Volltextsuche über das Angebot:

18 ° / 8 ° Regenschauer

Navigation:
Zum Lachen in den Keller

Eröffnung Marburger Kabarettherbst Zum Lachen in den Keller

Wenn das normal ist, was ist dann verrückt? Das ist hier die Frage. Eine, die sich ganz akut stellt. Und genau so heißt auch 
Arnulf Ratings neues
 Programm.

Voriger Artikel
Kinderchor besingen das Wasser
Nächster Artikel
Spannender Thriller rund um Online-Spiel

Arnulf Rating kam mit einem Zeitungsstapel ins KFZ, mit dabei die Oberhessische Presse.

Quelle: Nadja Schwarzwäller

Marburg. Der Marburger Kabarettherbst ist eröffnet. Arnulf Rating hat sich vor rund 150 Zuschauern die Ehre gegeben. Auch wenn man im neuen KFZ jetzt quasi zum Lachen in den Keller geht, wie der Kabarettist feststellte.

Nein, wirklich, toll sei, dass die Räume jetzt viel größer seien. Er habe eben nur erst einmal gedacht, falsch zu sein, angesichts des Ambientes einer Aussegnungshalle auf einem evangelischen Friedhof. Beziehungsweise, Schwester Hedwig hatte gedacht. Sie ist nämlich diejenige, die zum Auftakt die Bühne betritt und einen schönen guten Abend wünscht.

Nicht nur Angela Merkel 
müsse die Mundwinkel wieder hochgespritzt kriegen, wenn die vor lauter Engagement wieder gar zu sehr hängen. Auch Herr Rating brauche Betreuung. „Der nimmt alles durcheinander“, beschwert sich Schwester Hedwig. Und fordert Marburg auf, dem Herrn Rating gleich mal zu zeigen, wie man es hier so mit der Willkommenskultur hält.

Zeitungen spielen bei Rating besondere Rolle

Womit der Kabarettabend auch schon beim Stichwort 
wäre. So leid es Schwester  Hedwig nämlich tut um das neue KFZ. Aber das sei der letzte Abend. „Ab morgen kommen hier Flüchtlinge rein“. Und Til Schweiger kommt. Sich kümmern. Und den Heimatfilm 4.0 drehen.

Neben Schwester Hedwig gehören noch zwei weitere Herren zu Ratings Figurenkabinett: Herr Kalkowski, der Mann fürs Grobe, der die Feldbetten für die Flüchtlinge aufbauen soll, auf 450-Euro-Basis und weil die Rente sonst eben nicht reicht. Und Guido Greuel, der Mann im feinen Zwirn, der von „urbanen Erlebniswelten“ schwadroniert und Marburg nach vorne denken möchte.

Und dann hätten wir da noch Ratings Freund Karl-Heinz. Ein Journalist, der in der Gartenabteilung der Wochenendausgabe schön blumig schreiben soll – über Mist. Kein Wunder in Zeiten, in denen Zeitungen nur noch der Mantel für Anzeigen seien, wie Rating und Karl-Heinz diagnostizieren. Zeitungen spielen eine ganz besondere Rolle bei Arnulf Rating. In seinem Koffer hat er die Titel des Tages und Schlagzeilen aus der Vergangenheit. Mit einem Stapel „Rudelmedien“ in der Hand lässt es sich den Finger umso schöner in die aktuellen Wunden legen.

Natürlich auch mit dabei: die Oberhessische Presse. „Ganz wichtiges Fachblatt“, so der 
Kabarettist. „Weidenhäuser Brücke muss länger halten“, liest er vor. Kein Beckenbauer auf dem Titel, kein Syrien. Von einem Zuschauer wird er darüber aufgeklärt, dass die Abkürzung „OP“ in einem Artikel eben „Oberhessische Presse“ bedeutet. Nicht Operation.

Warum stellt keiner die wirklich wichtigen Fragen?

Im Gespräch nach der Show verrät der 54-Jährige, dass er nicht nur eine besondere Verbindung zu Marburg und dem KFZ hat, sondern auch zur OP. Mit den „3 Tornados“ hat Rating schon im KFZ gespielt, als das noch ein Wohnzimmer gewesen sei. Und damals, in den 1970ern, habe eben auch die OP bereits berichtet – erinnert sich Rating.

Aber zurück zum aktuellen Geschehen. Zu Flüchtlingen, zum Krieg gegen den Terror und zur Mutti Merkel (die übrigens immer genauso viele Knöpfe am Jackett wie Termine am Tag hat). Und zu den richtigen Fragen, die keiner stellt. Zum Beispiel, ob die Achse des Bösen kaputt oder warum der HSV eigentlich noch in der Bundesliga ist.

„Wir informieren uns zu 
Tode, aber wir wissen doch gar nicht, was los ist“, sagt Arnulf Rating. „Dreimal täglich googlen“ als Therapie? Nutzlos. Man könne alles googlen, nur keine Haltung. Und die verkörpert Arnulf Rating. Zum Schluss auf dem Feldbett, das Herr Kalkowski aufgebaut hat. Habe eigentlich schon mal jemand auf die Herkunft von Angela Merkel und Joachim Gauck geschaut?

Da könne man postulieren, Deutschland sei „ein Gottesstaat mit Predigern aus dem nahen Osten“. Und warum er am liebsten Zeitung liest, das erklärt der Kabarettist dem Publikum natürlich auch: „antiquiert, aber abhörsicher“.

von Nadja Schwarzwäller

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Hier finden sie die Kommentare und Meinungen der Redakteure zu lokalen und weltpolitischen Themen sowie Glossen und augenzwinkernde Beträge. mehr