Volltextsuche über das Angebot:

17 ° / 11 ° wolkig

Navigation:
Wenn ein Rocksong geboren wird

Rockmusik Wenn ein Rocksong geboren wird

Die Entstehung eines neuen Rocksongs miterleben konnten die Besucher des „Offenen Studios“, das Softeis bei den Aufnahmen zur neuen CD anbot.

Voriger Artikel
Auf den Spuren von Agnes Günther
Nächster Artikel
Verborgene Orte der Kunst aufgespürt

Softeis-Gitarrist Gerhard Eismann (von links), Bassist Werner Eismann, Keyboarder Armin Holten, Schlagzeuger Michael Walter und Sänger Ronnie Moucka sind gut aufeinander eingespieltFotos: Manfred Schubert.

Quelle: Manfred Schubert

Mardorf. Am Ende waren alle begeistert. Die etwa 25 Zuhörer, die am Sonntagnachmittag ins „Offene Studio“ gekommen waren und drei Stunden lang miterlebt hatten, wie eine tags zuvor entstandene Ballade eingespielt wurde - und sich danach noch spontan die Grundidee zu einem weiteren Stück entwickelte. Arbeitstitel, vergeben von Sänger Ronnie Moucka: „You call my name“.

Und begeistert waren vor allem die Musiker selbst. Der Einfall, den alten Veranstaltungssaal „Rabe“ in Mardorf für die ersten Aufnahmen der neuen CD zu nutzen, erwies sich als Volltreffer. An diesem Ort standen die Eismann-Brüder Werner und Gerhard 1971 zum ersten Mal auf der Bühne und spielten mit der Band „The Blues“.

Der Saal mit dem tonnenförmigen Gewölbe und dem wohl auch aus dieser Zeit stammenden Mobiliar hat die damalige Atmosphäre bewahrt. Einige bunte Strahler über den vor der Bühne aufgestellten Instrumenten, Lautsprecherboxen und Mikrophonen vermittelten in dem dusteren Raum Auftrittsstimmung.

Zwei Tage lang hatten Aufbau und Soundcheck gedauert, am vergangenen Montag begann die Band mit den Aufnahmen. „Schon während des Soundchecks sind die ersten spontanen Ideen entstanden, während wir auf den Gitarren so vor uns hingespielt haben“, berichtete Gitarrist Gerhard Eismann. Und das sei so weitergegangen. Ideen, die im Studio, ohne dieses Live-Gefühl, nie gekommen wären, ist er sich sicher. Während der Aufnahmewoche seien die fünf Bandmitglieder mit ihren ganz unterschiedlichen Charakteren eng zusammengerückt. Und fünf Songs konnten bereits aufgenommen werden.

Erst kommt die Musik, dann erst der Text

Zumindest das Grundgerüst, die Feinarbeit erfolgt später im Studio. Was auf jeden Fall feststeht, ist die Aufnahme des Schlagzeugs. Wenn Gitarre, Bass und Keyboard gut waren, bleiben sie ebenfalls so, ansonsten werden sie nochmals eingespielt. Bläser oder Streicher können hinzukommen.

Als letztes, wenn das Stück fertig ist, wird getextet. Während der ersten Einspielung singt Ronnie Moucka einfach etwas auf Englisch, was ihm gerade auf die Zunge kommt. „Dann spüren wir die Emotionalität des Stücks und überlegen uns die passenden Worte“, erläuterte Gerhard Eismann.

Wie so eine spontane Idee entsteht, dass durften die Zuschauer live und ungeplant miterleben. Eigentlich wollten sich die Musiker nach dem Vorführen der fertigen Ballade inklusive ausführlicher Erläuterungen zur Aufnahmetechnik schon gemeinsam mit den Gästen ein Feierabendbier gönnen. Dann kamen sie doch dem Wunsch, noch einmal für weitere Foto- und Videoaufnahmen ein wenig zu spielen, nach.

Gerhard Eismann improvisiert etwas auf der Gitarre herum, plötzlich hat er ein neues Thema. Ronnie Moucka hört zu, versucht, etwas dazu zu singen. Noch ist es ihm zu „fuddelig“, er versucht, zu erklären, was er anders haben möchte.

Bassist Werner Eismann und Schlagzeuger Michael Walter klinken sich ein, während Keyboarder Armin Holten sich nach ein paar Versuchen hinsetzt und sagt, die anderen sollen allein weitermachen, er sei gerade nicht kreativ. Nach etwa 20 Minuten ist etwas entstanden, was die Jungs festhalten möchten. Werner Eismann geht nach hinten zum Aufnahmegerät, und der sechste Song kommt aufs Band.

Insgesamt, so versprach Gerhard Eismann, werden die ersten Aufnahmen eigener Songs seit etwa sechs Jahren eine kontinuierliche Weiterentwicklung von früher bringen: noch geradliniger, noch rockiger, die einzelnen Instrumente noch mehr zu spüren. Nur hinsichtlich des Fertigstellungs- und Veröffentlichungsdatums waren sich die Musiker nicht ganz einig. Während Gerhard ganz optimistisch an Dezember dachtet und an eine CD-Releaseparty im Saal „Rabe“, hatte Ronnie eher nächstes Jahr um diese Zeit im Sinn.

Und das Größte wäre für ihn, wenn die neue CD bei einem Auftritt als Vorband des großen Vorbilds Deep Purple vorgestellt werden könnte. Auch er sagte: „So gut und so schnell haben wir noch nie gearbeitet.“ Folgerichtig wurde am Ende bereits überlegt, zu einem späteren Zeitpunkt eine weitere Aufnahmewoche im Saal Rabe einzulegen. Eventuell wieder mit einem Tag des offenen Studios.

Von Manfred Schubert

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Kultur

Hier finden sie die Kommentare und Meinungen der Redakteure zu lokalen und weltpolitischen Themen sowie Glossen und augenzwinkernde Beträge. mehr