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Was Krieg aus
 Menschen macht

OP-Buchtipp: Clifford Jackman: „Winter Family“ Was Krieg aus
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Die USA im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts liefern dem jungen Kanadier Clifford Jackman die Szenerie für ein gewaltiges und gewalttätiges Drama.

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Quelle: Heyne Hard Core

Von der Endphase des Bürgerkriegs bis zum Ende des sogenannten Wilden Westens lässt Jackman in seinem Debütroman „Winter Family“ eine Gruppe von Gesetzlosen Angst und Schrecken verbreiten.

Schon die erste kurze Szene etabliert die Grundstimmung des Romans. An einem Sommerabend fängt ein Mann ein Glühwürmchen. Er betrachtet es eingehend und zerquetscht es dann zwischen seinen Fingern. Dabei verspürt er sichtlich Freude.

In diesem Ton geht es weiter, so lange wie die Bande besteht, die unter dem Namen „Winter Family“ bekannt und berüchtigt wird. Ihren Ursprung hat sie im Amerikanischen Bürgerkrieg. Einige Soldaten der Nordstaaten-Armee werden 1864 zu einem Sondereinsatz abkommandiert, der völlig aus dem Ruder läuft. Sie können nicht als Helden zu ihrer Einheit zurückkehren, sondern müssen sich als gesuchte Mörder in der Wildnis verstecken.

Eine neue Art von Wahnsinn

In dieser Zeit entwickelt sich ein Mann zum Anführer der Bande. Augustus Winter sticht durch seine äußerst helle Haut und seine goldfarbenen Augen ebenso hervor wie durch völlige Angstlosigkeit und das Fehlen jeglicher Moral. In mehreren längeren Episoden erzählt Jackman in seinem Roman, wie sich die Bande über Jahre durchschlägt und sich dabei von keinerlei moralischen Überlegungen leiten lassen. Sei es, dass sie sich für die korrupten Bürgermeisterwahlen in Chicago als Handlanger anheuern lassen oder dass sie sich als Skalpjäger im unerschlossenen Arizona durchschlagen, sie bleiben Außenseiter der Gesellschaft.

Einer der Männer fasst beim Anblick seines vornehm gekleideten und scheinbar immer über den Dingen stehenden Anführers die Lage der Männer zusammen: „Dies hier war eine neue Art von Wahnsinn, eine Art Kehrseite des gesunden Menschenverstands, eine ganz neue Art, auf die Welt zu reagieren.“

Ein Teil dieses Wahnsinns ist die Grausamkeit, die im Roman als alltäglich dargestellt wird. Mehrere Dutzend Menschen werden im Verlauf des Buches ermordet, viele weitere Opfer werden nur nebenbei erwähnt. Jackman beschreibt viele dieser Morde detailliert und distanziert, ohne zu urteilen.

Durch die Brutalität der Handlung ist „Winter Family“ keine leichte Lektüre. Der Roman ist ein moderner Western in der Tradition von Cormac McCarthy. Ähnlich wie bei McCarthy ist auch in „Winter Family“ die Verlorenheit des einzelnen Menschen in einem desinteressierten Universum das zentrale Problem, das die Menschen zwar erleben, aber nicht verstehen.

  • Clifford Jackman: „Winter Family“, Heyne Hard Core, 520 Seiten, 14,99 Euro.

von Axel Knönagel

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