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Wanderer zwischen den Welten

Theatergruppe Dramarasmus Wanderer zwischen den Welten

Um Flucht und Exil geht es in dem Stück „Transit“ nach Max Aub, das die Gruppe Dramarasmus auf die Bühne der Waggonhalle gebracht hat. Am Montagabend war 
Premiere.

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Der Theatergruppe Dramarasmus gehören internationale und deutsche Studierende an. In „Transit“ erzählen sie von der Flucht aus Europa. Mit dem Stück will die Gruppe ein Zeichen setzen in der Debatte um die aktuelle Flüchtlingskrise.

Quelle: Bettina Preussner

Marburg. Frankreich 1940. Ein Landstreicher liegt am Hafen in der Sonne und freut sich seines Lebens. Da taucht plötzlich ein aufgeregter und verängstigter Mann mit einem Koffer auf.

Er will das Land verlassen und diskutiert mit seinem Freund, ob man bleiben soll oder fliehen. Die beiden fragen sich, ob die Deutschen den Krieg gewinnen und wem man in Frankreich noch trauen kann. Aber wenig später werden sie von der gnadenlosen Militärpolizei aufgespürt, und die macht kurzen Prozess . . .

Szenenwechsel. Mexiko und Spanien 1947. Emilio kann nicht schlafen. Ständig muss er an seinen Sohn denken, der ihm schon so lange nicht aus der Heimat geschrieben hat. Emilio lebt in Mexiko im Exil, während seine Familie im Spanien Francos geblieben ist.

Engagierten Spiel der jungen Darsteller

Er beklagt sein Schicksal, die Unsicherheit in der Fremde und die ständige Sorge um den Sohn, der vermutlich in den Widerstand gegangen ist. Und tatsächlich, die Geschichte endet tragisch: Der Sohn wird im Kampf getötet, der Vater bleibt verzweifelt zurück.

Die Inszenierung von „Transit“ lebt zu allererst vom engagierten Spiel der jungen Darstellerinnen und Darsteller. Es sind vor allem Erasmus-Studenten aus verschiedenen Ländern Europas, die auf Deutsch spielen, eine beachtliche Leistung. Alle sind mit Herzblut und vollem Einsatz dabei und zeigen viel schauspielerisches Talent. In einer gelungenen Tanzeinlage stellen sie darüber hinaus ihr tänzerisches Können unter Beweis.

„Noch keine hundert Jahre ist es her, dass viele Menschen aus Europa fliehen mussten“, erklärte die Regisseurin Romy Semler. „Jetzt sind wir das aufnehmende Land. Die aktuelle Situation ist durchaus mit damals vergleichbar.“ Mit dem Stück wolle die Theatergruppe auch ein Zeichen in der Diskussion um die Flüchtlingskrise setzen, so die Regisseurin weiter.

Das Ensemble griff auf Vorlagen von Max Aub (1903-1972) zurück, ein hierzulande wenig bekannter Autor. Sein Vater war Deutscher, seine Mutter Französin. Seit 1914 lebte Aub in Spanien und verfasste alle seine Werke auf Spanisch.

Theatergruppe besteht seit 2011

Sein Leben war gekennzeichnet von den europäischen Katastrophen des 20. Jahrhunderts: Spanischer Bürgerkrieg, Zweiter Weltkrieg und Holocaust. Max Aubs Romanzyklus „El laberinto magico“ zählt zu den wichtigsten Darstellungen des spanischen Bürgerkriegs.Daneben hat er etliche Theaterstücke verfasst.

Die Gruppe Dramarasmus ist ein Ensemble aus internationalen und Marburger Studierenden, die zusammen Theater spielen und sich so besser kennenlernen wollen.

Seit der Gründung von Dramarasmus im Jahr 2011 hat die Gruppe in Marburg sechs Stücke auf die Bühne gebracht sowie Lesungen veranstaltet und zahlreiche Workshops organisiert.
Das Stück „Transit“ ist am Montag und Dienstag, 1. und 2. Februar jeweils ab 20 Uhr wieder in der Waggonhalle zu sehen.

von Bettina Preussner

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