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Zweck-WG nach der Pleite

Theater Zweck-WG nach der Pleite

Die Firma ist pleite, die Kasse leer - die drei, die sich frustriert in einer Zweck-WG zusammengefunden haben, müssen sich neu sortieren. Und werden dabei noch in den intimsten Situationen überwacht.

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„Money Song“ zeigt das WG-Leben mit Big-Brother-Elementen. Foto: privat

Quelle: Privatfoto

Marburg. Das ist die Ausgangssituation der Protagonisten in dem Stück „Money Song“, das die Marburger Theaterformation german stage service zusammen mit den Berliner united­OFFproductions im Theater im G-Werk präsentiert.

Die Produktion ist die erste gemeinsame Arbeit der beiden freien Theatergruppen, die jedoch schon zuvor Berührungspunkte hatten: Graciela González de la Fuente, die für Dramaturgie und Ausstattung verantwortlich zeichnet, hat schon eine ganze Reihe von Regiearbeiten in Marburg abgeliefert, und auch die Darsteller Thomas Georgiades und Marco Wittorf sind bekannt. Regisseur Dieter Krockauer hat schon an der Produktion „So viele Küsse, so viele Seufzer“ des Marburger Regisseurs Rolf Michenfelder mitgewirkt.

Nun hat unitedOFFproduc­tions in Marburg ein Stück erarbeitet, das nicht nur im Theatersaal, sondern auch hinter der Bühne, auf dem Parkplatz des Theaters und sogar im Garten hinter dem Gebäude stattfindet - die Erforschung ungewöhnlicher Theater-Räume ist eine Spezialität der Berliner, ebenso wie die Arbeit mit Videosequenzen. In „Money Song“ wird das Publikum in das WG-Wohnzimmer eingeladen, dass sich zwei Männer und eine Frau in den ehemaligen Geschäftsräumen von einem der Protagonisten eingerichtet haben. Das hoffnungsvolle junge Unternehmen ist den Bach hinuntergegangen, und der einstige Jung-Unternehmer sitzt nun mit seinen Ex-Angestellten in ziemlich schlichten Verhältnissen.

Das ist das erste Thema des Stücks: Wie es den Menschen ergeht in Zeiten, in denen es keine durchgängigen Erwerbsbiografien mehr gibt, man sich immer wieder neu erfinden und ausrichten muss, auf großen Erfolg jederzeit Niederlagen folgen können. Was tun, wenn man scheitert? Wie geht es weiter? Zwischen Hoffnung und Burnout hängen die Protagonisten in einem Zwischenstadium, aus dem es für sie aber Auswege gibt, da ist sich Regisseur Dieter Krockauer sicher: „Die kriegen das schon hin.“

Zweites Thema ist der Einblick des Publikums hinter die Kulissen: Filmkameras zeigen, was sich an den anderen Spielorten abspielt, in der schäbigen Küche oder den unwirtlichen Schlafräumen - eine Art „Big Brother“ ohne Prominenz. Das Publikum verfolgt das Geschehen aber nicht nur auf der Leinwand, sondern wechselt auch selbst den Ort - „aber keine Angst, niemand muss mitspielen“, beruhigt Krockauer. Höchstens, dass man von den Darstellern ein paar Chips angeboten bekommt.

Das Ganze soll unterhaltsam und witzig daherkommen, mit einem gewissen Sitcom-Charakter, aber auch mit stillen Momenten, denn zum Lachen ist die Situation der drei - die vielen bekannt vorkommen dürfte - eigentlich nicht. Aber die Hoffnung bleibt: Am Ende wird alles gut.

Premiere feiert „Money Song“ am Donnerstag, 10. Oktober. Weitere Aufführungen gibt es am 11., 12., 16., 17., 18. und 19. Oktober, immer ab 20 Uhr. Weil immer nur Platz für 40 Personen ist, empfiehlt sich eine Reservierung unter 06421-62582.

von Heike Döhn

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