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Zwei Giganten der Oper

Eberhard Straub im Café Vetter Zwei Giganten der Oper

Viel Betrieb im Café Vetter: Eberhard Straub referierte am Sonntagmorgen über seine neue Doppelbiographie, in der er Wagner und Verdi als große Europäer darstellt.

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Wagner und Verdi, Opernkomponisten und Weltbürger: Eberhard Straub hat ein ebenso spannendes wie faktenreiches Buch über die beiden Jubilare geschrieben. Foto: Bettina Preussner

Marburg. Gedämpfte Gespräche, Gelächter, Tassengeklapper. Dicht an dicht saßen die Besucher im Café Vetter und warteten. Ludwig Legge von der Neuen Literarischen Gesellschaft wies darauf hin, dass in diesem Jahr zwei „Giganten der Oper“ 200. Geburtstag feiern: Richard Wagner und Giuseppe Verdi. Wagner wurde am 22. Mai1813 geboren, Verdi am 10. Oktober 1813.

Eberhard Straub, der Verfasser der Doppelbiographie „Wagner und Verdi - Zwei Europäer im 19. Jahrhundert“, referierte völlig frei. Es war bemerkenswert, wie der Sachbuchautor die vielen hochinteressanten Fakten vortrug: klar strukturiert, spannend, kenntnisreich. Straub betonte, dass die beiden Komponisten damals in einer ganz selbstverständlichen europäischen Kultur gelebt hätten. Die später konstruierte Legende, Wagner und Verdi seien glühende Nationalisten gewesen, träfe nicht zu, so seine These. Die beiden hätten eher in internationalen Kategorien gedacht, Dante geliebt und verehrt und in Paris gelebt, damals der Mittelpunkt der musikalischen Welt.

Straub nannte viele weitere Gemeinsamkeiten zwischen den Opernkomponisten. Wagner sei ebenso wie Verdi ein politischer Kopf gewesen, der die Oper als reines Unterhaltungsinstrument abgelehnt habe. Für beide sei die Bühne eine sittliche Anstalt gewesen, die den Menschen zu einem moralischen Wesen erziehen sollte. Beiden ging es um die Wahrheit auf der Bühne. Auch seien Wagner und Verdi keine „subtilen Künstler“ gewesen, so Straub weiter. Die zeitgenössische Kritik habe die Musik von Wagner wie Verdi häufig als zu schnell, zu laut und zu grell abgelehnt. Das Publikum aber urteilte anders, es liebte die Opern beider Komponisten.

Aber es gab auch viel Konkurrenz zwischen Wagner und Verdi, wie der Autor erklärte. Beide haben sich nie getroffen und gingen sich absichtlich aus dem Weg. Während Wagner bald als großer Avantgardist galt, warf man Verdi Stagnation vor. Das weckte dessen Eifersucht. Verdi schaute sich einige von Wagners Opern an und fand sie langweilig. Während die Musik Wagners in seinen späteren Jahren als Weltsensation gefeiert wurde, galt Verdi als zweitrangiger Komponist. Verdi musste nach Wagners Tod dessen großen Nachruhm in Italien miterleben und fühlte sich verletzt. Aber auch Verdi wurde nach seinem Tod gefeiert - in Deutschland. Seine Musik erlebte eine Renaissance im Land seines früheren Rivalen.

von Bettina Preussner

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