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Wenn der Pinsel zur Waffe wird

Elvira Bach stellt in Galerie Schmalfuß aus Wenn der Pinsel zur Waffe wird

Sie zählt zu den bekanntesten Künstlerinnen Deutschlands: die Berliner Malerin Elvira Bach. Derzeit sind ihre ausdrucksstarken Gemälde in der Galerie Schmalfuß zu sehen.

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Elvira Bach steht vor einem ihrer grell-bunten Selbstbildnisse, die in der Galerie Schmalfuß zu sehen sind.

Quelle: Bettina Preussner

Marburg. Eine Frau balanciert einen riesigen Stapel Geschirr, unter dem Arm einen Säugling, in der Hand einen Pinsel: „24 Hours“ heißt das Gemälde von Elvira Bach, und es erzählt ihre eigene Geschichte. Eine Malerin versucht, Familie und Beruf zusammen zu bringen, ein schwieriger Balanceakt.

Die weibliche Emanzipation ist Thema auf vielen ihrer expressiven Bilder, die Rolle der Frau als Geliebte, als Mutter und als Künstlerin. Aber – das Motiv ist immer sie selbst. Jedes Bild ist ein Selbstbildnis: mal als Mutter, mal als Vamp, mal als junge Frau. Für einen „Elvira Bach“ müssen Sammler etwas tiefer in die Tasche greifen: bis zu 63 000 Euro kosten die großformatigen Gemälde.

Elvira Bach wurde Anfang der 1980er Jahre als Vertreterin der „Neuen Wilden“ bekannt. Sie war damals die einzige Frau unter lauter Männern, wie Galerist Michael Schmalfuß bei der Vernissage am Samstagabend erzählte. Der Stil der „Neuen Wilden“ zeichnet sich durch kraftvolle Farbigkeit, gezielte Formlosigkeit und einen expressiven Pinselstrich aus.

Die Bilder sind spontaner Ausdruck individueller Empfindungen, manche weisen Graffiti-Elemente­ auf. „Bei Elvira Bach geht es immer um das Selbstbildnis und die Situation der Frau und Künstlerin“, erläuterte Schmalfuß. „Das Kämpferische war immer in ihr. Auf den Bildern wird der Pinsel oft wie eine Waffe gehalten.“

„Es hat sich schon viel verändert“

Elvira Bach ist weltweit bekannt und erfolgreich, so der Galerist weiter. Sie hat an der Documenta teilgenommen und im „MoMa“ (Museum of Modern Art) in New York ausgestellt. Derzeit sind ihre Arbeiten auch in London und Salzburg zu sehen. Neben den großformatigen Gemälden Bachs werden in der Galerie Schmalfuß einige Lithografien, Radierungen und eine Glasskulptur präsentiert.

Auf die Frage, wie sie die Rolle der Frau heute sehe, sagte die Künstlerin: „Es hat sich schon viel verändert. Aber noch immer ist es nicht einfach, Familie und Beruf unter einen Hut zu bringen.“ Dennoch sei es wichtig, eine Familie zu gründen, fuhr sie fort. „Mir ist es gut gelungen, beides zu verbinden.“

Elvira Bach wurde 1951 im hessischen Neuenhain im Taunus geboren. Von 1967 bis 1970 studierte sie an der Staatlichen Glasfachschule in Hadamar. Danach zog sie nach Berlin, wo sie von 1972 bis 1979 an der Hochschule der Künste Malerei studierte. Während des Studiums arbeitete sie an der Berliner Schaubühne, damals unter der Leitung von Peter Stein, als Requisiteurin, Souffleuse und Foyer-Dame. 1982 wurde sie zur Documenta 7 nach Kassel eingeladen. Dies war der Durchbruch für die Künstlerin, nationale und internationale Ausstellungen folgten.

  • Die Ausstellung ist bis 2. Mai zu sehen; geöffnet Dienstag bis Freitag 10.30 bis 13 Uhr und 15 bis 18.30 Uhr sowie Samstag 10 bis 16 Uhr (Steinweg 33).

von Bettina Preussner

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