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Witz, Tempo und ganz viel Aktion

Theatersommer: Cyrano de Bergerac Witz, Tempo und ganz viel Aktion

So schräg wie die Bühne vor dem Rathaus ist Jens Kerbels Inszenierung glücklicherweise nicht geraten.

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Cyrano (links, Daniel Sempf) kämpft um seine Roxane – und spielt mit Wortwitz seinem Konkurrenten in die Hand. Das Ensemble des Landestheaters feierte mit dem Stück vor atemberaubender Rathaus-Kulisse eine gelungene Premiere.

Quelle: Nadine Weigel

Marburg. Im Gegenteil, obwohl sie ein ganzes Stück länger als die angekündigten 90 Minuten dauerte, unterhielt sie das altersmäßig bunt gemischte Premierenpublikum bestens bei der als Open-Air-Spektakel angekündigten romantischen Komödie um den Meister der Fecht- sowie der Dichtkunst „Cyrano de Bergerac“. Viele Lacher, Szenenapplaus und am Ende begeisterten Beifall sowie Bravorufe erntete das Ensemble des Hessischen Landestheaters Marburg.

Insbesondere Daniel Sempf in der Rolle des Cyrano, aber auch seine Kontrahenten, vor allem Michael Köckritz als Graf de Guiche, leisteten dabei schauspielerisch wie konditionell Hervorragendes. Sempf kam sicher seine langjährige Kampfkunsterfahrung dabei zugute, sich in temporeichen Kampf- und Spielszenen gekonnt und überzeugend zu bewegen und sich dennoch nicht in den geistreichen Versen, die er gleichzeitig zum Ärger seiner Gegner von sich gab, zu verhaspeln.

Bereits zum sechsten Mal ist das Landesthater Hessen zu Gast im Herzen der Stadt. Mitten auf dem Markplatz ist Cyrano de Bergerac in diesem Jahr der Held der Freiluftbühne.

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Virtuos nutzte Cyrano die sparsam eingesetzten Bühnenrequisiten immer neu als Hindernisse, um de Guiche aufzuhalten, bis die zehnminütige Trauungszeremonie Roxanes mit Christian vollzogen war, und auch in anderen Szenen ging es nahezu artistisch zu.

Aber auch der Wortwitz der Übersetzung von Frank Günther kam gut an, sobald man sich etwas in die ungewohnte Versform eingehört hatte. Angemessen wirkte der konsequente Einsatz historischer, teils sehr prächtiger und auch komischer Kostüme vor der Kulisse des historischen Rathauses, das als Behausung Roxanes, zum Beispiel in der Balkonszene, ins Spiel eingebunden wurde. Auf eine Verlegung ins Hier und Heute verzichtet die Inszenierung, obwohl die zeitlose Thematik, sich von äußerlicher, aber geistloser Schönheit blenden zu lassen, dies ohne weiteres zugelassen hätte. Aber einige kleine, ironische Brechungen der Theaterillusion von der Zeit Ludwigs XIII. hat man sich erlaubt.

The Police durchbrechen die lllusion mit "Roxanne"

Spaß hatten die Zuschauer beispielsweise an der Begleiterin Roxanes (Julia Glasewald), die, während diese mit Cyrano sprach, am Bühnenrand zu warten hatte. Gelangweilt setzte sie sich die heute allgegenwärtigen übergroßen Kopfhörer auf, nur dass diese wie zu Schnecken gedrehte Zöpfe aussahen, und zappelte immer ekstatischer zu der wohl daraus erklingenden Musik herum. Oder als der schöne Baron Christian seinen ersten Versuch, Roxanes Herz mit eigenen, ungelenken Worten zu erreichen, gründlich vergeigt hatte und schließlich verzweifelt und unverkennbar die Refrainzeile aus dem Song „Roxanne“ von „The Police“ herausschrie. Angemessen und würdig geriet das tragische „Unhappy End“ der Komödie, die zu späte Erkenntnis Roxanes in der Stunde des Todes Cyranos, dass es Cyranos und nicht Christians Geist und Worte waren, welche sie geliebt hatte. Eine gelungene, witzig-unterhaltsame Darbietung, die bei den mehr als 400 Zuschauern hervorragend ankam und ihren Reiz auch aus dem besonderen Spielort bezieht.

von Manfred Schubert

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Die OP-Benefizvorstellung am Sonntagabend musste aufgrund von Unwetterwarnungen leider kurzfristig abgesagt werden. Sie wird am Mittwoch, den 8. Juni, nachgeholt. Mehr dazu lesen Sie auf Seite 3. Weitere Vorstellungen: 1., 2., 3., 4., 5., 7., 9., 10., 11. Juni jeweils 21 Uhr, 12. Juni 19 Uhr auf dem Marktplatz.
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