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Wie ein Weltreich auseinanderfällt

Gisbert Haefs Alexander-Trilogie Wie ein Weltreich auseinanderfällt

In seinem historischen Roman „Alexanders Erben“ analysiert der Schriftsteller Gisbert Haefs, welche Prozesse beim Zerfall eines Riesenreichs ablaufen können.

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Der Autor Gisbert Haefs hat den letzten Teil seiner Alexander-Trilogie vorgelegt.Foto: Meyer Originals

Quelle: ©MEYER ORIGINALS

Marburg. Gisbert Haefs hat in seinen historischen Romanen zahlreiche Herrscher der Antike wie Hannibal und Caesar in den Fokus gestellt. Gleich in zwei erfolgreichen Büchern widmete er sich Alexander dem Großen. Dabei bürstete er die Geschichte stets gegen den Strich und erzählte das Geschehen in den Schlachten und bei politischen Ränkespielen stets aus neuen, unerwarteten Perspektiven.

So ist es auch im jetzt erschienenen letzten Teil seiner „Alexander“-Trilogie“, die nach dem Tod Alexanders beginnt. Von der Donau bis zur Adria, vom Nil bis zum Indus: Dies sind die gewaltigen Ausmaße des Riesenreichs, das Alexander der Große bei seinem Tod im Jahr 323 vor Christi Geburt hinterlässt. Doch wer hat die Größe, in die Fußstapfen des als „Gottkönig“ bezeichneten strahlenden Herrschers zu schlüpfen und alle Fäden zusammenzuhalten? Seine Verwandten, die hohen Offiziere und die Provinzverwalter beginnen einen blutigen Kampf um die „Krone“. Alexanders letzte Frau Roxane und seine Geliebte Barsine bringen Thronfolger zur Welt, die aber noch zu jung und schwach zum Regieren sind. Auch Alexanders immer noch machtbesessene Mutter Olympias mischt mit im Spiel um die Macht.

Einige möchten das Reich bewahren, die übrigen möchten ein möglichst großes Stück des „Kuchens“ für sich selbst. Gisbert Haefs zeigt in „Alexanders Erben“ ­idealtyisch die Sollbruchstellen beim Niedergang einer Dynastie. Denn die Mechanismen, die aufgrund der überragenden Persönlichkeit eines Herrschers das Imperium zusammengehalten haben, greifen nicht mehr. Es fällt wie ein Kartenhaus in sich zusammen, weil es keinen adäquaten Nachfolger gibt. Neid und Missgunst prägen die Gefechte der Hinterbliebenen. Wie es bei diesem Hauen und Stechen zugeht, das kann man übrigens so ähnlich auch auf die Probleme beim Zerfall großer Firmendynastien in Geschichte und Gegenwart übertragen. Doch im Mittelpunkt des Romans von Gisbert Haefs stehen nicht die „großen Männer“, sondern spezielle Persönlichkeiten, die er in dichterischer Freiheit zu den historisch verbürgten Heerführern und Fürsten hinzuerfunden hat: Der junge Offizier Peukestas sucht seinen Vater und will die Geschichte Alexanders und seiner Dynastie niederschreiben. Der Musiker Dymas hat die großen Zeiten Alexanders und der Seinen noch miterlebt und als Chronist besungen. Er begibt sich auf eine Reise an den „Rand der Welt“. Jedoch wird er auf eine Sklavengaleere verschleppt und muss ums Überleben kämpfen.

Auch zwei junge Frauen spielen als „Heldinnen des Alltags“ eine wichtige Rolle in dem Buch „Alexanders Erben“: Kassandra will eigentlich nur mit dem Boot ihres ermordeten Vaters zum Fischen ausfahren und gerät dabei fast zwischen die Mühlräder der Geschichte. Die Steppenkriegerin Tomyris sucht den heiligen Dolch ihres Volkes, den einer von Alexanders Männern erbeutet hatte und der sie zur Fürstin machen könnte.

Alle diese Protagonisten eint, dass sie Außenseiter der Gesellschaft sind. Sie schaffen es aber, sich in den schwierigen Zeitumständen eines zusammengebrochenen Weltreichs mit Zähigkeit und Raffinesse zu behaupten. Wie das geschieht, das beschreibt Gisbert Haefs sehr anregend, anrührend und lebendig. Mit großer Erzählkunst verknüpft er die einzelnen Schicksale und führt sie zu einem überraschenden Ende zusammen.

Gisbert Haefs: „Alexanders Erben“, Heyne Verlag, 400 Seiten, 19,99 Euro.

von Manfred Hitzeroth

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