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Zurück zu den Wurzeln der Weihnachtszeit

Weihnachtsoratorium von Kindern für Kinder Zurück zu den Wurzeln der Weihnachtszeit

Kein Advent ohne Bachs Weihnachtsoratorium. Das ist Gesetz bei Bezirkskantor Nils Kuppe. Und doch war das Weihnachtsoratorium für Kinder diesmal etwas ganz Besonderes. Es wurde am Samstag von Kindern aufgeführt.

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Kinder und Erwachsene führten unter der Leitung von Nils Kuppe Bachs Weihnachtsoratorium für Kinder auf.
Fotos: Florian Gaertner

Quelle: Florian Gaertner

Marburg. „Jauchzet, frohlocket, auf, preiset die Tage, rühmet, was heute der Höchste getan!“,singt der Marburger Kinderchor. Es ist der Auftaktchor der ersten von insgesamt sechs Kantaten, aus denen sich Johann Sebastian Bachs Weihnachtsoratorium zusammensetzt.

Der von Nils Kuppe geleitete Kinderchor ist nicht alleine im Altarraum der prächtigen Elisabethkirche: Vor ihm sitzen 35 Mädchen und Jungen von der Streicherbande Cappel. Die Streicherbande ist ein Kooperationsprojekt der Musikschule Marburg und der Erich-Kästner-Schule Cappel unter der Leitung von Marie Verweyen.

Rechts und links von den Kindern steht erwachsene „Verstärkung“ von der Kantorei der Elisabethkirche. Große Chöre wie „Jauchzet, frohlocket“ oder „Herrscher des Himmels“ sind nur mit den hohen Sopranstimmen der Kinder „nur schwer zu machen“, schmunzelt Kuppe. Er hat es den Sängerinnen und Sängern seiner Kantorei freigestellt, mitzuhelfen. Gut 40 sind gekommen. Es fällt ihnen leicht, schließlich führen sie das Weihnachtsoratorium jedes Jahr auf und stecken derzeit mitten in den Proben für die Konzerte am kommenden Wochenende.

Die Elisabethkirche ist proppenvoll. Schon gut eine halbe Stunde vor der Aufführung gibt es im großen Mittelschiff kaum noch Sitzplätze. Später hocken und stehen Kinder erwartungsvoll im Gang, nicht wenige Erwachsene stehen auch in den Seitenschiffen.

Nils Kuppe, seit 2005 Bezirkskantor an der Elisabethkirche, hat das Weihnachtsoratorium für Kinder vor Jahren eingeführt, gemeinsam mit dem Frankfurter Journalisten Fridtjof Küchemann. Er will Kinder an diese Musik heranführen und zugleich einstimmen auf die Weihnachtszeit. Jede Aufführung war bisher ein Erfolg.

Diesmal jedoch ist vieles anders. Erstmals liegt die musikalische Gestaltung fast ausschließlich in Kinderhand. Marie Verweyen, Cosima Friedrich und Nils Kuppe haben aus den ersten drei Kantaten elf Chöre, Arien, Rezitative und die Sinfonia, Bachs Hirtenmusik, ausgewählt, in der Marie Verweyenals Geigensolistin zu hören war. Alle Werke haben sie für die Kinder so bearbeitet, dass sie sie aufführen können.

Das Lampenfieber vor dem Konzert sieht man den Kindern an. Mädchen und Jungs vom Kinderchor werfen immer wieder einen Blick vom Lettner in die sich stetig füllende Kirche. Aber das Lampenfieber ist normal, es gehört einfach dazu, um die Spannung zu halten. Das gilt selbst für Profis, wie etwa dem Marburger Tenor Hubert Schmid, der eine Arie singt.

Gelungen ist Kuppe, Verweyen, Friedrich und Küchemann eine sehr kindgerechte Aufführung von Passagen aus dem wohl populärsten Werk des musikalischen Genies Bach. Küchemann erzählt zwischen den musikalischen Teilen von der Weihnachtszeit heute und zu Zeiten Bachs, von den Zielen des Komponisten. Und schließlich tritt der „Grantler“ Bach sogar selbst auf: Roman Pertl vom Hessischen Landestheater hat sich die damals übliche Perücke übergestülpt und schlüpft mit Witz in die Rolle des Komponisten, der dem Publikum sein Leid klagt.

Am Ende gab es langanhaltenden Applaus für eine äußerst gelungene Aufführung, die Kinder (und Erwachsene) ein Stück weit an die Wurzeln des Weihnachtsfestes erinnerte.

von Uwe Badouin

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