Volltextsuche über das Angebot:

13 ° / 9 ° Regen

Navigation:
Zeitreise von Klassik bis Spätromantik

„Marburger Schlosskonzerte“ Zeitreise von Klassik bis Spätromantik

Streichermusik von der Klassik bis zu Kompositionen des vorigen Jahrhunderts konnten die Zuhörer bei einem Konzert des Marburger Kammerorchesters im Fürstensaal des Landgrafenschlosses erleben.

Voriger Artikel
Entführung in eine Zauberwelt
Nächster Artikel
Verminte Kühe und eine Leiche im Brunnen

Das Marburger Kammerorchester überzeugte im Fürstensaal unter dem Dirigat von Michael Muche.

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Johann Christian Bach (1735–1782) steht oft genug im Schatten seines Vaters und Barockkomponisten Johann Sebastian Bach. Tatsächlich hat der jüngste Sohn eine außerordentliche musikalische Ausbildung hinter sich.

Zehn Jahre davon verbrachte er in England, davor war er Organist. Seine Kompositionsgeschichte geht unter anderem auf 15 Opern und 26 Cembalokonzerten zurück. Das Kammerorchester hebt ihn an dem Abend besonders hervor und beginnt das Konzert mit einem leicht beschwingten Stück: „Sinfonietta Nr. 1 A-Dur“.

Der Name lässt bereits Bachs Einfluss auf die Klassik, genauer gesagt auf die später etablierte Sinfonie erahnen. Im Anschluss erklang „Lady Radnor’s Suite“ von Hubert Parry (1841–1918). Die für das Mitte des 17. Jahrhunderts bekannte Suite bekommt neben den üblichen Tanzsätzen von Allemande, Gigue, Courante und Sarabande noch einzelne Sätze hinzugefügt: Ein Vorspiel, ein heiter, treibendes Bourrée und ein langsames lyrisches Slow Minuet – wir befinden uns nun im 19. Jahrhundert. Das teils aus Laien-, teils aus professionellen Musikern bestehende Kammerorchester zeigte eine gekonnte Darbietung.

Marburger Kammerorchester im Fürstensaal Schloss. Foto: Thorsten Richter (thr)

Zur Bildergalerie

 

Den ersten Höhepunkt des Abends erlebten die genau 180 Zuhörer mit der „Capriol Suite“ des Komponisten und Musikkritikers Peter Warlock (1894– 1939). Bereits mit dem ersten Satz „Basse Danse“ gelang es, den Fürstensaal in eine andere Atmosphäre zu versetzen, und zwar in eine tänzerisch-lebhafte. Die spätere Musikphase, der romantische Stil, kam in dem Werk auch nicht zu kurz. Lang gezogene, majestätisch klingende Streichertöne im zweiten Satz „Pavane“ lösten bei so manch Zuhörern ein Kopfkinoszenario von traumhaften Landschaftsbildern aus. Das Publikum applaudierte nach diesem Stück ganz besonders mit Bravo-Rufen.

Nach der Pause ging es weiter mit einer „Suite for string orchestra“, die eigentlich ihrem Namen keine Ehre macht. Denn Tanzsätze gibt es nicht. Die musikalische Ausgestaltung und die Form der späten klassischen und romantischen Sinfonie sind nicht zu überhören.

Der Komponist Frank Bridge (1879–1941) war wohl nicht mutig genug, das Stück als Streichersinfonie zu titulieren. Schließlich war er zu Lebzeiten kein sehr angesehener Musiker, der zudem gerne einmal harte Kritik übte. Doch diese Komposition hatte es den Zuhörern im Fürstensaal angetan: Es gab langen Beifall, die 23 Musiker verbeugten sich, wohl auch, um die Anstrengung des Stückes von den Schultern zu schütteln.

Dafür konnten sie sich mit „Serenade for Strings in E minor, Op. 20“ von Edward Elgar (1857 –1934) etwas entspannen. Eine Serenade ist ein suitenartiges Stück, das mehrere Sätze haben kann und eher unterhaltend ist. Die Zuhörer waren von dem Kontrastprogramm in der zweiten Hälfte begeistert und erklatschten sich eine Zugabe, die dem Abend ein fulminantes Ende gab.

Das ist auch ein Erfolg für den Gastdirigenten Michael Muche. Das Marburger Kammerorchester ist nämlich noch auf der Suche nach einem Dirigenten. Zuvor wirkte Muche schon beim Marburger Oktett mit, mit der musikalischen Leitung des Oratoriums „Jan Hus“.

von Jule Seibel

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Hier finden sie die Kommentare und Meinungen der Redakteure zu lokalen und weltpolitischen Themen sowie Glossen und augenzwinkernde Beträge. mehr