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„Wir schmeißen Rock-’n’-Roll-Partys“

Interview mit Gitarrist Joe Perry „Wir schmeißen Rock-’n’-Roll-Partys“

Mit Aerosmith hat er 
sich bereits unsterblich gemacht, jetzt startet er an der Seite von Schockrocker Alice Cooper und Filmstar Johnny Depp durch: Joe Perry kommt mit den Hollywood Vampires zum Hessentag.

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Johnny Depp (von links), Joe Perry and Alice Cooper kommen mit ihrer Band „Hollywood Vampires“ am 29. Mai zum Hessentag in Herborn.

Quelle: Paul Buck

Herborn. Für das Konzert der Hollywood Vampires auf dem Herborner Hessentag am Sonntag, 29. Mai, gibt es zurzeit nur noch wenige Tickets – kein Wunder, denn neben „Fluch-der-Karibik“-Star Depp stehen rund 300 Jahre Rock-’n’-Roll-Geschichte auf der Bühne:

Neben Joe Perry und Alice Cooper sind unter anderem auch Drummer Matt Sorum und Bassist Duff Mac-
Kagan mit von der Partie – die legendäre Rhythmusfraktion der Guns’n’Roses.

Der Vampires-Song „My dead 
drunk friends“ ist ein überdeutlicher Fingerzeig auf die Ausrichtung der Allstars-Band: Die in die Jahre gekommenen Rocker verbeugen sich vor allen Kollegen, die im harten Geschäft unter die Räder gekommen sind. Die OP sprach mit Joe Perry über Exzesse der Vergangenheit und Pläne für die Zukunft.

OP: Wie weit sind die Hollywood Vampires für euch eine Spaß- und Partykapelle, wie ernst nehmt ihr das Projekt?
Joe Perry: Na ja, mit dem Party­machen verdienen wir ja unser Geld. Also, ich meine, wir schmeißen laute Rock-’n’-Roll-Partys für unsere Fans. Aber das nehmen wir sehr, sehr ernst.

OP:  Ist eure wilde Zeit mit all 
ihren Exzessen der gemeinsame Nenner, der euch zusammenbrachte, oder kanntet ihr euch sowieso?
Perry: Alice Cooper und ich kennen uns seit 30 Jahren, haben immer wieder zusammen gespielt und aufgenommen. Vor fünf Jahren haben wir gesagt: Jetzt machen wir endlich ein Album. Alice und Johnny Depp drehten zu der Zeit in London einen Film, und als sie mich 
anriefen, war ich gerade damit beschäftigt, an meiner Autobiografie zu schreiben. Und dann haben wir tagelang im Studio zusammengearbeitet – das Ergebnis kennst du.

OP:  Wie kommt es, dass so viele Schauspieler Rockmusik machen, wenn sie nicht gerade vor der Kamera stehen?
Perry: Ach, das sind ja beileibe nicht nur Schauspieler, die sich die Gitarre umhängen, die Liste ist viel länger. 
 Vor ein paar Jahren habe ich im Wembley Stadion gespielt, und wer rockte da auf einmal auf der After-Show-Party mit seiner Band? Tennis-Legende John McEnroe. Es sind die Filmleute, die Entertainer, die Topmanager, die Spitzensportler – besuch sie zuhause oder in ihrem Büro, und du kannst sicher sein, dass da ein paar Gitarren rumstehen.

OP:  Ist Johnny Depp als Schauspieler besser oder als Gitarrist?
Perry: Sagen wir’s mal so: Ich hatte das Glück, Johnny Depp am Set zuzusehen. Er ist ein wirklicher Künstler, der vor der Kamera alles aus sich und seinem Talent herausholt. Aber er ist auch ein sehr talentierter Maler, ein Dichter und eben ein Gitarrist. Was immer er macht: Er gibt alles.

OP:  Eine Antwort aus der Diplomatenschule …
Perry: Vielleicht. Aber so ist es nun mal.

OP:  Nach so vielen Jahren auf Tour: Interessierst du dich noch dafür, wo du gerade bist? Sagt dir Herborn etwas?
Perry: Herborn? Nein. Wo ist denn das ungefähr?

OP:  Nicht allzu weit weg von Frankfurt …
Perry : Oh klar, Frankfurt kenne ich, da gibt’s ein paar 
Läden, in denen ich früher rumhing, wenn wir in Deutschland waren.

OP:  Wie viel wüstes Tourleben gönnt ihr euch noch – jede Nacht Party, bis die Sonne aufgeht, oder nach der letzten Zugabe mit einem Kamillentee ins Bett?
Perry: Wenn ich das nur wüsste … Das ist jetzt eine ganz neue Situation. Ganz anders, als mit Aerosmith zu touren. Da sind zum Teil unsere Familien mit unterwegs, da geht’s ziemlich ruhig zu. Aber jetzt? Mit Alice, Johnny und den anderen Jungs? Ich tippe eher darauf, dass es schon die eine oder andere Party gibt, wenn wir von der Bühne kommen.

OP:  Im Herbst bist du wieder mit Aerosmith unterwegs. Man hört, dass sich die Toxic Twins Joe Perry und Steven Tyler gerade mal wieder ein wenig in den Haaren haben.
Perry: Ach was, alles bestens. Jede kleine Meinungsverschiedenheit zwischen uns beiden wird unnötig aufgebauscht. Nach 40 gemeinsamen Jahren ist das so eine ziemlich enge, familiäre Beziehung, da knirscht es schon mal. Aber wir geben unser Bestes auf der Bühne, die Band klingt besser denn je, und das liegt letztlich auch daran, dass Steven und ich unsere eigenen Projekte verfolgen. Das macht ihn zu einem besseren Sänger und mich hoffentlich zu einem besseren Gitarristen.

von Carsten Beckmann

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