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Westberlin als Tollhaus der Freaks

Kinostart: „Tod den Hippies!! Es lebe der Punk!“ Westberlin als Tollhaus der Freaks

Anfang der 1980er Jahre erlebt der junge Robert das ausgeflippte Westberlin als Ort der Befreiung. Oskar Roehlers neuer Film ist plakativ, aber unterhaltsam – und hat exzellente Darsteller.

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Die Musiker Blixa Bargeld (Alexander Scheer, von links) und Nick Cave (Marc Hosemann) waren Punk-Größen im Berlin der 80er Jahre. Robert (Tom Schilling) lernt sie kennen.

Quelle: X-Verleih

Marburg. „Ich fühl‘ mich gut, ich steh auf Berlin“, sang die Neue-Deutsche-Welle-Band Ideal Anfang der 1980er Jahre. Damals war die Mauerstadt das Eldorado der Ausgeflippten und Unangepassten. Neuerdings wird der Mythos des alten Westberlin wieder neu beschworen, vor einiger Zeit sogar von Popstar David Bowie in wehmütigen Songs.

Auch der deutsche Regisseur Oskar Roehler blickt nun zurück – ist aber kein Mann für zarte Nuancen. In seiner neuen, autobiografisch gefärbten Groteske „Tod den Hippies!! Es lebe der Punk!“ kehrt das Westberlin der 1980er Jahre als Tollhaus der Freaks und Spinner zurück. Roehlers Protagonist Robert (Tom Schilling), ein ruppiger Punk aus der Provinz, erlebt die vor sich hin dämmernde Stadt als Ort der Befreiung: „Ich bin jung. Ich will ficken und Drogen nehmen.“

Regisseur will anecken und böse sein

Sein Kumpel Schwarz (Wilson Gonzalez Ochsenknecht) besorgt Robert einen Putzjob in einer Peep-Show. Unappetitliche Sache, aber die Mädels sind süß. Zwischendurch geht‘s zum Sozialamt, Geld vom Staat abholen. Der Junge haust in einem engen Loch unter dem Dach, verliebt sich in die flippige Sanja (Emilia Schüle). Im „Risiko“, der Bar von Blixa Bargeld (Alexander Scheer), fließt der Wodka literweise. Einen schwulen Nazi (Frederick Lau) gibt es auch noch.

Kurzweilig und stellenweise sehr komisch ist Roehlers überdrehte Fortschreibung seiner Nachkriegs-Saga „Quellen des Lebens“ (2013) auf alle Fälle geraten. Er möchte anecken, böse und geschmacklos sein, produziert aber auch Leerlauf, weil die Aufsässigkeit bisweilen nur eine Masche ist. Aber in diesem Film spürt man auch eine Wut und Lebenslust, die schon besonders sind.

Die Schauspieler hat Roehler mit seinem Enthusiasmus auf jeden Fall angesteckt. Der schlaksige Tom Schilling („Oh Boy“) erweist sich dabei als Idealbesetzung für den jungen Robert. Schilling (33) hält immer eine gewisse spöttische Distanz zu der Figur. Auch Ochsenknecht-Sohn Wilson Gonzalez überzeugt als schmieriger Peep-Show-Chef mit fiesem Schnurrbart, Hannelore Hoger darf die dämonische Mutter spielen, und Theaterstar Samuel Finzi vervollständigt dieses urdeutsche Gruselkabinett als abgewrackter, zynischer Alt-68er.

  • Der Film startet im Filmkunsttheater Atelier am Steinweg.

von Johannes von der Gathen

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