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Zwei Meisterwerke mit viel Charakter

Konzertverein: Kölner Streichsextett Zwei Meisterwerke mit viel Charakter

Voller gemeinsamer Klang und fein ausgeführte eigenständige Stimmen verband das Kölner Streichsextett bei ihren Interpretationen der beiden wegbereitenden Kompositionen von Johannes Brahms und Max Reger.

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Das Kölner Streichsextett gastierte am Sonntagabend im Erwin-Piscator-Haus.

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Nur zwei Werke standen am Sonntagabend auf dem Programm beim Konzertverein - doch die hatten es in sich. Das international besetzte Kölner Streichsextett, das sich zur Aufgabe gemacht hat, die Gattung des Streichsextetts am Leben zu erhalten, spielte das erste Streichsextett von Johannes Brahms und das Streichsextett von Max Reger - und das mit pünktlichem Start. Dafür war allerdings auch der Andrang an der Abendkasse nicht so groß.

Streichsextette waren in der Musikgeschichte nie sonderlich beliebt. Die Besetzung von sechs Streichern als kammermusikalisches Ensemble ist nicht zu finden. Nur wenige Kompositionen sind überliefert. Für Brahms bedeutete das Streichsextett und die damit verbundene Weiterentwicklung und Loslösung von der Königsdisziplin Streichquartett den Durchbruch - und auch für die Gattung selbst. Dennoch blieben Streichsextette die Ausnahme.

Sextett präsentiert Potpourri­ an Stimmungen

Doch gerade Brahms‘ Streichsextett in B-Dur, op. 18, das er im jungen Alter von 27 Jahren geschrieben hat, zeigt auf, welch schöner Klang mit dieser Formation möglich ist. Zwischen den vom starken Cello eröffneten Themen im ersten Satz steht ein einfacher Ländler. Das Kölner Streichsextett setzte diesen weich, fast liebevoll, von den beiden zentralen Themen ab, verbunden durch eine tolle Steigerung. Auch in die weiteren Sätze sind volkstümliche Themen eingestreut, die das Kölner Sextett wunderbar leicht ­integrierte.

Auch das Streichsextett von Max Reger in F-Dur, op. 118, gilt als ein Wegbereiter, denn es führt immer wieder zur Zwölftontechnik, jedoch noch mit harmonisch geprägtem Klangbild. Geschickt ließ das Kölner Streichsextett die leichten Tendenzen durchschimmern. Wie bereits bei Brahms präsentiert auch Reger ein reges Potpourri­ der Stimmungen, von energischen, breiten tutti-Passagen bis hin zu sanften Sequenzen, in denen alle sechs Stimmen eigenständig agieren.

Die Satzbezeichnungen gelten gerade bei Reger oft nur für den Anfang, wie etwa im zweiten Satz, dessen liebliches Seitenthema alles andere als „vivace“, also lebhaft, war. Höchst emotional wirkte dagegen der tiefe dritte Satz mit traumhaft schönen, kraftvollen Kantilenen. ­Reger selbst hatte diesen Satz als „ein Gebet mit dem lieben Gott“ bezeichnet, wie im Programmheft erläutert wurde. Der vierte­ Satz greift wieder die lebensbejahende Grundstimmung des Streichsextetts auf und führt tänzerisch zum Finale.

Das Publikum im Erwin-Piscator-Haus bedankte sich mit langem, kraftvollem Applaus für die beiden fantastisch gespielten Meisterwerke und wurden dafür mit der Paduan für sechs Stimmen von Andreas Hammerschmidt aus dem 17. Jahrhundert belohnt.

von Mareike Bader

 
 
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