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Wer den Sirenen erliegt, gerät in Gefahr

Marburger Theater GegenStand Wer den Sirenen erliegt, gerät in Gefahr

Zugegeben: Mit der Pracht einer Bregenzer Seebühne kann die Lahn kaum mithalten. Aber: Wo sonst dürfen Zuschauer schon selbst ins Boot steigen?

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Chorszene mit Regencape: Diese Akteurinnen stimmten die Zuschauer auf das Geschehen ein.

Quelle: Carsten Beckmann

Marburg. Sie hätten es wissen sollen, die vier unvorsichtigen Premierenbesucher: Hütet euch vor den Sirenen, stopft euch Wachs in die Ohren! Aber nein, ran ans Ufer, ein wenig geflirtet mit den hübschen Damen – und schon klauen die Biester das Boot! Wer sich auf das Abenteuer „Odyssee 2009“ einlässt, kann darauf hoffen, dass er von Kalypso und Circe mit Schokolade gefüttert wird, muss aber auch befürchten, dass er genauso Schiffbruch erleidet wie der Held selbst. Das Sommerprojekt des Theaters GegenStand, das seit Montagabend auf und an der Lahn zwischen dem Bootsverleih und der Mensabrücke gezeigt wird, ist nicht so sehr etwas für puristische Altphilologen, sondern eher ein buntes Mitmach-Spektakel vor ungewöhnlicher Kulisse.

Rudimentäre Kenntnisse des Stoffs mitzubringen, kann natürlich nicht schaden, doch die Akteure verstehen es so geschickt, ihre Produktion auf die Figuren des Odysseus, der Penelope und deren Sohn Telemach einzugrenzen, dass auch unbedarfte Theatergäste schnell verstehen, was den Kern der Odyssee ausmacht: ein verschollener, für tot erklärter Held, eine trauernde Ehefrau, die sich zudringliche Freier vom Hals halten muss, und ein gleich dreifach besetzter Filius, der versucht, der Mama den Papa wiederzubeschaffen. Dazu: ein wilder Zyklop, ein furzender Automat, die Tanzmimen von „Two in One“ und der „Workshop Company“ aus Wien und Budapest sowie ein großer Tross zusätzlicher Helfer und Statisten. Am Ufer liefern zusätzlich in Einkaufswagen aufgestellte Videomonitore Textschleifen, die dem Betrachter die Charaktere näherbringen. Wichtiger, als sich vor dem Theaterbesuch mit dem Ausgangsmaterial befasst zu haben, ist es für die Theaterbesucher, einigermaßen souverän mit einem Tretboot oder einem Ruderkahn umgehen zu können – keine Sorge, im Fall von Havarien stehen die Freiwilligen der DLRG als Wasserschutzpolizei zur Verfügung.

von Carsten Beckmann

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