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Wunschkonzert mit Begemann

Entertainerim KFZ Wunschkonzert mit Begemann

„Das Jammern ist vorbei!“ konstatiert Bernd Begemann am Freitagabend vor etwa 50 Zuschauern im KFZ Marburg.

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Alte Hamburger Schule: Bernd Begemann machte im Kulturladen KFZ Station.Foto: Jan Bosch

Quelle: Jan Bosch - www.janbosch.de

Marburg. Der hyperaktive Musiker hat sich schon nach dem ersten Song das Jackett vom Leib gerissen und regt sich herrlich zynisch über Gott und die Welt auf. Dem Herzschmerz-Gejammer der aktuellen Generation von Singer-Songwritern kann er nicht so viel abgewinnen. Eigentlich nervt es ihn, wie so vieles.

Wie er dort kreuz und quer über die Bühne rennt, wirkt Begemann ein bisschen fahrig. Dass dabei auch die Klampfe direkt einen Abgang macht, passt dazu. Und die leichte, sturzbedingte Verstimmung des Instrumentes stört auch nicht weiter. „Ich erkläre diese Krise für beendet“, lässt er die Zuschauer wissen und präsentiert große Gefühlen, schöne Melodien. Begemann erklärt die Welt, naja, ein bisschen zumindest.

Mainstream ist der 50-Jährige in gar keinem Fall. Das kann er auch nicht, denn dafür singt er zu schief. Begemann schrammelt herrlich auf seiner Gitarre rum und begeistert seine Fans in feinster Manier der Hamburger Schule. Mit 60er-Jahre-Beat, Musical-Harmonien und traumhaft-unterirdischen Schlager-Chören, die sein Smartphone ausspuckt, untermalt er manche Stücke, zeichnet selbstironisch ein Bild der Gesellschaft. Zwischendurch schafft er es auch noch, eine Staffel „Lipstick Jungle“ unters Volk zu bringen - wo bekommt man sowas als Kon­zertbesucher schon geboten.

Nach kurzer Pause dreht Begemann dann richtig auf. Das angesagte Wunschkonzert kann losgehen. Aus einem Pool von über 20 Alben aus den letzten 26 Jahren schenkt er dem Publikum die Perlen, die sie hören wollen - manchmal aber auch nicht. Es geht um Sehnsucht und Schmerz, Politik und Weltrevolution jenseits der Stammtische. Zweimal 2. Wahl betrifft zum Glück nur Pärchen in Begemanns Gedanken, denn bei seinen Fans ist er die Erste. Gut ist, dass Begemann sich immer treu geblieben ist, schade nur, dass ihm im Gegensatz zu einigen seiner Kollegen der Hamburger Schule der große Durchbruch nie so richtig gelungen ist.

„Seht die letzten drei Songs schon als die Zugabe!“, mahnt er und verabschiedet sich nach drei unermüdlichen Stunden mit einem eleganten Hüftschwung zu King Floyds „Groove me“.

von Jan Bosch

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