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Wenn das Sozialamt zweimal klingelt

Theaterverein Wetter: „Cash“-Premiere Wenn das Sozialamt zweimal klingelt

Urkomisch ist die Inszenierung der englischen Boulevard-Komödie „Cash – Und ewig rauschen die Gelder“. Manche der 
170 Premierenbesucher kamen gar nicht mehr 
aus dem Lachen heraus.

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Eric Swan (Oliver Batz, von links) versucht vergeblich, seine Frau Linda (Simone Schwalm) davon abzuhalten, die Verkleidung von Norman Bassett (Rüdiger Clasani) auffliegen zu lassen. Sozialamtsleiterin Mrs. Cowper (Sandra Erkel) wittert den Betrug.

Quelle: Manfred Schubert

Wetter. Wer schon einmal versucht hat, einen Witz zu erzählen und treffsicher die Pointe verdorben hat, weiß, dass es keine kleine Kunst ist, Menschen zum Lachen zu bringen, und das noch über zwei Stunden lang.

Bei der Farce „Cash – Und ewig rauschen die Gelder“ sind die zehn Laienschauspieler vom Theaterverein Wetter in ihrer Konzentration höchst gefordert. Nicht nur lange Textpassagen gilt es zu bewältigen, sondern sekundengenaue Auftritte sowie die Übernahme ständig wechselnder Rollen, ohne sich zu verhaspeln und ohne Denk- und Sprechpausen, was sich verheerend auf die Situationskomik und witzigen Wortspielereien ausgewirkt hätte.

Alle Darsteller meisterten unter der Regie von Jürgen Helmut Keuchel diese Herausforderungen bei der Premiere am Freitagabend in der Stadthalle Wetter mit Bravour und boten dem Publikum eine Inszenierung von Michael Cooneys Stück um die Aufdeckung eines nach allen Regeln der Kunst auf die Spitze getriebenen Sozialbetrugs mit hohem Spaßfaktor.

Rasantes Geschehen nimmt überraschendes Ende

Insbesondere Rüdiger Clasani, der als Untermieter Norman Bassett ungewollt zum Mitwisser wird, wirkte in seiner mimisch, gestisch und rhetorisch zum Ausdruck gebrachten zunehmenden Verzweiflung zwerchfellerschütternd. Seine Versuche, die Aufdeckung des Schwindels durch den überforderten Außenprüfer des Sozialamtes (Uwe Fischbach) und schließlich dessen resolute Leiterin (Sandra Erkel) zu verhindern, sind urkomisch.

Oliver Batz steht ihm als Eric Swan nicht nach. Swan, der sich seit seiner plötzlichen Arbeitslosigkeit mit dem ungerechtfertigtem Bezug verschiedenster Sozialleistungen über Wasser hält, wirkt höchst komisch in seinen Versuchen, die drohende Enthüllung seines Betrugsgeflechtes doch noch abzuwenden.

Einmal in Fahrt gekommen, war das rasante Geschehen auf der Bühne auf dem Weg zum überraschenden Ende auch durch kleine Malheurs nicht mehr zu stoppen. Herbert Mettken steckte Onkel George bei der Premiere fast in einer Truhe fest, doch der Schlüssel war glücklicherweise schnell hinter der Bühne zur Hand.

Ohnehin musste Mettken für die Leidenschaft des Schauspielens körperlich am meisten leiden. Batz und Clasani versetzten ihm, um ihn „aufzuwecken“, deftige Ohrfeigen, die man noch in der letzten Reihe vernahm, und während der Proben hatte er mehrfach Blut vergossen – etwa als er mit an einer Trage gefesselten Händen auf die Nase gestürzt war. Und eine Tür wurde ihm so heftig an den Kopf geschlagen, dass deren Scheibe einen Sprung bekam.

Fast alle sterben – oder tun zumindest so

Benjamin Schmidt als Psychiater Dr. Chapman setzte weitere humoristische Akzente mit seiner angedeuteten Neigung für Frauenkleider. Er war damit keine große Hilfe für Linda Swan (Simone Schwalm), die ihn im Glauben an sexuelle Verwirrungen ihres Mannes und dessen Onkel George herbeigerufen hatte.

Daniela Fruth, die als Gemeindeschwester Sally Chessington vermeintlich Trauernden Trost spenden wollte, der angesichts der zunehmenden Zahl angeblich Verstorbener im Hause Swan höchste Ansteckungsgefahr witternde Bestattungsunternehmer Mr. Forbright (Hans Zietlow) sowie Cathrin Seibert, die als Verlobte Brenda Dixon kurz vor der geplanten Hochzeit das erfundene plötzliche Ableben Normans verkraften muss, vervollständigten das Bühnen-Personal.

Regisseur Keuchel hat gemeinsam mit dem spielfreudigen Ensemble aus „Cash“ eine rasante Gute-Laune-Komödie gemacht. Vom Premierenpublikum gab es am Ende minutenlangen Applaus.

  • Weitere Vorstellungen in der Stadthalle Wetter sind am Freitag und Samstag, am 18. und 19. März, um 20 Uhr, die Sonntagsvorstellung am 20. März beginnt bereits um 19 Uhr.

Karten sind im Vorverkauf im Gardinenstudio Mehring, Telefon 06423/6645, oder unter www.theaterverein-wetter.de erhältlich.

von Manfred Schubert

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