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Wilder Ritt: eine Revolte gegen das Jazz-Establishment

„Mostly Other People Do The Killing“ im KFZ Wilder Ritt: eine Revolte gegen das Jazz-Establishment

Das Winterprogramm der Jazz-Initiative Marburg (JIM) begann mit einem Auftritt der amerikanischen Jazz-Band „Mostly Other People Do the Killing“ (kurz: MOPDtK). Die vier Ausnahmemusiker haben sich dem Creative Jazz verschrieben und verzückten das KFZ-Publikum mit ihrer ironischen Perfomance.

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„Mostly Other People Do The Killing“ bot im Kulturladen KFZ höchst extravaganten Jazz.

Quelle: Jouka Röhm

Marburg. Die vier Herren in feinem Zwirn – Thomas „Moppa“ Elliott (Bass), Jon Irabagon (Saxofon), Kevin Shea (Schlagzeug) und Ron Stabinsky (Klavier) – spielen von Elliott geschriebene Stücke, die immer wieder bekannte Jazz-Themen aufnehmen. Die Lieder des neuen Albums „Mauch Chunk“ hat Bassist Elliott wieder nach Städten seines Heimatstaates Pennsylvania benannt:

Der Song „Mauch Chunk is Jim Thorpe“ bezieht sich auf die Gemeinde Mauch Chunk, die sich in den 50er Jahren nach dem amerikanischen Sporthelden Jim Thorpe benannte. Mit dem Song begann die Band den Abend, der im Zeichen eines höchst extravaganten Jazz stand: Schlagzeuger Kevin Shea war mit seinem ruhelos-abwechslungsreichen Spiel alles andere als eine brave Taktmaschine.

Pianist Ron Stabinksy nutzte gerne mal das ganze Handgelenk zum Tasten-Drücken und zupfte später am Abend direkt an den Saiten des Flügels, statt sich der Tastatur zu bedienen. Band-Leader und Ansager „Moppa“ Elliott bearbeitete den Kontrabass, Jon Irabagon spielte mal ohne Mundstück, klapperte mit den Ventilen und baute in sein Spiel gerne mal die eine oder andere Jazz-Standard-Melodie ein.

Marburger Jazz-Prominenz begeistert

Mit ihren neuen Songs zeigten die Musiker, was Creative Jazz ist: Im Rahmen notierter Songs geht jeder Musiker mit seinem Instrument an die Grenze von dessen Möglichkeiten und fordert das Publikum mit der teilweise entstehenden Kakophonie geradezu heraus: Ist das noch Jazz oder kann das weg?

Die Musiker hatten sichtlich Spaß an diesem Grenzgang, immer wieder brach auf der Bühne das Grinsen aus. Und auch die Marburger Jazz-Prominenz vor der Bühne wusste den Auftritt der Künstler zu schätzen. Für Furore sorgten MOPDtK letztes Jahr, als die Band die Miles-Davis-Platte „Kind of Blue“ Ton für Ton nachspielte und auf der Platte „Blue“ veröffentlichte, was die Kritiker empörte:

So fragte Stefan Hentz – Kultur-Autor der Wochenzeitung „Die Zeit“ - damals: „Darf man das überhaupt?“ Mit ihrer (selbst-)ironischen Performance wandeln die vier Musiker dagegen auf den ursprünglichen Jazz-Pfaden: der Revolte gegen das Establishment. Das Marburger Publikum verabschiedete die Band mit viel Applaus. „Die Musik hat mich richtig mitgenommen, ich habe während des Konzerts alles andere um mich herum vergessen“, lautete eine faszinierte Stimme am Ende des wilden Jazz-Ritts.

von Jouka Röhm

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