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Zurück zu den Rockabilly-Wurzeln

Boppin‘ B im KFZ Zurück zu den Rockabilly-Wurzeln

Pflichtprogramm im Rockabilly: Eine messerscharfe Gretschgitarre, der Drummer steht hinter seinem Set, und der Bassmann nutzt sein Instrument für Turneinlagen.

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Gitarrist Golo Sturm (rechts) und Boppin‘-B-Sänger Sebastian Bogensperger. Im Hintergrund Frank Seefeldt und Didi Beck.

Quelle: Carsten Beckmann

Marburg. Für die Kür sorgen bei Boppin‘ B Saxofonist Frank Seefeldt und seit vergangenem Jahr Sänger Sebastian Bogensperger. Am Wochenende stand für die Aschaffenburger Langzeit-Rock‘n‘Roller mal wieder Marburg auf dem Tourplan – eine Stadt, an die die Band beste Erinnerungen hat: „In den frühen Tagen waren wir nach einem Gig im Molly Malone‘s nicht mehr fahrtüchtig“, erzählt Bassist Didi Beck im Gespräch mit der OP: „Der Wirt hat uns die Schlüssel dagelassen, wir konnten direkt auf der Bühne schlafen – unter der Bedingung, dass wir uns nicht an seinem teuren Whiskey vergreifen.“

Wilde Zeiten, längst vorbei, nach knapp drei Jahrezehnten im Geschäft ist mittlerweile auch ein gehöriger Schuss Selbstironie dabei, wenn Boppin‘ B die Bühne entern. Sich selbst nehmen die fünf Rocker sehr viel weniger ernst als ihren Job. Denn den machen sie perfekt und mit vollem Körpereinsatz: Jede Wette – wenn Brian Setzer vor Jahren damit begonnen hätte, nur halb so viel Bewegung auf die Bühne zu bringen wie Boppin‘-B-Gitarrist Golo Sturm, dann wäre dem Altmeister der Stray Cats so manches Pfund Hüftgold erspart geblieben.

Das zwölfte Album im Gepäck

Sturm hat an sich selbst den Anspruch, immer mindestens einen Fuß in der Luft zu haben, während des Spielens Boxentürme oder Basstrommeln zu erklimmen oder im Duckwalk die Bühne zu vermessen – ein hyperaktiver Rockabilly, der sein Instrument nicht schont und der die raren Momente des Innehaltens höchstens dazu nutzt, seine Frisur wieder in Form zu bringen.

Das Publikum im KFZ hatte größere Probleme, in Bewegung zu geraten. Ein einziges Paar hatte sich während des Sets der als Opener aufspielenden „Heads“ kurz mal auf die Tanzfläche gewagt, im weiteren Verlauf mussten Boppin‘ B richtig rackern, damit wenigstens ab und an mitgeklatscht wurde. Dabei hat die Band ein neues – das mittlerweile zwölfte – Album im Gepäck, das die Band schlicht „Boppin‘ B“ betitelt hat.

Schlicht ist die Scheibe, die es ab Mitte Januar gibt, auf keinen Fall: Die Songs sind bewusst altbacken mit zwei Stereomikros in einem großen Sessionraum aufgenommen, das klingt so richtig schön muffig-dreckig, orientiert sich zurück zu den Wurzeln und hat jede Menge Druck auf dem Kessel. Damit dürfte es Boppin‘ B gelingen, auch bei jenen Rockabilly-Fans zu punkten, für die die Band nach ihrem „Dick-Brave“-Projekt mit Sasha zu sehr in die kommerzielle Ecke gerutscht war.

Das Quintett steht zu dieser Episode, ließ sich im Kulturladen sogar zum Brave-Hit „If you believe“ hinreißen, dessen gepfiffenes Intro im Lachkrampf Sebastian Bogenspergers unterging. Im kommenden Jahr will die Band ihren 30. Geburtstag mit einem Open Air im Hanauer Amphitheater feiern. Wie lange es danach noch weitergehen soll, steht für Bassmann Didi Beck eindeutig fest: „Am 16. Oktober ist Feierabend.“ In welchem Jahr? „Keine Ahnung.“

von Carsten Beckmann

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