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Wie „Kill Bill“ auf LSD

Premiere am Landestheater Wie „Kill Bill“ auf LSD

Puh. Ein heftiges Stück Theater ist seit Freitagabend am Hessischen Landestheater zu sehen: „Der Leutnant von Inishmore“ des in London lebenden Iren Martin McDonagh führt die Zuschauer in eine Welt, in der Gewalt ein ganz normales Mittel der menschlichen Kommunikation ist.

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Autor Marty (Nico Köhler, von links) plaudert mit den Hundedieben Billy (Shari Gerbode) und Hans (Philip Lütgenau).

Quelle: Merit Engelke

Marburg. Aufgeführt wird die „Terror-Komödie“, wie das Stück von der „Berliner Zeitung“ bezeichnet wurde, vom „Theaterlabor“ des Landestheaters - also von Laienschauspielern, die mit großem Engagement bei der Sache sind. Unter der Regie der beiden Marburger Schauspielerinnen Lisa-Marie Gerl und Victoria Schmidt haben 15 junge Erwachsene die rabenschwarze Komödie einstudiert, die mit ihrem lakonischen Duktus Assoziationen an Filme des Starregisseurs Quentin Tarantino wie etwa das Rache-Drama „Kill Bill“ weckt. Unterstützt wird dies von der Regie, die die Geschichte in kurzen Szenen vorantreibt.

Gespielt wird in der Black Box im Theater am Schwanhof. Das Publikum sitzt nah der Spielfläche, ein Teil sogar mittendrin. Auf den Boden sind Umrisse menschlicher Körper gemalt, die bald gefüllt werden.

Jede handelnde Figur hat Dreck am Stecken

Pedraic (Henning Bakker) etwa ist ein IRA-Killer, der beim Foltern von der Nachricht gestört wird, dass seine heißgeliebte Katze erkrankt ist. Er bricht sofort auf in seine Heimat Inishmore. Wer glaubt, Pedraic sei der einzige Psychopath in diesem Stück, der wird bald belehrt. Das verlassene Kaff Inishmore ist so etwas wie der Vorhof der Hölle: Jede handelnde Figur hat Dreck am Stecken.

Billy (Shari Gerbode) klaut Hunde, teilt das von den Besitzern erpresste Geld mit Hans (Philip Lütgenau) und berät den Schriftsteller Marty (Nico Köhler), der an einem Stück mit dem Titel „9 Psychos“ arbeitet und feststellt: Er ist umgeben von Psychos, die wie er saufen oder sich Trips einwerfen und ohne mit der Wimper zu zucken reihenweise Menschen wegen einer verschwundenen Katze oder eines verschwundenen Hundes umlegen.

Weil das ganze so überdreht und gleichzeitig so beiläufig daherkommt und die Darsteller mit roten Wasserspritzpistolen ballern, ist die Inszenierung über weite Strecken ein grell-absurder, tiefschwarzer Spaß. Die Motive der mörderischen Akteure bleiben aber im Dunkeln.

Das Stück ist am 6. und 8. Mai um 19.30 Uhr wieder zu sehen.

von Uwe Badouin

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