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Zwei neue Publikumslieblinge

Ohnsorg-Theater: „Tratsch im Treppenhaus“ Zwei neue Publikumslieblinge

Viele der rund 650 Zuschauer in der Stadtallendorfer Stadthalle machten am Dienstag mit dem Ohnsorg-Theater eine ­Reise zurück in ihre ­Jugend. Zu sehen war 
der 60er-Jahre-Erfolg „Tratsch im Treppenhaus“.

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Die beiden neuen Publikumslieblinge unter sich: Horst Arenthold spielt den Steuerinspektor a.D. Ewald Brummer, Heidi Mahler die Tratschtante Meta Boldt.

Quelle: Maike Kollenrott

Stadtallendorf. Stürmisch ­gefeiert wurde in der Stadtallendorfer Stadthalle das vom Gemündener Veranstalter Depro-Concert präsentierte Gastspiel des Hamburger Ohnsorg-Theater mit seinem Klassikler „Tratsch im Treppenhaus“.

Publikumslieblinge waren Heidi Mahler und Horst Arenthold. Heidi Mahler schlüpft als Tratschtante Meta Boldt in die legendäre Rolle ihrer Mutter Heidi Kabel. Die mittlerweile 71-jährige Mahler präsentierte sich auch fern ihrer Hamburger Heimat in Hochform, war 
stets ungemein präsent und bekam immer wieder Szenenapplaus.

Gleiches gilt für Horst Arenthold. Der schwergewichtige Darsteller spielte sich als frühpensionierter Steuerinspektor Ewald Brummer schnell in die Herzen der Zuschauer. Mit viel Witz überzeichnete er seine Figur, mit kleinen und großen Gesten lockt er bei jedem Auftritt Lacher heraus.

Das Stück ist eine liebenswerte Komödie aus den 1960er Jahren und begründete den überregionalen Ruhm des Hamburger Theaters. Als in den Wirtschaftswunder-Jahren Fernseher in den Wohnzimmern der Republik Einzug hielten, schlug die große Stunde des Ohnsorg-Theaters. Die Menschen wollten Unterhaltung ohne Ecken und Kanten, das Fernsehen brachte sie ihnen in die Wohnzimmer.

Inszenierung zum Original modernisiert

Jens Exlers Volksstück „Tratsch im Treppenhaus“ ist der wohl größte Erfolg des Ohnsorg-Theaters, das 1902 als plattdeutsche Bühne begann und in Hamburg zu einer Kult-Institution wurde. Berühmt wurden die Aufführungen mit den Ohnsorg-Legenden Heidi Kabel und Henry Vahl.

Regisseur Michael Koch hat den „Klassiker aller Klassiker“ aus dem Jahr 1962, der bei der Ausstrahlung 1966 sagenhafte 79 Prozent aller TV-Zuschauer erreichte (es gab damals aber nur zwei Programme), im vergangenen Jahr neu inszeniert und mit aller Vorsicht und Liebe zum Original ein ganz klein wenig modernisiert.

Das Bühnenbild ist natürlich geblieben. Es zeigt ein altes, abgewohntes Treppenhaus mit vier Türen und zwei Treppen. Viel Platz also für Auf- und Abgänge, die Regisseur Koch mit seinem Ensemble punktgenau einstudiert hat.

Es geht Schlag auf Schlag in diesen Mietshaus, dem Reich der Tratschtante Meta Boldt, die die Mietergemeinschaft mit ihrer Neugier, ihren kleinen und größeren Lügen aufmischt, immer wieder für neue Verwicklungen und Missverständnisse sorgt.

Dieter Schmidt hat urkomische Auftritte

Daneben gibt es den anfangs brummigen Steuerinspektor Brummer und die Witwe Hanne Knoop (souverän: Beate Prahl). Koch hat sie mit jüngeren Schauspielern besetzt als im Klassiker von 1962. So kann er auch deren Liebesgeschichte ausspielen.

Als Untermieter ziehen Brommers Neffe Dieter (Evangelos Sargantzo) und die junge Heike Seefeldt (Arja Sharma) ein. Beide sind von zu Hause geflohen, der eine, weil er Karriere machen will, die andere, weil sie sich vom wohlhabenden Vater nicht vorschreiben lassen will, wen sie zu heiraten hat.

Natürlich wird sie heiraten, natürlich den feschen Nachbarn, natürlich gewinnt der seine Prinzessin und dazu das Autogeschäft des Schwiegervaters, den Regisseur Koch hanseatisch zurückhaltend gibt. Und auch Brummer und Frau Knoop kommen sich näher.

Nicht unterschlagen sollte man Dieter Schmitt, der als Schlachtermeister und Hauswirt Tramsen urkomische Auftritte hat, wenn er etwa versucht, bei der jungen Untermieterin zu landen.
„Tratsch im Treppenhaus“ bot wie damals leichte, gleichwohl liebevolle Unterhaltung. Am ­Ende gab es von einem Teil des Publikum Standing Ovations.

von Uwe Badouin

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