Volltextsuche über das Angebot:

18 ° / 11 ° wolkig

Navigation:
Willkommen in der Alltags-Wunderwelt

Schüler spielen Unter dem Milchwald Willkommen in der Alltags-Wunderwelt

Stürmischen Beifall gab es am Donnerstagabend bei der Premiere von „Unter dem Milchwald“. Die Theatergruppen von Blista und Elisabethschule lieferten eine grandiose Aufführung des Stückes von Dylan Thomas.

Marburg. Es ist Nacht. Es ist finster. Alles schläft. Die Bewohner des Fischerdorfes Llareggub liegen in ihren Betten und träumen: Der blinde Kapitän von seinen Kameraden, die Schneiderin von ihrem Angebeteten, die Witwe von ihren verstorbenen Männern. „Unter dem Milchwald“ spielt in einem kleinen Dorf und erzählt von einem einzigen, ganz normalen Tag. Nacht, Morgen, Mittag, Abend, mehr nicht. Es gibt keine Handlung, dafür aber ein Feuerwerk von Szenen, witzig, absurd, poetisch, verrückt. Und es gibt auch keine Charaktere, sondern nur die Bewohner von Llareggub, alle ziemlich merkwürdig, alle ziemlich schräg.

Die Nachwuchsschauspieler der beiden Theatergruppen, Sehende und Nichtsehende, haben aus dem genialen, sprachgewaltigen Stück von Dylan Thomas einen lebensprallen, kurzweiligen, amüsanten Abend, ja einfach großartiges Theater gemacht. Und das lag zu allererst an der hervorragenden schauspielerischen Leistung der jungen Darstellerinnen und Darsteller. Mit viel Energie und Spielfreude erweckten sie die Figuren zum Leben, mit Humor und Liebe zum Detail ließen sie die ganze Sammlung an skurrilen Typen lebendig werden.

Zum Gelingen des Stückes trug auch die phantasievolle, vielschichtige und verspielte Inszenierung unter der Regie von Karin Winkelsträter bei. Sie brachte einen wahren Kosmos von Geschichten, Stimmen, Geräuschen und Klängen auf die Bühne und ließ so eine atmosphärisch dichte Alltags-Wunderwelt entstehen. Da rauschte der Wind, da blubberte das Meer, da raschelte das Laub, da gackerten die Hühner und schnatterten die Tratschweiber. So war das Stück auch ein tolles, sehr unterhaltsames Hörerlebnis.

Am Schluss der turbulenten Premiere am Donnerstag waren die Zuschauer in der ausverkauften Waggonhalle restlos begeistert und applaudierten minutenlang. Und nicht nur im Publikum, auch bei den Darstellern sah man nur strahlende Gesichter.

Das Theaterprojekt der Blista und der Elisabethschule startete Anfang des Schuljahres 2012/2013. Das Ziel der 27 Schülerinnen und Schüler im Alter von 16 bis 23 Jahren war vor allem, die Kooperation zwischen gleichaltrigen und doch sehr verschiedenen Jugendlichen zu fördern. Das Zauberwort „Inklusion“ sollte mit Leben gefüllt werden. Acht Monate lang wurde viel Musik gemacht, gesungen, getanzt, gelacht und vor allem geprobt.

Der Schriftsteller Dylan Thomas (1914-1953) wuchs in der armen, walisischen Stadt Swansea auf und lebte lange in der Kleinstadt Laugharne, die auch Vorbild für das Theaterstück war. Thomas schrieb Gedichte, Essays, Drehbücher und Erzählungen, sein einziges Stück „Under Mild Wood“ ist sein erfolgreichstes Werk. Es wurde 1953 als Bühnenlesung uraufgeführt, später dann verfilmt. Mit nur 39 Jahren starb Dylan Thomas an den Folgen seiner Alkoholsucht.

Weitere Spieltermine von „Unter dem Milchwald“ sind: Samstag, 13. April, 20 Uhr und Sonntag, 14. April, 18 Uhr in der Waggonhalle.

von Bettina Preussner

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Kultur

Hier finden sie die Kommentare und Meinungen der Redakteure zu lokalen und weltpolitischen Themen sowie Glossen und augenzwinkernde Beträge. mehr