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Wirbelnde Körper in der Waggonhalle

Mindloops Wirbelnde Körper in der Waggonhalle

Atemberaubend im wahrsten Sinne des Wortes war für so manchen Zuschauer die temporeiche Show, die Absolventen der Staatlichen Artistenschule Berlin unter dem Titel „Mindloops“ in der Waggonhalle auf die Bühne brachten.

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Die Absolventen der Staatlichen Artistenschule Berlin 2013 machten mit ihrer Show „Mindloops“ Station in der Marburger Waggonhalle: Katharina Huber bot Artistik im Lufnetz (oben), Malte Strunk tanzte mit Diabolos (links), Akrobatik auf einem Mast präsentierte Ihor Yakymenko.Fotos: Schubert

Quelle: Manfred Schubert

Marburg. „Ich bin fix und fertig“, meinte eine Frau am Ende der Show und strahlte dabei über das ganze Gesicht. Sie gehörte nicht zu den neun jungen Artistinnen und Artisten, die zwei Stunden lang über die Bühne der Waggonhalle gewirbelt waren. Es war eine Zuschauerin, die ständig mitgefiebert hatte, zusammengezuckt war, wenn einer der jungen Künstler seinen Partner nach einem Kopfsprung nur Zentimeter über dem Boden aufgefangen hatte oder ein blitzschnell herumgeschleuderter Diabolo scheinbar ins Publikum entweichen wollte und deren Arme über das ständige begeisterte Applaudieren zu erlahmen drohten.

Es war eine wunderbare, mitreißende, temporeiche und stellenweise auch sehr witzige Show, welche die diesjährigen Absolventen der Staatlichen Artistenschule Berlin am Montag- und am Dienstagabend in Marburg präsentierten. Drei junge Frauen und sechs junge Männer zeigten in Spielszenen sowie Einzel- und Duo-Auftritten ihr Können in verschiedenen Spielarten der Artistik. Handstand-Equilibristik am Boden oder auf einem alten, wuchtigen Sessel, elegante Bewegungen extrem beweglicher weiblicher Körper im Luft-Netz oder im Cyr Wheel, einem am Boden ähnlich dem Rhönrad benutzten Reifen, der aber auch an einem Seil in die Höhe gezogen zum Einsatz kam.

Schwungakrobatik an einem selbst entworfenen, vierseitigen schmalen Reck sowie Handstand- und Mast-Akrobatik an einem ebenfalls von dem jungen Artisten selbst entwickelten Requisit. Allein sowie im Duo wurden Diabolos durch die Luft gewirbelt und unzählige hüpfende Bälle zugleich in Bewegung gehalten.

Zum Teil sehr witzig waren die Spielszenen, die den Trainings-Trott der Akrobaten, aber auch für junge Leute im allgemeinen gültige Themen wie Liebe, moderne Technik, Partyleben und Konfliktbewältigung darstellten. Den Artisten, der Regie und Choreographie gelang das Kunststück, auch kleine gesellschaftskritische Denkanstöße zu Problemen wie Mobbing oder Dauergesimse statt echter Kontakte auf locker-unterhaltsame Weise mit einzubauen.

Dem Publikum schenkten die jungen Akrobaten Staunen über das, was menschliche Leiber mit scheinbarer Leichtigkeit zu leisten vermögen und eine Vorstellung von dem, wie Jahrhunderte alte Körperkunst ihren Platz im 21. Jahrhundert behaupten kann. Und machten Appetit auf mehr. Gelegenheit dazu bietet der 14. Marburger Varietésommer, zu dem „Mindloops“ den Auftakt bildete und der am 29. August um 20 Uhr in der Waggonhalle Premiere feiern wird.

von Manfred Schubert

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