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Warmer Gesang, feurige Leidenschaft

Eckelshausener Musiktage Warmer Gesang, feurige Leidenschaft

Der Cellist Julius Berger, der Pianist Oliver Kern und die Geigerin Elisabeth Kufferath musizierten Meisterwerke von Felix Mendelssohn Bartholdy und Maurice Ravel.

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Julius Berger (von links), Elisabeth Kufferath und Oliver Kern freuen sich im Rathaussaal Biedenkopf über den Applaus des Publikums.

Quelle: Michael Arndt

Biedenkopf. Was unterscheidet die Eckelshausener Musiktage von anderen Festivals? Ihr künstlerischer Leiter, der Cellist Julius Berger, legt großen Wert darauf, Programme zu gestalten, die so nur dort zu erleben sind – Unikate also. Ein solches Unikat war am Dienstagabend im Biedenkopfer Rathaus zu hören. Seit Montag hatte Berger dafür gemeinsam mit seinen Musikerfreunden, der Geigerin Elisabeth Kufferath und dem Pianisten Oliver Kern, im Schartenhof geprobt. Und das Ergebnis, das so andernorts nie erklingen wird, stieß bei den knapp 100 Zuhörern auf einhellige Zustimmung.

Felix Mendelssohn Bartholdy hat eine große Zahl von „Liedern ohne Worte“ komponiert – alle für „sein“ Instrument, das Klavier. Ein einziges dieser Charakterstücke ist ein Duo für Violoncello und Klavier. Berger und Kern eröffneten damit den Abend. Nahtlos schloss sich Mendelssohns d-Moll-Klaviertrio an, dessen Kopfsatz-Themen ebenfalls Lied-Charakter haben. Berger und Kufferath widmeten sich ihnen mit warmem Gesangston, den Kern dann im „Lied ohne Worte“ des Andante-Satzes fortsetzte. Leichtfüßig nach Art eines „Sommernachtstraum“-Elfenspukes ließ das Trio das Scherzo dahin huschen, um sich danach mit feurigem Zugriff dem dramatisch-pathetischen Finale zu widmen.

Auch Maurice Ravel, der neben Claude Debussy bedeutendste Komponist an der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert, war ein großartiger Pianist. Seine Klavierwerke sind eine Herausforderung für jeden Interpreten.

Das gilt auch für den Klavierpart in seiner Sonate für Violine und Klavier und seinem Klaviertrio. Kern meisterte diesen mit atemberaubender Bravour und wahrte gleichzeitig wie schon im Mendelssohn-Trio optimal die Klangbalance mit den beiden Streichinstrumenten.

Im Kopfsatz der Sonate ließ Kufferath ihr Instrument mit herbem Ton singen, während Kern für tänzerischen Kontrast sorgte, um dann im jazzigen Mittelsatz mit dem Titel „Blues“ das Klavier als Schlaginstrument zu behandeln, während Kufferath auf der Violine den Klang eines Saxofons und Banjos imitierte. Mit Vehemenz durchmaßen beide Musiker das finale Perpetuum mobile.

Mitreißende Leidenschaft bestimmte die Wiedergabe der von baskischem Liedgut inspirierten Ecksätze des Klaviertrios, messerscharf arbeiteten Berger, Kufferath und Kern die rhythmischen Raffinessen des zweiten Satzes heraus, um dann die an dritter Stelle stehende Passacaglia wie einen Trauermarsch zu musizieren. Das Publikum ruhte nicht, bis die drei Musiker als Zugabe das Mendelssohn-Scherzo wiederholten.

Berger und Kufferath, diese dann als Bratschistin, sind noch einmal bei den 29. Eckelshausener Musiktagen zu hören: Am Freitag ab 20 Uhr in der Nicolaikirche Caldern musizieren sie gemeinsam mit den Geigern Yuzuko Horigome und Nicolas Dupont sowie der Bratschistin Kathrin Wipfler Werke von Johann Sebastian Bach und Johannes Brahms.

von Michael Arndt

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