Volltextsuche über das Angebot:

7 ° / 3 ° Regenschauer

Navigation:
Wettrennen elterlicher Eitelkeiten

Kino: „Frau Müller muss weg!“ Wettrennen elterlicher Eitelkeiten

Willkommen beim Wettrennen der Eitelkeiten. Der Druck, es aufs Gymnasium zu schaffen, ist immens und treibt irrwitzige Blüten. Denn an schlechten Noten ist nur die Lehrerin schuld.

Voriger Artikel
Abenteuer und Lacher mit Pupsen
Nächster Artikel
Zweiter Mørck-Krimi kommt ins Kino

Die überkritischen Eltern Patrick (Ken Duken), Wolf (Justus von Dohnanyi, Marina (Mina Tander), Jessica (Anke Engelke) und Katja (Alwara Höfels) sagen: „Frau Müller muss weg!“

Quelle: Constantin Film

Marburg. Der Übertritt ans Gymnasium – bei vielen Familien beherrscht dieser Gedanke derzeit den Alltag. Denn ob ein Kind diesen Wechsel schafft, ist nach Ansicht vieler Eltern richtungsweisend für sein ganzes späteres Leben. Sönke Wortmann bringt dazu den passenden Film ins Kino: „Frau Müller muss weg!“ Eine Gruppe engagierter Mütter und Väter aus Dresden (darunter Justus von Dohnányi und Anke Engelke) will die Lehrerin bei einem Elternabend auffordern, ihre Klasse abzugeben. Ihre Begründung: Frau Müller sei überfordert, vergebe zu schlechte Noten und verbaue den Zehnjährigen so Zukunft, Karriere und Lebensglück.

Im leeren Klassenzimmer warten fünf Eltern auf die Lehrerin. Bis Frau Müller endlich kommt, bringen sie sich mit Lästereien und Gerüchten über die Klassenleiterin in Fahrt. „Wer auf dem falschen Posten sitzt, fliegt“, findet der arbeitslose Wolf (von Dohnányi), dessen Tochter für ihn zu Höherem berufen ist – („Leistungsschwach ist nicht das richtige Wort für Janine“). Karrierefrau Jessica (Engelke) erklärt: „Ich bin hier heute angetreten, weil ich Laura auf dem Gymnasium haben will, alles andere ist mir scheißegal.“

Frau Müller (Gabriela Maria Schmeide) selbst ist erst gelassen, dann zutiefst verletzt: „Fassen Sie sich gefälligst an Ihre eigenen Nasen, bevor Sie mich für Ihre Fehler verantwortlich machen.“ Auch sie ist nicht fehlerfrei und lässt sich zu einem unschönen Wutausbruch hinreißen. Trotzdem weckt der Film Sympathie für Frau Müller, deren pädagogisches Konzept permanent infrage gestellt wird und die mit Drohungen gefügig gemacht werden soll.

Bitterböses Kammerspiel spielt mit Vorurteilen

Der Film zeigt das Wettrennen der elterlichen Eitelkeiten, das mit der Geburt beginnt. Im Kindergarten: Wer schreibt schon seinen Namen oder kann sogar lesen? Bei so viel Ehrgeiz geht nur Gymnasium, ganz klar. So ist es auch im Film, der nach allerlei Allianzen und Sticheleien in einem grandiosen Kampf der Eltern gipfelt, bei dem alle endlich ihr wahres Gesicht zeigen.

Vorlage des Films ist ein Theaterstück von Lutz Hübner, das Wortmann schon 2012 am Grips-Theater Berlin inszeniert hat. Für das Kino macht er daraus ein bitterböses Kammerspiel, eingebettet in die Vorurteile zwischen Ossis und Wessis, die 25 Jahre nach der Wiedervereinigung immer noch präsent sind.

Gekonnt spielt der Film mit Klischees und zeigt den erbarmungslosen Egoismus von Eltern. Er führt vor Augen, wie wankelmütig Koalitionen sein können, wenn sie im Eifer des Gefechts geschlossen werden. Sobald sich der Wind dreht, sind alle plötzlich wieder ganz anderer Meinung, ist Frau Müller vielleicht doch ganz gut. Oder doch nicht? Gut, dass auch die Eltern manchmal Farbe bekennen, so wie die überehrgeizige Jessica: „Kinder nerven, das ist nun mal so. Oder sieht das hier irgendjemand anders?“

  • Der Film läuft im Cineplex.

von Cordula Dieckmann

 

„Frau Müller muss weg!" erhielt von den Besuchern der OP-Schnupper-Premiere im Cineplex das Prädikat:
sehenswert
mit der Note 3,21 (Bestnote ist 4,0)

Zuschauermeinungen:
„Treffend. Der Elternwelt den Spiegel vorgehalten. Schöne Situationskomik.“
  Anja Fülling (38) aus Rauschenberg

„Gelungene Darstellung des Beziehungsgeflechts Schule – Eltern – Kinder. Oft sehr witzig, aber auch nachdenkenswert.“
  Petra Zimmer (58) aus Stadtallendorf

„Klischeebehaftet, aber trotz allem gute Unterhaltung. Wem ‚Gott des Gemetzels‘ gefallen hat, könnte auch diesen Film mögen.“
  Kristina Löwen (24) aus Marburg

„Herrlich-spritzige Komödie. Da freue ich mich auf die eigenen Elternabende.“
  Christoph Reissner (20) aus Marburg

Meinungen aus der Sneak:
„Super witzig und ideal für angehende Lehrer.“
Julia Kannengießer (25) aus Marburg

„Überraschend gut. Doch da es nur im Klassenraum gespielt hat, wurde es sehr eintönig.“
Viktor Eckhardt (19) aus Marburg

Die Gewinner:
Je zwei Freikarten gehen an: Ellen Prinz, Anja Reichelt, Jens Reinhard, Stephie Borufka und Günter Wenning sowie Johanna Sperlea, Julia Kannengießer, Jonathan Schulz, Max Heubold und Marco Schmidt. Die Karten werden zugeschickt.

Die OP-Hitparade:
1. Tribute von Panem – Mockinjay 1 (3,49)
5. Frau Müller muss weg! (3,21)

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Hier finden sie die Kommentare und Meinungen der Redakteure zu lokalen und weltpolitischen Themen sowie Glossen und augenzwinkernde Beträge. mehr