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Wenn Kunst den Blick schärft

Ausstellung Wenn Kunst den Blick schärft

Rohre in Pastell, eine Ruine aus Shanghai und Aquarelle auf Transparentpapier: Ina Weber ist in Marburg zu Gast. Dabei verwandelt sie den Kunstverein in Kunst.

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Lampions mit den Logos von Unternehmen und Konzernen hängen in dieser Installation von Ina Weber über einer Häuserzeile.Foto: Nadja Schwarzwäller

Marburg. „Sie baut Gesehenes nach und fügt es neu zusammen.“ Mit diesen Worten skizziert der Vorsitzende des Marburger Kunstvereins, Dr. Gerhard Pätzold, die Arbeit der Künstlerin Ina Weber. Ein Beispiel: das „Mix Café“, das ein reales Vorbild, eine Bauruine in Shanghai hat und das als Materialcollage im Kunstverein steht. Es könne als Materialcollage und ebenso auch als Denkmal verstanden werden, so der Vorsitzende des Neuen Kunstvereins Gießen, Markus Lepper, bei seiner Einführung anlässlich der Vernissage am Freitagabend.

Ina Webers „Zusammenfügen“ erschafft mitunter komplett neue Räume. Das Obergeschoss des Kunstvereins sei nicht mehr nur Ausstellungsort, sondern selbst zur großräumigen Installation geworden, sagt Gerhard Pätzold. Fernwärmeleitungen, das „Mix Café“ und eine bepflanzte Sitzlandlandschaft aus (vermeintlichem) Waschbeton ergeben einen fiktiven Raum für den Besucher. Und ein paar Meter weiter leuchten Lampions mit Logos und Werbesymbolen als „Sternenhimmel“ über einer Straßenzeile. „Quasi im Vorbeigehen kann man den Blick, den Ina Weber auf die Dinge wirft, selbst nachvollziehen“, erläuterte Markus Lepper.

„Doppelbödigkeit“ attestierte er der Künstlerin und wies auf „die Fangnetze“ hin, „die sie uns immer wieder aufspannt“ und damit „unseren Blick mit ihrer Arbeit“ schärfe. Er wird herausgefordert, unser Blick; auf ganz besondere Weise zum Beispiel beim Betrachten der Aquarelle im Untergeschoss. Einige zeigen die Arbeit von Müllsammlern in Shanghai - ohne dass diese selbst je zu sehen sind. Auf Transparentpapier gemalt wirken die Aquarelle mit einem gewissen Abstand zum Teil fast fotorealistisch. Ihre Arbeiten auf Papier seien sehr eng an der Wirklichkeit, bestätigt Ina Weber, während ihre künstlerischen Umsetzungen oft Typisierungen und Konstruktionen darstellen.

Die unterschiedlichen Werkgruppen zeigen eine bemerkenswerte künstlerische Vielfalt. Allen gemein ist die Auseinandersetzung mit „Unorten“, wie Markus Lepper es formuliert; mit „abwegigen Gegenden“ zwischen Delmenhorst und Shanghai. Ina Weber widmet sich Bausünden und Ruinen, einer Bedürfnisanstalt und einem „fire exit“. Keine Hochglanzfassaden und keine Idyllen, sondern die Rückseiten von Gebäuden, die Dinge im Abseits.

„Ich mache keine Kunst, wo Denkweisen oder Rezeptionen fest vorgegeben sind“, sagt Ina Weber. Und wer genau hinsieht, der erkennt im kleinformatigen Bild „Manchester Chinatown“ die Spiegelung der Marburger Oberstadt von draußen. Urbane Räume allenthalben.

Die Ausstellung von Ina Weber ist noch bis zum 26. Juni zu den üblichen Öffnungszeiten des Marburger Kunstvereins (Dienstag bis Sonntag von 11 bis 17 Uhr und mittwochs von 11 bis 20 Uhr) zu sehen. Der Eintritt ist frei. Jeden Samstag wird eine ebenfalls kostenfreie Führung angeboten. Alle Informationen im Internet unter www.marburger-kunstverein.de.

von Nadja Schwarzwäller

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