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Zwei Zimmer, Küche, Kultur

"Q" setzt auf Musik und Kunst Zwei Zimmer, Küche, Kultur

Konzerte in der Küche, Kultur in einem alten Kesselhaus - das „Q“ am Pilgrimstein schafft neue Räume. Und Kaffee auf der Fensterbank trinken kann man dort auch.

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Abiy Simon Alemayhu (oben, von links), Inhaber Jörg Schlimmermann, Barista Julius Niemann und Geschäftsführerin Isabel Manthe setzen im „Q“ auf Kultur. Das linke Foto zeigt den Marburger Singer-Songwriter Robert Oberbeck bei einem Auftritt, das rechte das ehemalige Kesselhaus der Brauerei Bopp, das ausgebaut werden soll.Fotos: Nadja Scharzwäller

Marburg. Leerstehende Räume machen ihn nervös, sagt Jörg Schlimmermann. Da dürfte es keinen wundern, dass das ehemalige Kesselhaus der Brauerei Bopp seinen Puls in die Höhe getrieben hat. Schon seit geraumer Zeit. Als die benachbarte Touristinformation am Pilgrimstein im vergangenen Jahr in das wieder eröffnete Erwin-Piscator-Haus umzog, waren deren Räume zunächst einmal gewissermaßen der erste Streich für Schlimmermann. Dort hat er diesen April das „Q“ eröffnet - ein Café-Restaurant mit zwei Wohnzimmern oben und offener Küche unten.

Inzwischen finden dort bereits zweimal in der Woche kleine Konzerte statt. Größeres plant Jörg Schlimmermann für die Zukunft. Was bislang nur als Zeichnung auf der Wand zu sehen ist, soll in wenigen Monaten bereits Realität geworden sein: ein Durchbruch in das alte Kesselhaus nebenan. Dann gibt es 100 Plätze für die Gäste und noch mehr Raum für Kultur. Eine Dachterrasse zwischen den beiden Gebäudeteilen inklusive. Und zwei weitere Räume sowie die alten Eiskeller sollen später noch hinzukommen.

Auch wenn die Finanzierung Jörg Schlimmermann derzeit noch Sorgen bereitet - die Arbeiten sind schon im Gange. Und das bei gefühlt arktischen Temperaturen: „Eiskeller“ heißt es nicht von ungefähr. Auch durch eine Tür und eine Treppe hinauf vom oberen Wohnzimmer des „Q“ aus befindet sich ein bislang noch ungenutztes altes Gemäuer. „Sieht aus wie in der U-Bahn, oder?“ kommentiert Schlimmermann die hohen gewölbten Decken.

Das Konzept des „Q“ ist eine Weiterentwicklung aus der „Alten Mensa“ heraus. „Dort sind die Kapazitäten einfach erschöpft“, sagt Jörg Schlimmermann. Um einerseits noch mehr Menschen die Möglichkeit zu geben, Ideen und kulturelle Projekte zu verwirklichen, und andererseits auch eine Gastronomie anbieten zu können, wollte der Diplompädagoge expandieren. „Wir verstehen uns als kulturwirtschaftlicher Betrieb“, erklärt er. Die verschiedensten Menschen und Gruppen sollen möglichst viel autonom gestalten können, so der Plan.

In den vergangenen Wochen war bei den Küchenkonzerten - jeweils mittwochs und freitags - schon alles von Vivaldi bis HipHop zu hören. Vielfalt sei Trumpf im „Q“. Dessen Name nimmt übrigens sowohl Bezug auf ein älteres Alte-Mensa-Projekt als auch auf den Tüftler an der Seite von James Bond. Und der „Quartermaster“ (dafür steht die Abkürzung bei Bond), der Quartiermeister also - das ist Jörg Schlimmermann nach seinem eigenem Empfinden bei diesem Projekt. Auch bei seiner Arbeit als Therapeut versteht er sich als „Raumbereiter“, wie er sagt.

Der Begriff Kultur - die übrigens ungefördert stattfindet - ist im „Q“ weit gefasst. Musik und Kunst gehören für die Beteiligten ebenso dazu wie Spiel und Sprache, interkulturelle Begegnung, soziales Engagement und natürlich auch das Essen. Dabei legen Jörg Schlimmermann, die Geschäftsführerin des „Q“ Isabel Manthe und das ganze Team Wert auf Qualität. Das heißt auch, möglichst viel Bio und regionale Produkte wie der Kaffee aus Kehna.

Barista Julius Niemann zaubert einen Pfau in die Crema des Cappuccino, in der Küche duftet es nach gefüllten ­Ravioli. Momentan gibt es jeden Morgen Frühstück ab acht, weil aber auch viele Berufstätige im Umfeld des Cafés arbeiten, plant Jörg Schlimmermann für die Zukunft einen noch früheren Start. Wenn alles angelaufen ist, dann kann er sich jetzt schon wieder ein neues Projekt vorstellen. Obwohl er zugibt, dass das unternehmerische Risiko, das er für dieses auf sich genommen hat, „gruselig“ ist. Umso mehr freut er sich auf ­Zuspruch und Mitstreiter für sein „Q“.

Alle Informationen gibt es im Internet unter www.q-mr.de.

von Nadja Schwarzwäller

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