Volltextsuche über das Angebot:

7 ° / 1 ° Regenschauer

Navigation:
Wenn Saitenvirtuosen ganz wild werden

Das 37. Harfenfestival im KFZ Wenn Saitenvirtuosen ganz wild werden

Wahrhaft „vielsaitige“ Musik war beim 37.
Harfenfestival im Kulturladen KFZ zu hören. Mit dabei war das Duo „The BirdHouse“ aus Großseelheim.

Voriger Artikel
Tiefs verhageln 
bislang den 
Theatersommer
Nächster Artikel
Traditionelle Kunst auf Birkenrinde

Das Großseelheimer Duo „The BirdHouse“ (oben), bestehend aus Katja Hütte und Jochen Vogel, eröffneten das 37. Harfenfestival mit eigenen Kompositionen und traditionellen Liedern.

Quelle: Manfred Schubert

Marburg. „Jetzt kommt der wilde Teil des Abends“, hatte Jochen Vogel den letzten Teil des Konzerts angekündigt.

Aber es wurde nur noch schöner, als zunächst er und Katja Hütte, das Großseelheimer Duo „The BirdHouse“, zusammen mit der aus den schottischen Highlands stammenden Rachel Hair gemeinsam das melodische Stück „Cancro Cru“ von Anxo Pintos aus Galicien spielten.

Und der Hörgenuss steigerte sich weiter, als das Duo Ars Celtica, bestehend aus dem bretonischen Barden Rémi Chauvet alias Myrdhin (bretonisch für Merlin, den Zauberer aus der Artus-Sage) und der aus einer sizilianischen Familie stammenden Elisa Nicotra, ebenfalls auf die Bühne trat.

„Jetzt wird es ganz wild“

Alle fünf Akteure dieses 37. Harfenfestivals im Kulturladen KFZ spielten gemeinsam zunächst Myrdhins Stück „Rencontre“, das er „beim Frühstück geschrieben“ habe. Tänzerisch, flott und sehr kraftvoll erklangen die fünf Harfen und rissen die 125 Zuhörer mit.

Anschließend fiel es Vogel nicht schwer, nach der Ansage „jetzt wird es ganz wild“, das Publikum zum Mitmachen zu bewegen. Eine kleine Tonfolge auf die Silbe „Ne“ galt es zu singen, dazu mit den Füßen zu stampfen und auf die Schenkel zu klopfen. Das klappte hervorragend, jeder der Musiker übernahm auf dieser Grundlage eine Soloimprovisation, drei auf ihren Harfen, Myrdhin bot eine Tanzeinlage und Katja Hütte jazzigen Gesang.

Das machte Spaß und hörte sich, wie schon alles andere zuvor, hervorragend an. Unvermeidlich folgte die Forderung nach einer Zugabe. Mehr an gemeinsamen Stücken hatten die Künstler nicht vorbereitet, so gab es nochmals „Rencontre“ und begeisterten Schlussapplaus.

Wiegenlieder und Polka

Eröffnet hatte das vom Folkclub Marburg organisierte Konzert „The BirdHouse“ mit eigenen Kompositionen sowie Traditionellem aus verschiedenen Ländern. Eine schwedische Polka, das einer „Großseelheimer Jazzamsel“ abgelauschte heitere „Birdhouse Breakfast“, ein hübsch verzierter irischer Reel oder ein englisches Lied, von Vogel mit warmer Stimme gesungen, machten die Vielfalt des Duos mit den zwei großen irischen Metallsaitenharfen deutlich.

Rachel Hair, eine Schottin mit irischer Mutter, lässt neben den Traditionen dieser Wurzeln ihre Erfahrungen mit Klassik, Jazz und Rock in ihre Musik einfließen. So klangen ihre Märsche, Walzer, Airs, Hornpipes und Jigs bekannt und doch ganz frisch und neu, mal zum Tanz einladend, dann wieder verträumt.

Auf verspielt swingende Jigs voll wunderbarer Leichtigkeit folgte ein sanftes Wiegenlied von der Isle of Man und dann wieder eine Polka mit vertrackter Rhythmik und eine Hornpipe mit einer heiter-verspielten Melodie, die ein Lächeln auf die Gesichter der Zuhörer zauberte.

Musikalischen Zauber verströmte auch das Duo Ars Celtica ( Foto: Schubert). Zwei keltisch-druidische Triaden kündigte der zu den wichtigsten Musikern des keltischen Harfen-Revivals gehörende Myrdhin an. Zunächst drei Stücke über Vögel. Anfangs sang er gemeinsam mit Elisa Nicotra, bei La Mésange (Die Meise), einem etwas wehmütigen spanischen Liebeslied mit orientalischem Anklang aus dem 14. Jahrhundert, nur Elisa.

Dann drei Stücke über keltische Frauen: auf altfranzösisch besangen beide abwechselnd Isolde. Dann folgte Vivianne, „eine besitzergreifende Frau mit roten Haaren“, die Myrdhin in einer modernen Komposition kunstvoll porträtiert hat, und schließlich die irische Göttermutter Dana, bei der beider Spiel sich kunstvoll verschränkte.

von Manfred Schubert

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Hier finden sie die Kommentare und Meinungen der Redakteure zu lokalen und weltpolitischen Themen sowie Glossen und augenzwinkernde Beträge. mehr