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Zuhörer können die Seele baumeln lassen

Gregorian Voices Zuhörer können die Seele baumeln lassen

Bei der beruhigenden Musik von „The Gregorian Voices“ konnte am Samstagabend das Publikum in der ausverkauften Elisabethkirche abschalten vom hektischen Alltag.

Marburg. Der Altarbereich war in pinkfarbenes Licht gehüllt, als sei schon „Marburg b(u)y night“. Ansonsten war die Kirche bis auf wenige Ausnahmen dunkel. In dieser besonderen Atmosphäre präsentierten die acht bulgarischen Sänger des Chores „The Gregorian Voices“ Werke vom Mittelalter bis hin zu zeitgenössischem Pop.

Am meisten begeisterte das Publikum im ersten Teil des Abends der orthodoxe Gesang, bei dem der tiefe Bass besonders gut zur Geltung kam. Alles wirkte sehr sphärisch, fast mystisch: Die Beleuchtung, die ruhige, liturgische Musik - passend dazu trugen die Männer Mönchskutten, auch wenn sie einfache Sänger mit einer professionellen Gesangsausbildung sind und keine Mönche.

Der gregorianische Choral ist ein einstimmiger, unbegleiteter Gesang in lateinischer Sprache. Seinen Ursprung findet er in der Liturgie der römisch-katholischen Kirche. Unter Papst Gregor des Großen (540-604) wurden die bis dahin unterschiedlichen Systeme zusammengeführt. Aus dem gregorianischen Gesang haben sich im Laufe der Zeit die mehrstimmigen Messvertonungen entwickelt.

So war das Konzert ein perfekter Abend um den Kopf einmal auszuschalten und die Seele baumeln zu lassen. Freunde alter Musik hatten jedoch einigen Grund zur Kritik. Es gab weder ein genaues Programm, noch eine Textbeilage. Gerade bei den einstimmigen gregorianischen Chorälen hätte man sich einen beiliegenden Text gewünscht, denn trotz syllabischen Gesangs war der gesungene Text kaum zu verstehen.

Ein Blick in das 20-seitige Programmheft machte eher deutlich, dass der Fokus des Vokalensembles, das seit März 2011 auf Deutschlandtournee ist, eher auf dem Sphärischen der Musik und des Gesanges liegt und nicht auf deren Inhalt.

Im zweiten Teil des Abends standen die Pop-Klassiker im Vordergrund. Gerade einmal drei „alte“ Werke wurden hier gesungen, darunter „Cantate Domino“ von Heinrich Schütz, der 1608 bis 1609 in Marburg Jura studierte. Danach erklangen Popsongs wie „The Sound of Silence“ von Simon & Garfunkel, „Imagine“ von John Lennon oder sogar „Knocking on Heaven’s Door“ von Bob Dylan.

Trotz allem hatten die Besucher am Samstagabend sichtlich Spaß und belohnten die acht Sänger mit viel Applaus, besonders nach den Popsongs. Als Zugaben rundeten „Amazing Grace“ und „We Are The World“ den Abend ab.

von Mareike Bader

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