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Western zwischen Gewalt und Poesie

Kinostart: „Slow West“ Western zwischen Gewalt und Poesie

Pferde, Cowboys und Indianer: „Slow West“ vereint alles, was zu einem klassischen Western gehört. Allerdings ohne Klischees, stattdessen zeigt John Maclean die ungeschönte Realität.

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Jay Cavendish (Kodi Smit-McPhee, links) und Silas Selleck (Michael Fassbender) sind gemeinsam auf dem langen Weg nach Westen.

Quelle: Prokino Filmverleih

Und die bestand für viele Siedler um 1870 aus Gefahr und täglichem Überlebenskampf. Ein naiver schottischer Adelsspross, der den Atlantik überquert, um im amerikanischen Westen seine große Liebe zu finden, wird mit der harten Realität aus Kriminalität, Gewalt und Tod konfrontiert.

Kodi Smit-McPhee, bekannt aus „Planet der Affen: Revolution“, spielt den verzärtelten Jay, der völlig unvorbereitet auf Cowboys, Indianer und Vagabunden trifft. Ohne den geheimnisvollen Kopfgeldjäger Silas wäre er in dieser Wildnis verloren. Der wird beeindruckend gespielt von Michael Fassbender. „Slow West“ von Regisseur John Maclean vereint viele Elemente klassischer Western-Filme, verzichtet aber auf romantische Cowboy-Klischees.

Sein Westen ist wild und gefährlich und beraubt den ahnungslosen Neuankömmling jeder Illusion. Wenngleich von berühmten Western etwa von Sergio Leone („Spiel mir das Lied vom Tod“) inspiriert, wollte Maclean dennoch in seinem Kinodebüt einen Gegenentwurf dazu schaffen. Sein Vorbild: Robert Altmans Anti-Western „McCabe & Mrs. Miller“, mit dem sich Julie Christie 1972 eine Oscar-Nominierung erspielt hatte.

Ähnlich wie Altman versucht auch Maclean, mit dem Mythos vom Land der unbegrenzten Möglichkeiten aufzuräumen, der viele Menschen im 19. Jahrhundert aus Europa nach Amerika trieb. „Den Leuten wurden Träume verkauft“, sagt der Regisseur. „Es hieß, geht dorthin, das ist das Land des Ruhms und des Überflusses.“ Die Realität: Wer nicht schon auf der Schiffsüberfahrt krank wurde, kam erst in Quarantäne und zog schließlich einfach los, Richtung Westen. Ohne eine Ahnung, dass der Kampf ums Überleben dort erst richtig beginnen würde.

Es wird viel gestorben: Cowboys, Siedler, Indianer

So auch Jay, der im Jahr 1870 mit nichts aufbricht als mit seiner Liebe zu Rose, die zum Kummer seiner adligen Familie nicht standesgemäß ist. Statt mit wachen Sinnen auf Gefahren zu achten, verliert er sich in romantischen Träumereien, poetischen Ergüssen und Gutgläubigkeit. Ein linkischer, etwas altkluger Jüngling, der nicht mal weiß, wie man sich rasiert, und der im harten Alltag völlig fehl am Platz ist. Einer seiner Verfolger ist der skrupellose Payne (Ben Mendelsohn), der ihm mit seiner Bande auf den Fersen ist.

Doch Jay ist felsenfest überzeugt: „Leben ist mehr als Überleben.“ Darauf Silas, sein Beschützer wider Willen: „Ja, es ist auch Sterben.“ Gestorben wird in „Slow West“ zuhauf: Cowboys, Siedler und Indianer. Vor allem der Hinweis auf die Indianer war Maclean wichtig. „Es wäre unmöglich gewesen, einen Western zu drehen, ohne die Zerstörung der Ureinwohner Amerikas zu erwähnen“, erklärt der Regisseur. Das ist auch eines der ersten Schockerlebnisse für Jay, als er die Reste eines niedergebrannten Indianerdorfes vorfindet.

Doch das ist noch gar nichts im Vergleich zu dem albtraumartigen Geschehen, mit dem er am Ende des Films konfrontiert wird. Maclean, der eigentlich Musiker ist und Gründungsmitglied der schottischen Gruppe The Beta Band, hat mit „Slow West“ einen klug erzählten Western inszeniert. Auf wunderbare Art vereint das in Neuseeland gedrehte Kinodebüt Spannung, Poesie und schrägen Humor und beeindruckt nicht zuletzt durch die wunderschönen Bilder des Kameramanns Robbie Ryan.

  • Der Film läuft ab Donnerstag, 30. Juli, im Filmtheater am Steinweg.

von Cordula Dieckmann

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