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„Zurück zum Thema - Hossa!“

Comedy mit "Hinz und Kunz" „Zurück zum Thema - Hossa!“

Zwei Männer, eine Bühne und so viel Musik, dass mehrere Songs in ein Lied passen müssen: Das Duo „Hinz und Kunz“ zeigte am Freitag beim Theatersommer, was passiert, „wenn Männer Musik für Frauen machen“.

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Das Duo „Hinz und Kunz“ unterhielt die Marburger unter freiem Himmel auf dem Marktplatz.Fotos/Montage: Nadja Schwarzwäller

Marburg. Theatertage? Kultursommer? Da spielt man nicht einfach das Ballermann-Programm. Da muss man selbiges schon ein bisschen „historisch aufarbeiten“. Eigentlich haben „Hinz und Kunz“ aber ein ganz anderes Problem.

Hinz ist nämlich von seiner Frau Anita verlassen worden. Noch dazu per SMS. Und nun will er sie sofort anrufen und mit einem Lied zurückgewinnen. Nur - was singt und spielt man in so einem Fall? Noch bevor die Zuschauer das erfahren, bekommen sie einiges auf die Ohren. Partykracher trifft auf American Songbook, Wolle Petry auf Smokie und das ganze in einem einzigen Lied.

Gleich zu Beginn machen „Hinz und Kunz“ klar, dass sie beide tolle Musiker sind. Auch wenn sie sich noch so uneins geben, was den bevorzugten Musikstil (und den Rest ihrer Lebenseinstellungen) angeht. Die angeblich schönste Ballade, die jemals komponiert wurde, ist im Falle von Hinz beispielsweise „Yesterday“, für Kunz hingegen „Georgia on my mind“ - und auf der Bühne ein gemeinsames Stück.

Gitarre, Bass, Geige, Ukulele, Klavier, Schlagzeug, Gesang oder die Imitation einer Trompete - all das beherrschen die beiden. Im Fall der Ukulele sogar über Kopf. Aber zurück zu Anita.

Es sei aus, teilt sie Hinz in einer Kurznachricht mit. Und Butter hätten sie übrigens auch keine mehr. „Wo ist das Problem?“, kommentiert Kunz lapidar. Schreitet dann aber ein, als der Kollege von der Bühne gehen will, um Anita am Telefon zurückzugewinnen. Dafür braucht es schon das perfekte Lied. Die Rahmenhandlung des Abends ist damit abgesteckt und die Musik dabei der Hauptdarsteller.

Von Anfang an wird das Publikum einbezogen: vom Freiwilligen in der ersten Reihe, der glaubt, nur das Mikrofon vor Hinz in Sicherheit bringen zu sollen und sich dann in einer Karaoke-Show wiederfindet, bis hin zum Zuschauer, der mit einem Kind auf den Schultern tanzt („nicht wilder, sondern kotzt Dir Dein Kind auf die Schulter“).

„Ich bin Atheist und ich bleibe Atheist“, erklärt Kunz beim Klang der Rathausuhr, später knien die beiden aber vor dem flügelschlagenden Gockel nieder. Auch eine Gruppe von Junggesellen, die im Hintergrund über den Markplatz zieht, bleibt nicht unentdeckt. „Tu’s nicht“, bekommt der künftige Bräutigam zugerufen. „Klatscht mal, dann brauchen wir die Nummer nicht zu Ende zu spielen“, fordert Kunz das Publikum auf.

Zufrieden mit selbigem ist er indes nicht wirklich. „Die Fischerchöre wurden nicht in dieser Stadt gegründet“, bekommen die Zuschauer zu hören. Und wehe, beim zweiten Anspielen von Wolle Petrys „Das ist Wahnsinn“ wird erneut „Hölle, Hölle, Hölle“ gesungen - „Fühle, Fühle, Fühle“ muss es heißen; „da muss man mal mitdenken“.

Auch der Kollege kriegt es ab, wenn nötig. Da müssen schon einmal das Kabel und simulierte Stromstöße her, um dem das gerade begonnene Lied möglichst schnell wieder auszutreiben. Dass man wie selbstverständlich „Ganz in weiß“, „Love me tender“, „Am Tag als Conny Kramer starb“, „I just called to say I love you“ und „Völker höret die Signale“ zusammenpacken und „O sole mio“ mitsamt der „Apostrophs“ (auch als „hochgehüpfte Kommas“ bekannt) singen kann, das hat so vorher wohl noch keiner gezeigt.

„Ich hab alles gegeben, Leute, aber man kann euch einfach nicht zufrieden stellen“, wurde zwischendurch auf der Bühne geseufzt. Stimmt nicht. Die Marburger Leute waren sehr zufrieden mit diesem Abend. Und ein Happy End für Hinz und Anita gab es auch noch zu vermelden. Sie hat es sich doch noch einmal anders überlegt. Und sogar Butter besorgt.

von Nadja Schwarzwäller

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