich schwitzend am Drumkit ab, um den Beat auf hundertachtzig zu halten. Zwar hört sich jeder der kurzen Songs ähnlich an, das schadet der ausgelassenen Partystimmung aber nicht.

„Denn sie wissen schon, was sie tun“, schießt es einem durch den Kopf, als der erste tätowierte Oberkörper krachend gegen die Bühne fliegt. Man kennt sich, man liebt sich in der Szene. Zahlreiche helfende Hände zerren den Kollabierten auf die Füße, kurze Umarmung von vielen Seiten und weiter geht der Pogo.

Wer auf Psychobilly-Konzerte geht, dessen Hauptinteresse liegt nicht unbedingt in körperlicher Unversehrtheit. Das Wrecking, ein ruppiger Tanzstil, der aus wild rudernden Armen, Schubsen und Rempeln besteht, ist für den wahren Fan Pflicht, auch wenn‘s blaue Flecken gibt.

Textsicherheit übrigens auch, denn jeder Song der Meteors wird aus zahlreichen Kehlen mitgegrölt. Jedes der rasanten Gitarrensoli von Frontmann Fenech wird gefeiert. Wild zupft und slapt Simon Linden den großen Kontrabass. Er lässt die Saiten knallen, sein treibender Beat heizt den musikbegeisterten Fans richtig ein.

Ein Konzertvergnügen vom Feinsten im KFZ. Die „Meteors“ haben auch nach einem Drittel-Jahrhundert nichts von ihrer Energie eingebüßt und sind immer ihrem Stil treu geblieben - die Subkultur dankt‘s. Und über die paar blauen Flecken kann man ja hinwegsehen.

von Jan Bosch

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